Überleben nach Krebs: Deutschland gut positioniert

6. Dezember 2013
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EUROCARE-5, die größte Studie zum Überleben nach Krebserkrankungen in Europa, zeigt: Das Überleben nach Krebs hat sich in Europa für Kinder und Erwachsene weiter verbessert. Die Ergebnisse für Deutschland liegen über dem Europäischen Durchschnitt und damit in der Spitzengruppe.

Das Überleben nach einer Krebserkrankung ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Effektivität des Gesundheitssystems. Die EUROCARE-Studie ist die größte, bevölkerungsbezogene Studie zum Überleben nach Krebs in Europa. Sie wird vom Wissenschaftlern des ISTITUTO SUPERIORE DI SANITA, Rom, Italien koordiniert. In der Vergangenheit konnten von der Studiengruppe innerhalb Europas bereits deutliche Unterschiede im Überleben nach Krebs identifiziert werden.

In der aktuellen EUROCARE-5-Studie wurden für den Zeitraum 2000-2007 etwa 8,6 Millionen neu an Krebs Erkrankte aus 29 europäischen Ländern eingeschlossen, darunter 750.000 Patienten aus Deutschland. „Deutschland konnte erstmals mit mehreren Krebsregistern und damit auch deutlich repräsentativer als in der Vergangenheit teilnehmen“, erläutert Prof. Dr. Alexander Katalinic, Vorsitzender der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V., Universität zu Lübeck und Mitglied im Steuerungsgremium der EUROCARE Gruppe. „Die Ergebnisse zeigen für Deutschland eine sehr gute onkologische Versorgungsqualität an, für fast alle Krebsarten ist Deutschland in der Spitzengruppe.“

Insgesamt deutliche Verbesserung

„Insgesamt hat sich das Überleben nach Krebs in Europa für die meisten Krebsarten deutlich verbessert“, sagt Prof. Dr. Herman Brenner vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. So ist die 5-Jahres-Überlebensrate für Krebserkrankte der Jahre 1991-2001 verglichen mit Erkrankten der Jahre 2005-2007 beispielsweise Darmkrebs von 52% auf 58% oder für das Non-Hodgkin-Lymphom (eine Form des Lymphdrüsenkrebses) von 54% auf 60% gestiegen. Das gilt für fast alle Regionen Europas. „Dennoch gibt es weiterhin deutliche regionale Unterschiede“, sagt Dr. Alice Nennecke, deutsche Koautorin der Studie und Sprecherin der GEKID Arbeitsgruppe Überleben. „Auffällig sind die niedrigen Überlebensraten in den osteuropäischen Ländern. Erfreulich ist das gute Abschneiden für Deutschland, wobei diese Daten offen lassen, inwieweit Krebserkrankungen früher diagnostiziert oder bzw. und besser behandelt werden.“

Überleben von krebskranken Kindern

Die gute onkologische Versorgungsqualität in Deutschland ist auch für Krebs bei Kindern festzustellen. In einer zeitgleich veröffentlichten Untersuchung wurden die Ergebnisse zum Überleben von krebskranken Kindern veröffentlicht. Insgesamt wurden in Europa etwa 158.000 Kinder mit Krebs bis zum Jahr 2007 eingeschlossen. Das Deutsche Kinderkrebsregister hat für die Analysen über 13.000 Fälle bereitgestellt. „Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate für alle Kinderkrebserkrankungen schwankt in Europa zwischen 70% und 80% und mehr. Deutschland ist hier wieder in der Spitzengruppe. Auch bei Kinderkrebs sind in den osteuropäischen Ländern niedrigere Überlebensraten zu beobachten“, so der Leiter des Deutschen Kinderkrebsregister PD Dr. Peter Kaatsch.

Originalpublikationen:

Cancer survival in Europe 1999—2007 by country and age: results of EUROCARE-5—a population-based study
Roberta De Angelis et al.; The Lancet Oncology, doi: 10.1016/S1470-2045(13)70546-1; 2013

Childhood cancer survival in Europe 1999—2007: results of EUROCARE-5—a population-based study
Gemma Gatta et al.; The Lancet Oncology, doi: 10.1016/S1470-2045(13)70548-5; 2013

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1 Kommentar:

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Viele neue aber wissenschaftlich gut dokumentierte Therapiemöglichkeiten haben noch nicht Einzug in die Regelversorgung genommen. Für Brustkrebs gibt es mit Femtel, Endopredict und Mammaprint Test mit dem ermittelt werden kann ob eine Chemotherapie sinnvoll ist. Der Spherotest kann sogar nachweisen welche medikamentöse Therapie beim individuellen Patienten am wirksamsten sein wird

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