Verhütung: Plug’n Play

19. Mai 2006
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Wir Männer sind beim Thema Empfängnisverhütung bekanntlich peinlich sensibel und sehr differenziert. Bei der "Pille" nehmen wir die den Frauen zugemuteten Veränderungen im Hormonhaushalt achselzuckend als zwangsläufig hin und gehen, insgeheim versteht sich, sogar von einem günstigen Effekt auf die Frauenpsyche aus. Sobald sich aber irgendjemand unserem eigenen Hormonhaushalt medikamentös nähern möchte, fangen wir an, Zeter und Mordio zu schreien. Das geht nun wirklich nicht.

Locker bleiben, die Spermien kommen wieder…

Trotz maskuliner Skepsis wurden die Arbeiten an der Pille für den Mannin den letzten Jahren voran getrieben. Mit zunehmendem Erfolg. Zwargilt die Spermatogenese der Männer als biologisch komplizierter aus demGleichgewicht zu bringen als der Zyklus der Frau. Mit einer Kombinationaus Testosteronspritzen und einem Gestagenimplantat könnte das aberdurchaus gelingen. Unter anderem das Unternehmen Schering ist in diesemBereich aktiv. Ganz ähnlich wie bei der hormonellen Empfängnisverhütungder Frau greift auch die Testosteron -/Gestagen-Kombination beim Mann indie Regelkreise zwischen Hypothalamus und Hypophyse ein, mit derKonsequenz, dass die Spermienproduktion ausbleibt. Dass bei praktischallen in den letzten Jahren untersuchten Schemata zurtestosteronbasierten, männlichen Kontrazeption die Zeugungsfähigkeitwiederkehrt, wenn die Behandlung abgesetzt wird, konnte jetzt ein inder Fachzeitschrift The Lancet publizierter Übersichtsartikel noch einmal überzeugendnachweisen. Entwarnung für den Mann also: “Unsere Analysen zeigen, dassMänner, die ein Jahr lang mit Testosteronpräparaten behandelt werden,vier bis fünf Monate brauchen, um wieder eine Spermienkonzentration von20 Millionen pro Milliliter zu erreichen”, so Peter Liu von derUniversität Kalifornien in Los Angeles. Bei zwei Dritteln war es nach einem halben Jahr so weit. 20 Millionen Spermien proMilliliter gelten als weitgehend normal. Eine Zeugungsfähigkeit kannaber auch schon früher gegeben sein.

FDA sagt ja zum Stöpseltest

Je nachdem, wen man fragt, werden im Hinblick auf die möglicheMarkteinführung der Testosteron-Gestagen-Kombinationen Termine zwischen2009 und 2013 genannt. Vor einigen Jahren hieß es schon einmal 2005,was offensichtlich zu optimistisch war. Möglicherweise macht sogar nochein ganz anderes Prinzip den Pillen den Rang als erstes nachweisbarreversibles Männer-Kontrazeptivum streitig. Die Rede ist von einemVerfahren, das jetzt von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA füreine Studie zugelassen wurde: Ein Stöpselsystem für den Samenleiter .Das von der Shepherd Medical Company, einem Konsortium vonWissenschaftlern und Unternehmen, entwickelte Intra Vas Device (IVD) soll zunächst beineunzig Freiwilligen ausprobiert werden. Wie der Name schon andeutet,werden die Stöpsel in die beiden Vas deferens, also in die Samenleiterplatziert. Dort versperren sie ganz einfach den Spermien den Weg nachdraußen. SMC-Präsident Jim Stice weist auf die Vorzüge dieses ehermechanistischen Ansatzes gegenüber hormonellen Verfahren hin: “DieMänner müssen keine Angst haben, dass sie Akne bekommen oder zunehmen,oder dass ihr Sexualtrieb verrückt spielt – all diese Dinge könnenpassieren, wenn mit den Hormonen herumgemacht wird”. In einerPilotstudie, die dem jetzt gestarteten Großversuch vorausging, konntebereits bei dreißig Männern der Effektivitätsbeweis erbracht werden.Alle dreißig hatten nach der Implantation des Stöpselsystems entwederüberhaupt keine Spermien mehr in ihrem Samen oder aber so wenige, dasses nach menschlichem Ermessen nicht ausreicht, um zu einerSchwangerschaft zu führen.

Geht der Stöpsel auch wirklich wieder raus?

Bis jetzt nur bei Affen gezeigt werden konnte allerdings, dass dasVerfahren tatsächlich auch nach einem längeren Gebrauch reversibel ist.Daten gibt es hier über sieben Monate. Beim Menschen müssen dieseErfahrungen erst noch gesammelt werden, sodass das IVD derzeit nurjenen Männern angeboten wird, die ohnehin eine Durchtrennung desSamenleiters, also eine endgültige Lösung, möchten. Sollte sichherausstellen, dass die Stöpseltechnik auch beim menschlichen Mannedurch Entfernung der Stöpsel umkehrbar ist, dürfte der kommerzielleErfolg des hormonfreien Verfahrens sicher sein. Die immerhin mitInjektionen verbundene Pille für den Mann wird dann einen etwasschwereren Stand haben.

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