Organspende: Sinkende Bereitschaft

5. Dezember 2013
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Die Bereitschaft, einen Organspende-Ausweis auszufüllen, ist deutlich zurückgegangen. Stärkster Grund sind die im vergangenen Jahr publik gewordenen Transplantationsskandale an deutschen Kliniken. Das geht aus dem Gesundheitsmonitor hervor.

Laut einer repräsentativen Umfrage unter 1.975 Befragten für den Gesundheitsmonitor hat sich das Meinungsklima gegenüber Organspenden deutlich verschlechtert. 2011 gaben noch 62 Prozent der Bundesbürger ohne Spenderausweis an, prinzipiell zu einer Spende bereit zu sein. Dieser Wert ist auf 48 Prozent gesunken. Dramatisch niedrig ist das Vertrauen der Bürger, dass bei der Organvergabe die geltenden Regeln eingehalten werden: Nicht einmal jeder fünfte Befragte (19 Prozent) geht davon aus, dass Kliniken die Vorgaben befolgen. “Dieses Meinungsbild kann langfristige Folgen haben”, sagte Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Zumal auch die Transplantationsmediziner erheblich an Ansehen einbüßten: Die meisten Bürger (56 Prozent) glauben, dass der Arzt sich – bei Vorliegen eines Organspendeausweises – mehr für die Organe als für sie selbst interessiert. Vor den Skandalen sagten das nur 46 Prozent. Von den befragten Besitzern eines Organspendeausweises gaben drei Prozent diesen sogar wieder ab.

Rückgang in direktem Zusammenhang mit Skandalen

Der Rückgang der Bereitschaft zur Organspende steht in direktem Zusammenhang mit den Transplantations-Skandalen an deutschen Kliniken. 39 Prozent der Befragten geben an, dass die Fälle, in denen Kliniken gegen die Transplantationsregeln verstoßen haben, ihre generelle Einstellung gegenüber Organspenden maßgeblich beeinflusst haben. Der Vertrauensverlust macht es unwahrscheinlicher, dass sich in naher Zukunft die Zahl der Organspendeausweise erhöht. Laut Gesundheitsmonitor hat derzeit nur etwa jeder fünfte Bundesbürger einen solchen Ausweis ausgefüllt. “Um einer Organspende zuzustimmen, ist Vertrauen der allerwichtigste Faktor. Die Bürger möchten aus zuverlässiger und glaubwürdiger Quelle sachbezogen und klar informiert werden”, sagte Brigitte Mohn.

Zentrales Organspende-Register als mögliche Lösung

Prof. Marlies Ahlert von der Universität Halle-Wittenberg, die die vorliegende Studie betreut hat, bestätigt das: “Die Analysen zeigen: Je besser sich die Menschen über das Vergabeverfahren informiert fühlen, desto mehr Vertrauen haben sie in dieses Verfahren.” Zusätzliches Vertrauen aufzubauen, brauche Zeit. Die nach den Skandalen im vergangenen Jahr eingeführten Verbesserungen bei Aufklärung und Kontrolle haben sich in der Studie noch nicht positiv auf das Meinungsbild der Bürger ausgewirkt. Eine wirksame vertrauensbildende Maßnahme könnte, laut Marlies Ahlert, ein zentrales Organspende-Register sein. Die Idee findet in der Bevölkerung breite Unterstützung. 66 Prozent der Bürger sind für eine einheitliche Erfassung der Spendebereitschaft. Der Wille des Betroffenen soll allerdings erst nach seinem Tod zugänglich sein. Eine solche Maßnahme würde, so Ahlert, die Spendebereitschaft insbesondere bei denjenigen erhöhen, die trotz positiver Einstellung noch immer keinen Spendeausweis besitzen.

10 Wertungen (4.6 ø)

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3 Kommentare:

Gesundheits- und Krankenpfleger

Wundert sich denn jemand ernsthaft darüber?? Nach den Berichten aus diversen Kliniken ist das doch nur verständlich. Wer da nicht ins Grübeln kommt ist selber schuld. Wie soll man denn da noch Vertrauen haben, wenn man nicht sicher sein kann dass es mit rechten Dingen zugeht.

#3 |
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Ich glaube, dass neben den Vergabeskandalen auch die von namhaften Experten bejahten Unsicherheiten, inwieweit der Hirntod wirklich mit dem realen Ableben eines Menschen gleichzusetzen ist, viele Leuten abschrecken. Die Vorstellung, im Falle einer Organentnahme nicht wirklich tot zu sein, ängstigt die Menschen. Dass diese Bedenken nicht von den Hand zu weisen sind, war auch Thema auf dem 6. Ethikforum im Juli 2013 in Bonn. Neurowissenschaftliche Untersuchungen unter Einsatz funktionaler Bildgebung zeigen, dass ein vermeintlich lebloses Hirn nach Feststellung des Todes noch zu vielen physiologischen Reaktionen in der Lage ist. Ein sicheres Todeskriterium scheint der sog. Hirntod nicht zu sein.
Dies alles sollte freilich niemanden vom Ausfüllen eines Spenderausweises abhalten. Die Möglichkeit ein “Nein” anzukreuzen muss jedem ohne moralische Vorhalte zugestanden werden. Angehörigen und Rettungskräften erspart das belastende Entscheidungskonflikte.

#2 |
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barbara stephan
barbara stephan

Wer hätte das gedacht?

#1 |
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