Sterbehilfe: Viel Qual, wenig Wahl

4. Dezember 2013
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Nachdem sich Pädiater in Belgien für die Sterbehilfe bei Minderjährigen ausgesprochen haben, ändern Behörden jetzt die gesetzlichen Grundlagen. Von Befürwortern als Akt der Humanität gepriesen, befürchten Gegner eine Banalisierung des Todes. In Deutschland traut sich niemand an das Thema heran – weder bei Kindern, noch bei Erwachsenen.

Belgien galt in puncto Sterbehilfe schon immer als liberales Land: Aufsichtsbehörden registrieren zwischen 1.100 und 1.400 Fälle pro Jahr, und zwar bei erwachsenen Patienten. Trotz des aktuell geltenden Verbots schätzen Experten, dass mindestens zehn Kinder pro Jahr durch aktive Sterbehilfe um ihr Leben kommen. Grund genug, bestehende Regelwerke anzupassen.

Kinderärzte machen mobil

Im Herbst hatten sich 16 Pädiater öffentlich für die Novellierung ausgesprochen. Sie argumentierten, Sterbehilfe sei zwar eine „Ultima Ratio“, dürfe aber auch kleinen Patienten nicht vorenthalten werden. Hinzu kam eine repräsentative Umfrage, bei der sich 38 Prozent aller Teilnehmer mit entsprechenden Änderungen „ganz und gar einverstanden“ zeigten. Weitere 36 Prozent waren zumindest „eher damit einverstanden“ – ein breiter gesellschaftlicher Konsens. Die Niederlande hatten Mitte 2013 bereits Regelungen erlassen, um Sterbehilfe bei Babys zu legalisieren. Jetzt ist Belgien unter Zugzwang: Ende November sprach sich der zuständige Senatsausschuss für Justiz und Soziales dafür aus, in besonders schwerwiegenden Fällen auch Sterbehilfe bei Minderjährigen zu legalisieren. Senator Philippe Mahoux sagte, für ihn gehe es darum, auf das Drama der Kinder eine Antwort zu finden, die nicht zu lindernde Schmerzen hätten. Dem Entwurf zufolge müssen nicht nur ihre Eltern zustimmen, sondern kleine Patienten ein eigenständiges Urteilsvermögen besitzen. Jetzt warten Ärzte gespannt auf das Senatsplenum und die zweite Kammer des Parlaments, wobei ein positives Votum als recht wahrscheinlich gilt.

Blind, taub, tot

Vertreter aller großen Kirchen sprachen sich gegen entsprechende Pläne aus und äußerten sich unisono besorgt – man befürchte die „zunehmende Banalisierung einer ernsten Sache“. Nicht ohne Grund, wie Fälle mit erwachsenen Patienten zeigen: Ende 2012 gewährten Ärzte einem tauben Zwillingspaar Sterbehilfe, nachdem bei den Patienten zusätzlich eine degenerative Netzhauterkrankung aufgetreten war – wohlgemerkt nichts Lebensbedrohliches. Und Ende September sorgte der Tod eines Mannes für negative Schlagzeilen. Er war als Frau geboren worden und hatte sich ohne Erfolg einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Auch ihm wurde Sterbehilfe gewährt. Hubert Hüppe (CDU), Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, kritisierte diese Entwicklung scharf: „Der Fall bestätigt das, wovor ich schon lange gewarnt habe: Wenn man beginnt, den Lebensschutz aufzuweichen, kommt man auf eine schiefe Bahn.“ Erst gehe es um „Töten auf Verlangen, dann um Töten ohne Verlangen“. An die neue Bundesregierung gerichtet, fordert er schärfere Regelungen: „Bei uns fehlt ein klares gesetzliches Verbot der Anstiftung oder der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung, gerade auch für Ärzte.“ Das beinhalte auch „Angebote für organisierte Sterbehilfe“.

Deutschland sieht weg

Auf entsprechende Vorgaben warten Ärzte und Patienten bereits seit Jahren. Mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts hat die damalige Bundesregierung Mitte 2009 zumindest Rechtssicherheit für Patienten geschaffen, die intensivmedizinische Maßnahmen bei unheilbaren Erkrankungen ablehnen, ihre Meinung aber nicht mehr äußern können. Laut Bundesgerichtshof (Az.: 2 StR 454/09) ist der „Abbruch lebenserhaltender Behandlungen auf der Grundlage des Patientenwillens nicht strafbar“. Aktive Sterbehilfe bleibt gemäß Paragraph 216 des Strafgesetzbuches jedoch verboten. Führen Ärzte den Tod eines Patienten nicht herbei, sondern händigen ihm lediglich Tabletten aus, sprechen Juristen von Beihilfe zur Selbsttötung, und Kollegen bleiben straffrei. Darüber hinaus erwähnen Rechtswissenschaftler noch indirekte Formen der Sterbehilfe bei totkranken Menschen, beispielsweise durch die terminale Sedierung. Experten sehen auch hier eine Straffreiheit des Arztes als gegeben an.

Schweigen ist Gold – wirklich?

Sterbehilfe hat laut einer Studie im Fachmagazin „Amyotrophic Lateral Sclerosis and Frontotemporal Degeneration“ aber nicht nur juristische, sondern vor allem psychosoziale Dimensionen. Wissenschaftler um Ralf J. Jox, München, befragten unter anderem 66 ALS-Patienten zu diesem heiklen Thema. Jeder zweite Patient könnte sich vorstellen, um Sterbehilfe zu bitten, und 14 Prozent hatten einen entsprechenden Todeswunsch. Damit gingen Depression, Einsamkeit und die Befürchtung, anderen Menschen zur Last zu fallen, einher. Zwei Drittel hatten mit ihren Angehörigen gesprochen – aber kein einziger Patient mit seinem Arzt. Obwohl Jox nur Daten von ALS-Patienten erfasst hat, lassen sich seine Resultate auf andere Krankheiten mit tödlichem Ausgang übertragen, etwa Krebs oder COPD. Um die Situation etwas zu entschärfen, helfen laut den Autoren psychosoziale Beratungen, wovon aktuell noch zu wenige Menschen profitieren. Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin sind jedoch der Meinung, eine flächendeckende Versorgung mit Schmerztherapeuten und mit Palliativeinrichtungen würde menschlichen Bedürfnissen mehr entsprechen als „fragwürdige Tötungsangebote“.

