Tryptophan: Wie Schokolade glücklich macht

4. Dezember 2013
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Wissenschaftler haben ein umfassendes Computermodell für den Stoffwechsel der Aminosäure Tryptophan entwickelt. Damit lässt sich simulieren, was in unserem Körper abläuft, wenn wir Tryptophan zu uns nehmen, das auch in Schokolade enthalten ist.

Gefüllte Lebkuchenherzen, Dominosteine, Schokoladennikoläuse – die süßen Vorboten der Weihnachtszeit stapeln sich schon seit einigen Wochen in den Läden. Und dank der gerade beginnenden Adventszeit kann das große Naschen nun auch endlich beginnen. Schon beim Gedanken daran, wie die süße Leckerei auf der Zunge zergeht, werden vermutlich viele Naschkatzen von einem wohligen Glücksgefühl erfasst.

Und das kommt nicht von ungefähr, wie Prof. Dr. Stefan Schuster von der Friedrich-Schiller-Universität Jena weiß. Der Bioinformatiker hat jetzt gemeinsam mit Forschern aus Norwegen ein Computermodell entwickelt, mit dem sich simulieren lässt, was in unserem Körper abläuft, wenn wir die Aminosäure Tryptophan zu uns nehmen, die in Schokolade enthalten ist. Das Wissenschaftlerteam stellt das bislang umfassendste Modell des komplexen Stoffwechsels von Tryptophan vor, die neben anderen Substanzen bei der Wirkung von Schokolade eine Rolle spielt.

Tryptophan und die Vielfalt der Wirkungen

„Aus Tryptophan entsteht im Körper Serotonin“, erläutert Schuster. Serotonin wiederum ist ein Hormon und Botenstoff im Gehirn, das ein Wohlgefühl auslöst. Da unser Körper selbst Tryptophan nicht herstellen kann, müssen wir es mit der Nahrung aufnehmen, etwa aus Sojabohnen und Geflügel oder eben Kakao und Schokolade. Doch nicht nur als „Zutat“ für Glücksmomente brauchen wir Tryptophan. Auch für das Schlafhormon Melatonin ist die Aminosäure der entscheidende Baustein. „Abbauprodukte von Tryptophan spielen wiederum bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen sowie bei Alterungsprozessen eine Rolle“, macht Schuster die Vielfalt der Wirkungen deutlich.

Der komplexe Tryptophan-Stoffwechsel war bislang biochemisch zwar weitgehend bekannt. „Allerdings lässt sich erst anhand eines Computermodells das Zusammenspiel der Einzelreaktionen und Zwischenprodukte sowie ihrer Regulationsmechanismen als Gesamtsystem erfassen“, verdeutlicht Prof. Dr. Ines Heiland, Wissenschaftlerin von der Universität Tromsø.

Tryptophan-Stoffwechsel im Menschen

Für ihr Modell des Tryptophan-Stoffwechsels im Menschen haben die Bioinformatiker sehr umfangreiche experimentelle Daten zum Ablauf der weit verzweigten Stoffwechselwege und der dazugehörenden Transportvorgänge zusammengetragen. Diese wurden anschließend in ein Gesamtmodell integriert, das es nun erstmals ermöglicht, detailliert die Wirkungen von Tryptophan und seiner Stoffwechselprodukte in einzelnen Geweben oder Organen realitätsnah zu simulieren.

Vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten sehen die Forscher vor allem in der medizinischen Diagnostik und bei der Entwicklung neuer Therapien für neurodegenerative Erkrankungen, wie Parkinson oder Alzheimer. Das Computermodell erlaube es nun nicht nur, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. „Wir können daran auch testen, an welchen Stellen des Stoffwechsels regulierend eingegriffen werden kann und wie sich diese Veränderungen auf den gesamten Metabolismus auswirken“, erläutert Prof. Heiland.

Originalpublikation:

Model of Tryptophan Metabolism, Readily Scalable Using Tissue-specific Gene Expression Data
Anne-Kristin Stavrum et al.; The Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M113.474908; 2013

84 Wertungen (4.44 ø)

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10 Kommentare:

Einige Kommentare sind so deprimierend, daß sie nur durch Unmengen an Schokolade erträglich werden!

#10 |
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Der Autor dieses Artikels scheint nicht nur auf einem Auge blind zu sein sondern auf dem anderen auch noch zu 90%. Besteht doch Schokolade zu über 90% aus Fett und Zucker. Es besteht der Verdacht als solle der Kollege vor Ort ins Boot der Schokladenindustrie geholt werden, den Patienten Schokolade als gesundes Produkt zu “verkaufen”, damit die Kassen der Schokoladenhändler jetzt gerade in der Vorweihnachtszeit kräftig klingeln. Jedem verantwortungsbewussten Kollegen ist aber bekannt, dass Zucker und Fett Auslöser von Karies, Übergewicht und vielen anderen Zivilisationskrankheiten sind. Da ändert auch der relativ geringe Tryptophangehalt der Schockolade nichts daran. Die ärztliche Empfehlung von Schokolade wäre so betrachtet nicht nur eine Verletzung des “nihil nocere”des Hippokratischen Eides sondern auch eine vorsätzliche (Volks-)-Körperverletzung auf relativ hohem, wissenschaftlichen Niveau, um ggfs. an den durch den Schokoladenkonsum produzierten Krakheiten kräftig mit zu verdienen.

