Ernährungsmedizin: Trio Intestinale gegen Darmkrebs

4. Mai 2006
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Eine bislang einzigartige Ernährungskombination verspricht die optimale Prävention von Dickdarmkrebs: Der Ballaststoff Inulin ergibt zusammen mit zwei im Darm ansässigen Bakterienstämmen ein intestinales Trio, das Krebszellen schon in der Entstehungsphase zu bekämpfen vermag.

Dass Knoblauch nicht nur in Anwesenheit von Vampiren lebensverlängernd wirkt, konnte der Schriftsteller Bram Stoker seinerzeit nicht ahnen. Warum aber auch Zwiebeln, Spargeln oder Artischocken auf den Speisplan eine wichtige Rolle einnehmen sollten, verraten jüngste Forschungsergebnisse um Beatrice Pool-Zobel von der Universität Jena.

 

Jahrelang suchte die Ernährungstoxikologin nach Substanzen, die im menschlichen Körper eine krebsvorbeugende Wirkung entfalten. Jetzt endlich scheint festzustehen: Der Mehrfachzucker Inulin, der nicht nur im erwähnten Gemüse vorkommt, sondern auch vielen Joghurtprodukten als Verdickungsmittel zugesetzt wird, kann die Entstehung von Dickdarmkrebs massiv verhindern. "Wir sprechen hier über eine sehr frühe Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko zu senken, die jeder von uns durch die Art seiner Ernährung selbst in der Hand hat", erklärt dazu Pool-Zobel.

Tatsächlich sind die im Rahmen des von der EU geförderten SYNCAN-Projektes gemachten Beobachtungen mehr als viel versprechend. So konnten die Forscher an Krebszelllinien, im Tierversuch und in ersten Humanstudien nachweisen, dass das "Trio Intestinale" der Entstehung von Dickdarm-Tumoren schon "im frühen Stadium entgegenwirkt", wie die Ernährungstoxikologin nun im Uni-Journal Jena berichtet.

Um den schützenden Prozess in Gang zu setzen benötigt der Körper vor allem eins: Inulin. Was dann nach der Aufnahme geschieht, scheint jetzt zum großen Teil geklärt. Weil dem menschlichen Organismus die entsprechenden Enzyme fehlen, gelangt die Mehrfachzuckerverbindung unverdaut in den Dickdarm. Dort fangen Bifido- und Lactobazillusstämme mit dem Abbau der Substanz an – und bilden damit das eigentliche "Trio intestinale". Denn beim Inulin-Abbau entstehen eine ganze Reihe von Stoffwechselprodukten. Diese wirken ihrerseits auf die Darmzellen ein – und lassen sie auf oxidativen Stress effizienter reagieren. Tatsächlich bildet der Organismus beim Eindringen von krebserregenden Stoffen wie Benzo(a)pyren oder heterozyklische Amine, die beim starken Erhitzen von Fleisch entstehen, eine ganze Reihe von Abwehrproteinen. Dazu gehören auch jene Enzyme, die in der Lage sind, eindringende Toxine zu "entschärfen", wie die Professorin zu berichten weiß. Der Clou: Das Trio intestinale verstärkt genau diese Abläufe und bekämpft somit die Wirkung der Kanzerogene.

Eingriff in die Apoptose

Neben solchen Vorgängen kommt eine weitere Eigenschaft des Trios ins Spiel: sie treiben stark geschädigte Darmzellen, die sonst zu Tumorzellen entarten würden, gezielt in den Selbstmord. Außerdem könnten entartete Zellen sogar in Krebsvorstufen am weiteren Wachstum gehindert werden, mutmaßt Pool-Zobel, die jetzt im Rahmen der Nutrigenomics-Forschung die genetischen Ursachen der gemachten Beobachtungen aufklären möchte.

Warum die Inulin-Abbauprodukte des präventiv wirkenden Trios die Abwehrkette des Körpers in Gang setzen, und auf welche Weise sie dabei das genetische Programm der Darmzellen beeinflussen, ist allerdings noch ungeklärt. Offenbar aktivieren die gebildeten Abbauprodukte bestimmte Gen-Gruppen der Erbsubstanz, die der Tumorbildung entgegenwirken.

Inulin als Wunderwaffe anzusehen wäre freilich verfrüht. Denn nicht alle Arten der Inulinaufnahme wirken im Darm des Patienten gleich stark. Glaubt man den aktuellen Forschungsergebnissen, hat sich die Kombination aus einem prebiotischen Inulin aus der Chicoreewurzel und zwei probiotischen Milchsäurebakterienstämmen als besonders schlagkräftig erwiesen. Der in der Wurzel vorkommende Ballaststoff besteht aus einer kurzen und einer langen Fruktosekette – kommt jedoch in den Blättern der Chicorée kaum vor.

Zum Glück für jeden Patienten sind die Präventionsmaßnahmen dennoch einfach umzusetzen, wie die Professorin erklärt. Wer sein Dickdarmkrebs-Risiko minimieren möchte, solle vor allem auf die richtige Zusammenführung des "Trio Intestinale" achten. Als Anleitung für den Alltag klingt das so: "Ballaststoffe wie Inulin in Kombination mit Milchprodukten, die probiotische Bakterien enthalten"

 

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