Ärzte wollen sich ver.di nicht anschliessen.

23. Mai 2006
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Am 19. Mai 2006 hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) eine Einigung mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) geschlossen. Für die Ärzte hatte der TdL-Vorsitzende Möllring nach der Einigung eine Überraschung parat - Die Einigung mit ver.di habe auch für die Klinikärzte zu gelten.

Der Marburger Bund, als Gewerkschaft der Klinikärzte, ist von diesen Ansichten Hartmut Möllrings wenig angetan. Auf der sonntäglichen Hauptversammlung des Marburger Bundes am 19. Mai in Magdeburg sprach sich MB-Vorsitzender Montgomery strikt dagegen aus, Ärzte mit in den ver.di-Topf zu werfen.
"Sollte es Herr Möllring wagen, den seit neun Wochen streikenden Ärzten diesen Tarifvertrag überzustülpen, wird er in den Unikliniken eine Streikexplosion erleben.", sprach Montgomery.

Klinikärzte sind entschlossen

Es ist längst nicht so, dass der Marburger Bund Aktionismus betreiben muss, um den Willen zum Streik bei den Klinikärzten aufrecht zu erhalten. Vielmehr wollen sich auch die meisten Klinikärzte aus den kommunalen Häusern den Streikaktionen anschließen, da sie sich aus den noch ausstehenden Verhandlungen mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) wenig erhoffen.
Für die meisten streikenden Klinikärzte lautet die Devise "Jetzt oder nie". Nicht nur die Arbeit am Patienten wird bestreikt, auch persönliche Forschungsvorhaben und die Doktorandenbetreuung leiden unter den Streikaktivitäten. Der über Jahre angestaute Unmut entlädt sich jähzornig.Der Marburger Bund verzeichnet seit dem Bruch mit ver.di im Jahr 2005 einen Zuwachs von über 20.000 neuen Mitgliedern. Insgesamt 100.000 Mitglieder organisieren sich also im Marburger Bund. Da ist es zu verstehen, dass die MB-Spitze auf den ersten arztspezifischen Tarifvertrag pocht und die ver.di-Lösung nicht akzeptieren kann und will.

Verhandlungsgeschick ist gefragt

Der neuerliche Vorstoß Möllrings wird von vielen auch als taktisches Manöver gesehen. Es wird demnach versucht, einen Keil zwischen ärztliches und nichtärztliches Personal der Krankenhäuser zu treiben, indem man die streikenden Ärzte als unsolidarische Snobs erscheinen lässt.
Genau diese Gefahr gilt es zu umschiffen. Ärzte sind Teamplayer, doch sind sie gleichzeitig wichtige Teamplayer. Wenn die Ärzte sich nun beugen, werden Tarifverhandlungen weiterhin aus viel Geplapper und nicht zufrieden stellenden Minimalkonsens-Debatten bestehen. Aus dieser Perspektive betrachtet sind die streikenden Klinikärzte auch Vorreiter, die dem ewigen Gewusel um den größten gemeinsamen Nenner die Stirn bieten wollen.

Ärzte halten zusammen

Von besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen für Ärzte wird mit Sicherheit auch das gesamte Krankenhaus profitieren. Da mutet es ungerecht an, wenn politisch motivierte Verhandlungsführer der Länder mit falsch interpretierten Zahlen Augenwischerei betreiben und die öffentliche Meinung gegen die Ärzteschaft lenken wollen.
Nicht umsonst protestieren auch die niedergelassenen Mediziner seit Wochen und Monaten gegen das marodierende Ärzteleben, obwohl sie mit dem Marburger Bund nichts zu tun haben. Welch besseren Beweis braucht es da, um zu sagen, dass mit den Ärzten Deutschlands wirklich falsch umgegangen wird.

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