Hoffnungsschimmer am Hypertonie-Horizont

24. Mai 2006
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Bluthochdruck (BD) ist und bleibt ein gesundheitliches Risiko mit zunehmender Tendenz. Die Forschung bietet zwar reihenweise Studien an, neue bahnbrechende Ergebnisse fehlen hingegen. Es sei denn, die gentechnischen Ansätze der Forscher aus Florida läuten einen neue Behandlungsära ein.

Bluthochdruck – Risikofaktor Nr.1 für Herzinfarkt & Co.

Von der Volkskrankheit namens Bluthochdruck sind in Amerika einDrittel der Bevölkerung, annähernd 65 Millionen, betroffen, obwohl dieBlutdruckmessung zum präventiven Behandlungsstandard zählt! InDeutschland gehört laut Schätzung der Hochdruckliga gut ein Viertel, d.h. 20 Millionen, zur Risikogruppe. Aber nur einViertel der Betroffenen werde hierzulande behandelt! Im europäischenDurchschnitt sieht es nicht anders aus. Die Gründe, weshalb Hypertonie nicht in den Griff zu bekommen ist, sind wie so oft vielfältig. DerPatient will oder kann nicht abnehmen, Sport ist nicht sein Ding, dafüraber Alkohol und Nikotin, die Medikamente bleiben ohne Wirkung oderhaben unliebsame Nebenwirkungen, etc.. Auf medizinischer Seite gibt eszu wenige Langzeit-Studien mit der Auswertung vonBehandlungserfahrungen. Die Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck undanderen Erkrankungen, wie beispielsweise Stoffwechselstörungen, lassenFragen offen. Zeitgleich steigt die Zahl der Todesfälle durchHerzinfarkt , Schlaganfall und Nierenversagen. Genug der Gründe,weshalb Hypertonie als Risikofaktor Nr. 1 weiterhin auf demPflichtzettel der Forscher steht, wie beispielsweise an der Universityof Florida.

Zwei Hoffnungen mit einer Gen-Korrektur

Auf der Suche nach einer neuen Methode zur Behandlung progressiver Hypertonie, machte ein Team der University of Florida eine erstaunliche Entdeckung. DieForscher hatten an Ratten getestet, inwieweit ihr Ansatz, d.h. Nutzungder Gen-Korrektur, zur Reduzierung des Bluthochdrucks in Zusammenhangmit Nierenversagen beiträgt. Es gelang ihnen nachweislich, nicht nurdas Fortschreiten der Hypertonie zu stoppen, sondern auch – zu ihrerÜberraschung – kranke Nieren weitestgehend wieder in Funktion zuversetzen. Laut Zhongjie Sun, Autor der Studie, ist zwar bekannt, dassHypertension zu Nierenfehlfunktionen führen kann. Aber nun habe sichgezeigt, dass der Verursacher für Bluthochdruck, nämlich dasMR-Protein, eine größere Rolle bei der Entstehung von Nierenkrankheitenspielt, als bisher von den Forschern vermutet wurde.

Gentechnologie stoppt Hypertonie?

Mit diesem erstaunlichen Ergebnis ist zwar das originäre Ziel, denBluthochdruck auf einen normalen Level zu senken, noch nicht erreicht.Aber die Forscher, so Zhongjie Sun, setzen darauf, dass es eineslängeren Monitoring der behandelten Ratten bedarf, um den gewünschtenEffekt nachzuweisen. Die kürzlich veröffentlichte Studie basiert aufeinem vierwöchigen Beobachtungszeitraum. Die Forscher nutzten bei ihremTest ein Korrektur-Gen, das den so genannten Mineralocorticoid Receptor(MR) in der Niere blockiert. Das MR-Protein ist als Verursacher vonHypertonie bekannt. Die bisher verfügbaren Medikamente, die das Proteinkillen sollen, haben jedoch den gravierenden Nachteil, dass sie auchandere Rezeptoren blockieren, was zu unerwünschten Nebenwirkungenführt. Die Methode der Forscher aus Florida hingegen bedient sich derRNA-Interference, um die entsprechende Genexpression ganz gezielt aufdas MR-Protein anzusetzen. Dieser neue Ansatz in der Wissenschaft, derHypertonie gentechnisch den Kampf anzusagen, könnte eine große Chancedarstellen. Dazu müssen allerdings erst einmal weitere Tests unterBeweis stellen, dass es funktioniert. Gelingt das vor 2025, könnten dieHochrechnungen der Tulane University vielleicht positiver ausfallen.

Weltweite Epidemie durch Bluthochdruck?

Eine Studie der Tulane University School of Public Health (NewOrleans, Louisiana) kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025weltweit mehr als 1,5 Mrd. Menschen von Bluthochdruck und den damitverbundenen Risiken betroffen sein werden. Das entspricht einerSteigerung von 60 Prozent. Interessant: nicht die Industrieländer,sondern die ärmsten Länder der Erde werden demnach zwei Drittel derBetroffenen stellen! Das Team um JaingHe sammelte die Daten von 30 verschiedenen Studien mit mehrals 700.000 Teilnehmern aus allen Teilen der Welt. Dr. He kommentiert:”Die weltweite Häufigkeit von zu hohem Blutdruck unterstütztVorhersagen einer weltweiten Epidemie kardiovaskulärer Erkrankungen.Während des letzten Jahrhunderts hat sich diese Erkrankung von einerseltenen Todes- und Krankheitsursache zu einer der häufigsten Ursachender weltweiten Krankheitsbelastung entwickelt. KardiovaskuläreErkrankungen sind heute für 30 Prozent aller Todesfälle weltweitverantwortlich. “

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