Handwerk und Medizin: der Chirurg

9. Juni 2006
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Welcher Medizinstudent hat nicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt oder gar davon geträumt, sich nach bestandenem Studium in Richtung "Chirurgie" weiterzubilden?! Kaum eine andere Fachdisziplin ist so facettenreich wie der Beruf des Chirurgen. Dabei ist, wie so oft im Leben, auch hier nicht alles aus Gold, was glänzt.

Die Chirurgie (wörtlich aus dem Griechischen: “die handwerkliche Kunst, das Handwerk”) befasst sich mit der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten durch direkte (meist instrumentelle) Einwirkung auf den Körper des Patienten. Im Fachbereich Chirurgie werden weitere Spezialgebiete unterschieden, zu welchen in Deutschland unter anderem die Unfall-chirurgie, die Herz- und die Thoraxchirurgie, sowie die plastische Chirurgie zählen.
Vor dem Aufkommen der akademischen Medizin wurden operative Eingriffe von sogenannten Badern und Wundärzten vorgenommen, wobei es durch die mangelnde oder gänzlich fehlende Hygiene nicht selten zu Todesfällen kam. Auch waren chirurgische Eingriffe bis zum Zeitpunkt der Erfindung der Narkose im Jahre 1846 für den Patienten in den meisten Fällen mit unvorstellbaren Schmerzen verbunden.
Heutzutage hält die Methodik der minimalinvasiven Chirurgie, bei welcher die Patienten ohne größere Schnitte operiert werden können, Einzug in allen Fachbereichen der Chirurgie.

Interview
Das Interview haben wir mit Herrn Julius Steiger geführt, der sich derzeit in der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeine Chirurgie am Klinikum in Dresden befindet. Herr Steiger hat sein Medizinstudium vor zwei Jahren beendet und stand uns freundlicherweise am Telefon Rede und Antwort.
(JS = Julius Steiger / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Steiger, Sie befinden Sich seit zwei Jahren in der Ausbildung zum Allgemeinchirurgen. Was hat Sie dazu bewogen diesen Facharztbereich auszuwählen?
JS: Das mag zwar abgedroschen klingen, aber die Chirurgie war schon immer mein (Kindheits-)Traum. Das direkte und effektive Eingreifen im OP, sowie der meist sofort sichtbare “Erfolg” in dieser Disziplin stellen für mich eine starke Triebfeder dar. Zudem war ich handwerklich schon immer sehr geschickt, was meines Erachtens nach eine wichtige Voraussetzung für den Beruf des Chirurgen darstellt.

MS: Eine ganz persönliche Frage: Sie sind noch kein “Doktor”. Wie kommt ds?
JS:
(lacht) Stimmt. Das Thema habe ich leider während meines Studiums ein wenig schleifen lassen. Zwar habe ich eine statistische Arbeit begonnen, aber leider wurde mein Doktorvater an eine andere Universität berufen, so dass wir uns aus den Augen verloren haben.
Dann kamen die Examen, das Praktische Jahr, das AIP und so weiter, so dass mir nicht wirklich viel Zeit blieb, um das Thema weiter zu verfolgen. Jetzt bemühe ich mich, neben meiner Tätigkeit im Krankenhaus, um eine Doktorarbeit. Das ist aber wahnsinnig schwer – ich rate daher allen Studenten, die gerne den “Dr. med.” anstreben möchten, sich frühzeitig darum zu kümmern und am Ball zu bleiben. Später funktioniert das nur noch ganz, ganz schwer!

MS: Das ist doch mal ein wirklich praktischer Tipp! Aber sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
JS: Durch die Famulaturen und die praktische Zeit nach der Uni, wo ich ja doch viele Stunden auf chirurgischen Stationen verbracht habe, konnte ich schon einen gewissen Eindruck von dem erhalten, was später einmal auf mich zukommen würde. Natürlich ist es aber etwas ganz anderes, wenn man dann tatsächlich einmal die Verantwortung (z.B. in einer Nachtschicht) für eine Station übernehmen muss. Zwar ist immer der Oberarzt im absoluten Notfall für mich erreichbar, aber am Anfang erlebt man schon die ein oder andere aufregende Situation, wo einem das Adrenalin in den Körper schießt! Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen und eine gewisse Routine und Ruhe erlangen.

MS: Wie haben Sie denn prinzipiell Ihre Studienzeit empfunden? Und wie empfinden Sie jetzt Ihre Ausbildung?
JS:
Ich war von ganzem Herzen Student und habe das Medizinstudium wirklich sehr genossen. Natürlich hatte ich auch schwache Tage und Tiefs, an denen ich dachte, dass ich es nie schaffen würde. Wenn man aber einmal ein paar Tricks und Kniffe durchschaut hat, ist das Studium meines Erachtens nach gut zu schaffen!
Meine Facharztausbildung gestaltet sich sehr angenehm, da ich unter hervorragenden Oberärzten und Professoren arbeite und mich gut aufgehoben und in meinen Sorgen und Nöten verstanden fühle. Ein gutes Klima ist schon sehr viel wert – gerade in der Chirurgie, wo doch sehr viel mit Ellbogen gearbeitet wird.

MS: Ach…ist es denn wirklich so schlimm, wie man immer hört?
JS:
Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nichts Falsches sage, aber die Hierarchie und die Vergabe von guten Plätzen in der Chirurgie ist schon sehr hart. Ich wüsste da keinen Vergleich mit anderen Fachdisziplinen. Aber wie ich vorhin schon angedeutet habe: Man muss sich einfach ein dickes Fell wachsen lassen und ganz ruhig und diszipliniert bleiben. Gute Arbeit zahlt sich aus, und darauf kommt es doch letztendlich auch an, oder?!

MS: Wohl wahr! Letzte Frage: Wie steht es denn mit den Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich “Chirurgie” aus?
JS:
Die Chirurgie ist ein so großes Feld mit sehr vielen Fach- und Unterdisziplinen, in welchen unzählige Seminare, Kongresse und ähnliches angeboten werden. Man kann sich auf Dutzende von Dingen spezialisieren und/oder fort- und weiterbilden. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei! (lacht)
MS: Herr Steiger – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

Allgemeine Informationen

Ausrichtungen /
Schwerpunkte der Ausbildung

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • der Erkennung, Klassifizierung, Behandlung und Nachsorge chirurgischer Erkrankungen und Verletzungen
  • der Risikoeinschätzung, Aufklärung und Dokumentation
  • den endoskopischen, laparoskopischen (mi-nimalinvasiven) Operationsverfahren
  • den instrumentellen und funktionellen Un-tersuchungsmethoden
  • der Wundversorgung, Wundbehandlung und Verbandslehre einschließlich Impfprophylaxe
  • der Repositionen von Frakturen und Luxati-onen
  • der Erkennung und Behandlung akuter Not-fälle einschließlich lebensrettender Maßnah-men zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktio-nen und Wiederbelebung einschließlich der Grundlagen der Beatmungstechnik und inten-sivmedizinischer Basismaßnahmen
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen

Aufbau der Ausbildung

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate bei einem Weiterbildungsbefug-ten an einer Weiterbildungsstätte (davon z.B. 12 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie, 12 Monate im ambulanten Bereich, 12 Mona-te in Orthopädie und Unfallchirurgie u.s.w.)

Dauer der Ausbildung 2 + 4 Jahre Arbeitsplätze / Arbeitgeber

  • Kliniken
  • Ambulante chirurgische Praxen
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Allgemein

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