Schlaganfall: Therapie verbessert räumliches Sehen

3. Dezember 2013
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Forscher haben eine neue Therapie für Menschen entwickelt, die beispielsweise in Folge eines Schlaganfalls Probleme mit dem räumlichen Sehen haben. Eine effiziente Behandlungsform fehlte bislang. Mit dem neuen Ansatz könnten Patienten ihr Sehvermögen deutlich verbessern.

Menschen sehen die Welt mit zwei Augen. Aber erst das Gehirn setzt die Bilder der Augen zu einem einzigen zusammen. Funktioniert dieses Prinzip nicht, kann es zu Sehstörungen kommen, etwa nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma, aber auch wenn das Gehirn nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt wurde (zerebrale Hypoxie). Die Betroffenen sehen ihre Umwelt dann bereits nach kurzer Sehanstrengung nur noch verschwommen oder in Doppelbildern. Dazu kommen Beschwerden wie erhöhter Augendruck oder Kopfschmerzen. Eine mögliche Ursache: Das Hirn setzt die Bilder der Augen längerfristig nicht mehr zu einem Gesamtbild zusammen. Die Fachleute sprechen hier von binokularer Fusionsstörung.

„Dadurch kommt es zu einer deutlich verminderten visuellen Belastbarkeit“, sagt Anna Katharina Schaadt, Psychologin an der Universität des Saarlandes. „Die Patienten sind in ihrem Alltag und Berufsleben in der Regel stark eingeschränkt.“ Sie haben zum Beispiel Probleme bei der Arbeit am Computer oder beim Lesen der Zeitung. Da die binokulare Fusion Grundvoraussetzung für einen dreidimensionalen Tiefeneindruck ist, leiden die Betroffenen zudem häufig unter einer sogenannten teilweisen bis vollständigen Stereoblindheit. „Patienten können räumliche Tiefe nicht mehr richtig wahrnehmen“, so Schaadt. „Die Welt erscheint im Extremfall flach wie ein Bild. Betroffene haben beispielsweise Schwierigkeiten, nach Gegenständen zu greifen, Treppen richtig hinaufzusteigen oder auf unebenem Boden zu gehen.“

Neuer Behandlungsansatz entwickelt

Obwohl rund 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten und bis zu 50 Prozent der Patienten mit Schädel-Hirnverletzungen an diesen Störungen leiden, gibt es bislang noch keine wirksame Therapie. Forscher der Saar-Uni um Anna Katharina Schaadt und Professor Georg Kerkhoff haben nun einen neuen Behandlungsansatz entwickelt und dessen Wirksamkeit in zwei Studien untersucht. „Wir haben Probanden einem sechswöchigen Training unterzogen, bei dem beide Augen gleichermaßen gefordert wurden“, so Schaadt. Ziel war es, die binokulare Fusion und dadurch das räumliche Sehen zu schulen: Den Studienteilnehmern wurden dabei zwei seitlich leicht versetzte Bilder präsentiert. Diese Bilder sollten dann mit Hilfe sogenannter konvergenter Augenbewegungen zu einem einzigen Bild zusammengesetzt werden. Hierbei bewegen sich die Augen gegensinnig nach innen, also zur Nase hin, die Bilder bleiben aber im Blickfeld. Mit der Zeit „verschmelzen“ die beiden Bilder wieder zu einem Bild, das auch wieder räumliche („stereoskopische“) Tiefe enthält.

Die Saarbrücker Psychologen haben dieses Training mit elf Schlaganfall-Patienten, neun Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma und vier Hypoxie-Patienten durchgeführt. Bei allen Teilnehmern stellte sich nach dem Training eine deutliche Verbesserung der binokularen Fusion und des Stereosehens ein – oft bis zu einem normalen Leistungsniveau. „Auch bei zwei Nachuntersuchungen nach drei und sechs Monaten blieben die Ergebnisse stabil“, sagt Schaadt. „Darüber hinaus hat sich die visuelle Belastbarkeit erheblich verbessert.“ Konnten die Testpersonen zuvor beispielsweise nur 15 bis 20 Minuten am Computer arbeiten, war dies im Anschluss wieder bis zu drei Stunden möglich.

Originalpublikationen:

Perceptual relearning of binocular fusion after hypoxic brain damage: four controlled single-case treatment studies
Anna Katharina Schaadt et al.; Neuropsychology; 2013

Perceptual relearning of binocular fusion and stereoacuity after brain injury
Anna Katharina Schaadt et al.; Neurorehabilitation & Neural Repair, in press; 2013

35 Wertungen (4.46 ø)

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2 Kommentare:

Gast Hajo
Gast Hajo

hallo Hr. Rupp,

Ihr Kommentar hat mich aufmerksam werden lassen.i Seit Mai 2012
bekomme ich die Bilder der Augen nicht mehr deckungsgleich (sog. “Schielen”.)
Die Augen selbst sind o.k.. Nun endlich habe ich ende Februar reinen Termin in der Augenklinik in Mainz, Orbitazentrum.
Können Sie mir einen Tipp oder eine Adresse (Nähe Rüsselsheim ) geben ?

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Augenoptiker / Optometrist

… uuups und das ist neu???? Seit über 50 Jahren versuchen wir Augenoptiker mit Hilfe von Prismen die Fusion bei doppelbildern wieder zu ermöglichen oder zu verbesser. Seit ca 15 Jahren gibt es das funktionaloptometrische Augentrainig, durchgeführt von geschulten Augenoptikern (siehe WVAO, Stichwort Funktionaloptometrie), in der genau das, was hier beschrieben wird und noch mehr getan wird. Und genauso lange müssen wir immer wieder mit Ablehnung kämpfen und damit, dass pauschal von manchen Augenärzten behauptet wird, solche Dinge funktionieren nicht und seinen absurd. Und jetzt wird das Rad neu erfunden? Ich bin sprachlos! (zum Glück sind die Hände nicht gelähmt um diesen Kommentar zu tippen).

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