Glatzengefahr durch die WM

21. Juni 2006
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Entgegen der Beteuerungen des Bundesinnenministers birgt die WM 2006 womöglich doch eine Gefahr: Millionen von Männern sind einem erhöhten Glatzenrisiko ausgesetzt - Spieler sind von diesem Effekt besonders betroffen.

Irgendwie haben es die Kenner der Szene schon immer geahnt. Ob ZinedineZidane, Wayne Rooney oder David Beckham, viele Stars am Fußballhimmelglänzen nicht nur spielerisch, sondern auch optisch durch markanteKurzhaarschnitte – weil die natürliche Haarpracht, weniger beschnitten,nicht mehr ganz so üppig wäre. Für das Phänomen der Glatzenbildunglieferten Mediziner jetzt den gesicherten Beleg: Wer als Profi Fußballspielt, steht unter massivem Stress, so dass der Gehalt der HormoneTestosteron und Cortisol mit jeder verpatzten Torchance in die Höheschnellt. Ein Effekt, der letzten Endes Spielern die Haare nicht nur zuBerge stehen, sondern auch ausfallen lässt.

Was wie ein für die WM aufgehobener Aprilscherz klingt, publiziertenWissenschaftler der Emory University of Atlanta im internationalanerkannten Fachblatt Psychology & Behaviour. Um die Auswirkungendes Fußballspiels auf die Hormonproduktion im menschlichen Körper zuuntersuchen, mussten sich 22 Männer der Campus-Fußballmannschaft ebensowie das weibliche Soccer-Team vor und nach jedem Spiel Speichelentnehmen lassen. Während die männlichen Probanden nach 90 Minuteneiner 1:2 Niederlage entgegen sahen, durften sich die Testfrauen eines5:0 Sieges erfreuen. Es folgten drei weitere Spiele mit unterschiedlichstarken gegnerischen Mannschaften. Zudem mussten die Spieler undSpielerinnen beider Teams Fragebögen ausfüllen, in denen sie sich aufeiner Skala selbst einschätzten und die Erwartungshaltung der anderenMannschaftsmitglieder eingeben konnten. Auf diese Weise nahmen dieMediziner gleich zwei Faktoren ins Visier: den Einfluss des Spiels unddie Emotionen innerhalb des Teams.

Die Auswertung der Speichelproben belegte den unglaublichen Effekt.Schon vor dem Anpfiff lag der Testosterongehalt der Teilnehmer etwa 40Prozent oberhalb der Werte in der nicht-spielenden Kontrollgruppe.Rechneten die Fußballer mit einem schwer zu bezwingenden Gegner, schossder Hormongehalt sogar um 67 Prozent in die Höhe. Nicht minderbedeutsam scheint die psychologische Belastung zu sein, die aus derErwartungshaltung der Mitspieler resultiert. Je “höher” dieRangordnung, desto mehr Testosteron und Cortisol schüttet der Körperaus. Offensichtlich führen auch Spiele, die in heimischen Stadienstattfinden, zu einer verstärkten Produktion beider Hormone.

Stresshormone regulieren den Haarausfall

Ein erwachsener Mann produziert 6 – 7 mg Testosteron am Tag, dernormale Testosteronblutspiegel schwankt zwischen 12 und 35 nmol/l. Zwarunterliegt dabei die natürliche Testosteronproduktion tageszeitlichenSchwankungen und kann in den frühen Morgenstunden bis zu 30 Prozenthöhere Werte aufweisen. Doch der Einfluss des Fußballspiels überdecktdiese Effekte bei Weitem, wie die Studie aus Atlanta belegt – mitgravierenden Folgen für die Dauergestressten. Denn neben den positivenund gewünschten Effekten wie etwa einer höheren Leistungskraft odermehr Angriffslust hat Testosteron auch unerwünschte Nebenwirkungen. Beiüber 60 Prozent aller Männer verursacht eine ererbte Veranlagung,dass die Energieleistung der Haarwurzeln durch dieses Hormonempfindlich gestört wird.

Tatsächlich wird beim Haarausfall durch Stress die Wachstumsphase(Anagenphase) der Haare deutlich verkürzt, wodurch der normaleHaarzyklus unterbrochen und die so genannte Catagenphase eingeleitetwird. Die Folge dieses Mechanismus ist, dass die Haare verstärktausfallen, der Haarwuchs ausdünnt und nur noch schütteres Haar dasHaupt bedeckt.

In Anbetracht solcher Fakten auf das Aussehen der kickenden Männer zuachten, wäre auch für Trainer Klinsmann angebracht. Anzeichen einerGlatze würden, glaubt man den Studienergebnissen, von Stress undSpannung in der Mannschaft zeugen – der Gegner ließe sich mit diesem Wissen womöglichbesser ausschalten. Doch nicht jede Glatze ist wirklich ein Beweis vonPanik oder Dauerstress. So könnte sich das Outfit des französischenStar-Keepers Barthez, der mit ebenso kühlem wie kahlem Kopf agiert, alsreines Ablenkungsmanöver erweisen: Torhüter, so lehren uns dieAuswertungen der Hormonproben aus Atlanta, werden erst im Spielwirklich cool – die Testosteronwerte sanken bei den Torwart-Probandeninnerhalb von 90 Minuten um 31 Prozent.

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