Apotheker: Retter in der Not

23. Juni 2006
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Mehr als 28.000 Arzneimittelprobleme lösen deutsche Apotheker jeden Tag. Das kann die Apothekerorganisation ABDA jetzt anhand einer Studie belegen. Eine andere Studie bescheinigt den Apothekern besondere Erfolge bei der Optimierung der Injektionstechnik von Diabetikern. Balsam für eine oft kritisierte Zunft.

Die deutschen Apotheker wurden in den letzten Jahren häufigeröffentlich gebeutelt. Vor allem beim Thema Beratung schnitten dieApotheken in einigen Untersuchungen nicht gerade berauschend ab.Besonders die Stiftung Warentest hat die Apotheken auf dem Kieker, undzwar Offizin-Apotheken wie Versandapotheken gleichermaßen. DerDachverband der Apotheker, die Bundesvereinigung DeutscherApothekerverbände ABDA ,wollte es etwas genauer wissen und der öffentlichen Kritik eigeneZahlen entgegensetzen. Zwischen Februar und Mai 2005 dokumentierten dieMitarbeiter von 1146 Apotheken jeweils eine Woche lang ihreBeratungsleistungen bei arzneimittelbezogenen Problemen auf einemeigens erstellten Dokumentationsbogen.

Knapp zwei Drittel der Probleme liegen beim verordnenden Arzt

Insgesamt waren die Apotheker in den teilnehmenden Apotheken über10.000 mal mit arzneimittelbezogenen Problemen konfrontiert. Das sindknapp zehn Probleme pro Apotheke und Woche oder, in einer Hochrechnung,rund 28.000 in ganz Deutschland pro Tag. “Diese Zahl zeigtüberdeutlich, wie wichtig Apotheken für den Verbraucherschutz sind”,unterstrich die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalena Linz,anlässlich der Vorstellung der Studienergebnissein Berlin. Immerhin 82 Prozent der Probleme seien von den Apothekerngelöst worden, und das bei einem durchschnittlichen Zeitaufwand vonetwa fünf Minuten. In sechs von zehn Fällen musste dazu Kontakt mit dembehandelnden Arzt aufgenommen werden. Die Top Ten-Liste, die die ABDAerstellt hat, zeigt, dass arzneimittelbezogene Probleme überwiegend aufdas Konto der Ärzteschaft gehen. In neun Prozent der Fälle musstenWechselwirkungen abgeklärt werden. Acht Prozent der Probleme machtenunleserliche oder unvollständig ausgefüllte Rezepte aus. In ebenfallsacht Prozent der Fälle wurden Arzneimittel verschrieben, die bereitsaußer Handel sind. Bei vier Prozent der Probleme stimmte die verordneteStärke nicht. Bei drei Prozent war die Darreichungsform verkehrt.Andere Schwierigkeiten gingen auf das Konto des Patienten, etwa wenndieser seine eigene Dosis nicht kannte (sieben Prozent) oder nichtwusste, wie sein Präparat einzunehmen ist (fünf Prozent). Wurden dieErgebnisse auf Substanzklassen herunter gebrochen, dann warenSchmerzmittel, Herzmedikamente, Asthmapräparate und Antidiabetika dieSpitzenreiter bei den Problememachern. “Chronisch Erkrankten nutzt diepharmazeutische Kompetenz am meisten”, so Linz Interpretation diesesBefunds, der freilich vor allem mit der Häufigkeit der Verordnungenzusammenhängen dürfte. Auch Doppelverordnungen ließen sich in derApotheke gut erkennen, wenn vom Apotheker eine Medikationsdatei geführtwerde, betonte Linz. Doppelverordnungen waren in der Studie für zweiProzent der Probleme verantwortlich.

Blutzuckermessen ist auch nach Jahren noch fehleranfällig

Einen anderen Aspekt der Beratung in Apotheken hat die ebenfalls gerade vorgestellte EDGAr-Studiezum Ziel gehabt. Bei EDGAr ging es um die Frage, wie sich einBeratungsgespräch des Apothekers auf die Qualität beziehungsweiseFehlerhaftigkeit der Blutzuckerselbstmessung bei Typ II-Diabetikernauswirkt. Die Studie wurde von dem Unternehmen Bayer finanziert undumfasste 462 zufällig ausgewählte Diabetiker in 32 Apotheken. DieTeilnehmer kontrollierten immerhin seit durchschnittlich sieben Jahrenihren Blutzucker selbst. Sie durften also als erfahren gelten. In demErstgespräch mit dem Apotheker führten die Probanden eine Selbstmessungvor. Sie wurden dann gezielt über Fehler informiert und traten sechsWochen später erneut an, um zu sehen, ob das Gelernte noch präsent war.Das Ergebnis zeigt, dass auch scheinbare Profis gelegentlich eineAuffrischung ihres Wissens brauchen können. Nur 17 Prozent derPatienten waren im ersten Durchgang fehlerfrei. Die übrigen 83 Prozentmachten im Mittel 3,7 Fehler. Am häufigsten wurden die Hände falschgereinigt. Auch wurde der Blutstropfen gerne aus der Fingerbeereherausgepresst, was das Messergebnis verfälschen kann. Ebenfalls häufigwaren Bedienungsfehler der Messgeräte. Sechs Wochen nach dem(einmaligen) Beratungsgespräch waren dann immerhin 59 Prozent derPatienten fehlerfrei. Die übrigen 41 Prozent machten im Mittel nur noch1,8 Fehler. Bezogen auf alle Patienten sank die durchschnittlicheFehlerquote damit von 3,1 auf 0,8.Die Apotheker wollen sich mit ihrer Studie nicht als die besserenBerater positionieren, auch wenn die Erstschulung einesinsulinabhängigen Diabetikers Arztaufgabe ist: “Im Lauf der Zeit könnensich Fehler einschleichen. Hier greifen wir Apotheker dann in einer ArtNachschulung ein”, sagte der Vizepräsident der ABDA, FriedemannSchmidt.

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