Spezialisieren ist angesagt!

4. Mai 2006
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Die Staatsexamen sind durchgestanden, das Medizinstudium beendet. Nun folgt die Weiterbildung zum Facharzt. Für alle, die noch im Studium sind und sich unter einer Facharztweiterbildung noch nicht viel vorstellen können, hier eine kleine Einleitung zum Thema.

In der Weiterbildungsordnung wird das Ziel der Fachärztlichen Weiterbildung als folgt umschrieben:

"Ziel der Weiterbildung ist der geregelte Erwerb eingehender Kenntnisse,Erfahrungen und Fertigkeiten für definierte ärztliche Tätigkeiten nachAbschluss der Berufsausbildung. Sie erfolgt im Rahmen mehrjährigerBerufstätigkeit unter Anleitung zur Weiterbildung befugter Ärzte. Die Weiterbildung wird grundsätzlich mit einer Prüfung abgeschlossen. Ziel derWeiterbildung ist auch die Sicherung der Qualität ärztlicherBerufsausübung."

Ab Oktober 2005 ist eine neue Weiterbildungsordnung in Kraft getreten. Natürlich gibt es hier noch Übergangsfristen, aber alle, die jetzt eine Weiterbildung anfangen möchten, müssen dies gemäß der aktuellen Weiterbildungsordnung tun. Mehr Informationen hierzu findet Ihr auf den Webseiten der Ärztekammern.

Wieso eine Weiterbildung machen?

Bis ins Ende der Neunziger Jahre konnte man sich mit dem abgeschlossenen Medizinstudium in der Tasche als Praktischer Arzt niederlassen. Eine Facharztausbildung war nicht nötig um Hausarzt zu sein. Anfang der Neunziger Jahre wurden allerdings Gesundheitsreformen durchgeführt, die dafür sorgten, dass sich jetzt in der Bundesrepublik nur noch niederlassen kann, wer einen Facharzttitel hat. Deswegen braucht eigentlich jeder, der den Beruf als Arzt nach dem Studium ausüben möchte, eine Weiterbildung zum Facharzt. Ohne den kommt man in Deutschland einfach nicht weiter.

Die Weiterbildung an sich

So, nun wäre der Grund für eine Weiterbildung geklärt. Wie sieht aber die Weiterbildung aus? Was wird von einem verlangt? Was viele nicht wissen: Es gibt keine einheitliche Weiterbildungsordnung für Deutschland. Da sich die Facharztweiterbildungen in den einzelnen Bundesländern alle leicht unterscheiden, ist es hier nicht möglich, den genauen Ablauf wiederzugeben. Generell kann eine Weiterbildung jedoch nur nach Abschluss der ärztlichen Ausbildung und an einer eingetragenen Weiterbildungsstätte erfolgen. Eingetragene Weiterbildungsstätten haben eine Weiterbildungsbefugnis der Ärztekammer erhalten. Ihr könnt euch auf den Webseiten der Ärztekammern hierzu informieren. Vor Beginn der Weiterbildungszeit muss man als Assistenzarzt einige wichtige Entscheidungen fällen, die den zukünftigen Werdegang bestimmen. Nicht nur die Frage, welche Facharztrichtung gewählt wird, sondern auch, wie lange man in einer Klinik bleiben kann und wie groß eine Klinik sein muss, fällt ins Gewicht. Die Kammer legt fest, welche Ärzte wie lange weiterbilden dürfen und wie lange die Assistenzarztzeit in den einzelnen Fächern dauert. Wer nicht das Glück hat, eine Stelle in einer großen Klinik zu finden, in der er bis zur Facharztprüfung bleiben kann, muss sich möglichst frühzeitig erkundigen, wie lange der eigene Chefarzt weiterbildungsermächtigt ist und an welchen Krankenhäusern man seine Ausbildung fortsetzen kann. Viele Kliniken bieten feste Rotationen mit anderen Kliniken an, wodurch eine komplette Ausbildung auch ohne komplizierten Stellenwechsel möglich ist.

Was wird während der Weiterbildung verlangt?

Einfach Zeit absitzen ist während der Weiterbildung nicht drin. Die WBO verlangt viel Einsatz in Form von diagnostischen und operativen Eingriffen. Spezialveranstaltungen müssen besucht werden, z.B. zum Erwerb von psychosomatischen Grundkenntnissen für die Allgemeinmedizin. Es ist deshalb sinnvoll, eine sechsjährige Weiterbildungszeit bei vielen verschieden Chefärzten zu absolvieren, um so rundum Wissen in einem bestimmten Fachgebiet zu erlangen. Wichtig ist es, dass der zur Weiterbildung ermächtigte Arzt den Assistenzärzten vor Beginn der Weiterbildung ein gegliedertes Programm für die Weiterbildung im Fachgebiet, Teilgebiet oder in der Zusatz-Weiterbildung zusammenstellt. Hierauf sollten Ihr unbedingt bestehen! Zusätzlich hierzu sind in der WBO jährliche Treffen vorgesehen, bei denen Fortschritt und Defizite der Weiterbildung besprochen werden. Der Inhalt dieses Gesprächs muss schriftlich festgehalten werden!

Welche Spezialisierungen gibt es?

In der neuen WBO gibt es nur noch drei Qualifikationsebenen (früher gab es fünf!):

  1. Facharztbzeichnungen
  2. Schwerpunktweiterbildungen und
  3. Zusatzbezeichnungen.

In der neuen WBO wurde die Facharzt-Spezialisierung für Allgemeinmedizin undInnere Medizin grundlegend geändert. Beide Fachrichtungen verlangen nun dasAbsolvieren einer gemeinsamen Grundausbildung von drei Jahren. Danach trennt sich der Weg.

  • Beim angehenden Allgemeinmediziner, jetzt noch Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin genannt, schließen sich weitere zwei Jahre bis zum Erwerb des Facharztes an.
  • Beim Internisten mit Schwerpunktbezeichnung schließt sich der Basisausbildung eine nochmals dreijährige Ausbildung im Schwerpunktfach an.

Danach kann man dann zum Beispiel die Bezeichnung Internist und Pneumonologe führen. Es ist nicht mehr möglich, Internist ohne Schwerpunkt zu werden!
Durch diese Änderungen haben junge Ärzte mehr Zeit, sich für eine bestimmte Richtung zu entscheiden. Viele Mediziner wissen nach der Approbation nicht, ob sie als Facharzt für Innere Medizin eher spezialisiert tätig sein wollen oder ob sie lieber in der allgemeinen Patientenversorgung als Hausarzt arbeiten möchten. Nun hat der junge Arzt drei Jahre Zeit, Innere Medizin auszuüben, ohne eine Entscheidung fällen zu müssen. Erst nach dieser Zeit muss er wählen, ob er nun Hausarzt oder Subspezialist der Inneren Medizin wird. Eine vollständige Liste der zu spezialisierenden Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen findet Ihr hier.

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