#9 |
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Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Hochinteressanter Beitrag! Gibt es auch Beziehungen zwischen Tryptophan
und den Endorphin-Systemen?

#8 |
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@ Frau Schnerch: Sie haben vielleicht schon vom “zweiten Gehirn” gehört.
Der Darm ist mit über 100 Millionen Nervenzellen mit deutlich mehr Neuronen ausgestattet als das Rückenmark. Dieses sog. Enterische Nervensystem (ENS oder “Darmhirn”) unterliegt zwar den Einflüssen von Sympathikus und Parasympathikus, kann aber vollständig autonom arbeiten (z.B. Verdauung), In gewisser Weise ist das ENS ein Abbild des Kopfhirns, das auch identische Botenstoffe und Rezeptoren verwendet. So dienen auch SEROTONIN und DOPAMIN als interne ENS-Transmitter, die ohne den “Umweg” über das Gehirn, die Stimmungslage beeinflussen.

#7 |
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Das TRP aus Schokolade profitiert vom Zucker, der ebenfalls in der Schokolade enthalten ist.
Dieser erhöht den Blutzucker, was zu einem Anstieg des Insulinspiegels führt.
Insulin fördert aber nicht nur die Aufnahme von Glucose in die Zellen, sondern auch die Aufnahme von bestimmten Aminosäuren. Unter diesen Aminosäuren sind auch solche, die mit TRP um den Transporter durch die Blut-Hirn-Schranke konkurrieren, wodurch deren Blutspiegel sinkt.
Zusammen mit dem erhöhten TRP aus der Schokolade sorgt dies für eine erhöhte Verfügbarkeit von TRP im ZNS und eine erhöhte Produktion von Serotonin.
Nudeln machen durch ihren hohen Kohlenhydratanteil auch über diesen einen Teilmechanismus (Insulinausschüttung) glücklich.
Steaks führen aufgrund des hohen TYR-Gehaltes zu einer Belegung des entsprechenden Transporters, wodurch das ebenfalls enthaltene TRP nicht so gut ins ZNS transportiert werden kann.
Natürlich enthält Schokolade auch noch Phenethylamin, aber ohne MAO-Hemmer sollte das nicht allzu lange wirken…

#6 |
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Heilpraktikerin

Frage an Dr. Graf
Warum gibt es dann so enge Zusammenhänge zwischen der Beschaffenheit der Darmflora und den Depressionen? Scheint doch das Serotonin aus dem Darm Auswirkungen auf das Gehirn zu haben.

#5 |
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@…”werden vermutlich viele Naschkatzen von einem wohligen Glücksgefühl erfasst”… Das beim Schokoladengenuss vermittelte Glücksgefühl dürfte kaum auf den Tryptophangehalt zurückzuführen sein. Der Trp-Gehalt in Schokolade ist so niedrig, dass selbst beim in der Weihnachtszeit gesteigerten Verzehr kaum größere Mengen an Serotonin gebildet werden, zumal nur das im Gehirn selbst aus Trp hergestellte Serotonin psychotrop wirkt. Außerhalb des Hirns hergestelltes Serotonin scheitert an der “Firewall” der Blut-Hirn-Schranke, so dass es seine zentralnervöse stimmungsaufhellende Wirkung nicht entfalten kann. Wäre Trp wirklich der Mega-Stimmungsaufheller, müsste ein Tomatensalat, ein Steak, ein Portion Käse oder Soja überglicklich machen. All diese enthalten deutlich mehr Trp als ein Schokoladenweihnachtsmann.
Die zweifelsfrei erlebbare glücklich machende Wirkung von Schokolade dürfte weniger auf hirnaktiven Inhaltsstoffen als vielmehr auf erfüllten Erwartungen bezüglich des süßen, zart schmelzenden Geschmacks beruhen. Auch das kann ein echter Stimulus für das Gehirn sein, der die Produktion von euphorisierend wirkendem Dopamin ankurbelt. Zudem ist der Schoko-Genuss häufig an bestimmte positive Situationen (z. B. unbeschwerte Weihnachtszeit) gekoppelt, was dann im Gehirn assoziative Gedächtnisspuren hinterlässt, die später auch in Krisensituationen über den Schokogenuss abgerufen werden können.

#4 |
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Dr. Claudia Arnold
Dr. Claudia Arnold

Ja, warum eigentlich nicht? Es ist in Margarine und anderen Emulsionen auch enthalten und auch im Bio-Bereich als Emulgator zugelassen.
IMHO ist das Sojalecithin weniger schädlich als der Zucker in der Schokolade.

#3 |
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Dr. Ellen Cottin
Dr. Ellen Cottin

Warum ist Sojalecithin denn so ungesund?

#2 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Wenn schon Schokolade, dann aber bitte immer auf die Zutatenliste einen Blick werfen, denn wenn sie Sojalecithin enthält (und das tun die ganzen konventionell Hergestellen) ist sie sicher nicht mehr gesund.
Bio-Produkte sind noch am ehesten ohne zu bekommen. Aber eben nicht immer. Der Emulgator wird in der Schokoladenherstellung gern genutzt, um die Schokolade cremiger zu machen, die Bearbeitungszeit zu verkürzen und Kakaobutter einzusparen. Also reine Chemie.

#1 |
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