144 Wertungen (4.67 ø)

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40 Kommentare:

Gast
Gast

Sterbehilfe bei Erwachsenen ist ja schon seit Jahren ein viel diskutiertes Thema. Ich kann ja, wie bei einer Vorsorgevollmacht, meinen Willen bekunden, das ich bei bestimmten Gegebenheiten wann sterben will. Leider ist es ja auch in der Natur des Menschen, das er gierig und berechnend ist. Da werden mit Sicherheit auch wieder Fälle des Tötens aus Geldgier dabei sein. Trotzdem muss ich als Erwachsener Mensch das Recht haben zu sterben, wenn es keine Heilung und nur noch Qual bedeutet. Allerdings bin ich der Meinung, das dieses nicht auf Kinder ausgeweitet werden darf. Wer soll bitte diese Entscheidung treffen. Ich könnte es nicht, ohne immer wieder daran zu denken, mein Kind getötet zu haben. Kinder selber können die Entscheidung niemals alleine treffen, zumindest bis zu einem gewissen Alter nicht. Junge Erwachsene sicherlich, aber keine Kinder.

#40 |
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Dr. med. Volker Perlitz
Dr. med. Volker Perlitz

@ Herrn Dr. med. Bernhardt
Sie schreiben “…aber das Recht, als Schwerstkranker seinem subjektiv nicht mehr als lebenswert empfundenen Dasein ein Ende zu setzen, wird einem mit kaum nachvollziehbaren Argumenten verwehrt. …”
Sie schreiben, dass es inakzeptabel sei Menschen den Wunsch zu verwehren, ihr nicht länger als lebenswert erlebtes Dasein beenden zu wollen. Das ist schlicht falsch, von Ihnen vielleicht auch nur falsch formuliert. Den n Ihr Schreiben suggeriert ein aktives selbstständiges Sterben. Niemand verwehrt den Menschen das Recht auf Selbstmord – so schlimm und sinnlos er für die Aussenstehenden oft genug sein mag.
Hier aber geht es um Institutionalisierung und Legalisierung von Handlungen, die den Tod Dritter zur Folge haben, im speziellen Fall den Tod Minderjähriger, auch als Schutzbefohlene bezeichnet.
Das sind zwei Paar Schuhe! In direkter Nachbarschaft zu den Niederlanden lebend habe ich einige Fälle von pro und contra Aktiv. Sterbehilfe selbst erleben können. Und so bin ich selbst da hoch ambivalent. Aber bei Kindern ist zu FORDERN: Tertium non datur – aber die Alternative heisst nicht unweigerlich Aktive Sterbehilfe!

#39 |
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Dr. med. Christina Kieback
Dr. med. Christina Kieback

sehr guter Artikel, der uns wachrütteln sollte- eine Übersichtüber den Anstieg der sog Sterbehilfe-Fälle, die ja de facto oft einer Tötung auf Verlangen durch Ärzte entspricht, z.B. in den Niederlanden seit deren Einführung wäre wichtig als Diskussionsgrundlage .

#38 |
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NIna Siebert
NIna Siebert

Sehr geehrter Herr van den Heuvel,
ich gratuliere Ihnen zur Wahl dieses Themas. Denn, wie die vielen Reaktionen zeigen, besteht bei diesem Thema großer Dikussionsbedarf!
Unabhängig von einer gesetzlichen Festlegung, wie mit der Sterbehilfe umzugehen ist, ist Sterben in unserer Gesellschaft ein Tabuthema geworden. Würden alle sich allgemein mehr damit auseinandersetzen, stünde man als Arzt vor mancher schweren Entscheidung nicht. Ich erlebe es oft in meinem Alltag, daß z.B. Angehörige nicht wissen, was der geliebte Mensch selber möchte. Oder haben Angst, Verantwortung für den anderen und für eine Entscheidung, für die sie angefeindet werden könnten, zu übernehmen und handeln dann gegen den Willen ihrer Angehörigen oder verlangen die Entscheidung vom Arzt. Ich missioniere regelmäßig in meinem Umfeld, sich mit dem Thema Sterben und was für Wünsche und Bedürfnisse im “Fall der Fälle” bestehen auseinanderzusetzten, auch wenn noch kein Anlaß dazu besteht. Ich frage mich, wieso es für alle selbstverständlich ist, daß ich als Arzt, der einen Patienten seit ein paar Minuten in der Notaufnahme kenne, besser entscheiden können soll, ob z.B. eine OP noch durchgeführt werden soll in einer palliativen Situation, als Menschen, die den Patienten seit Jahrzehnten kennen. Sterben ist in unserer Gesellschaft so tabu, daß niemand drüber reden möchte. Und Patienten werden im Zweifel lieber gegen ihren Willen in die Kliniken gekarrt, obwohl sie keine Therapie mehr wollen, weil niemand dafür Verantwortung übernehmen möchte, daß ein Angehöriger stirbt. In vielen Fällen würden wir nicht von AKTIVER Sterbehilfe reden müssen, wenn man öfter Patienten einfach nur “gehen lassen” würde und sie allenfalls dabei begleitet, indem man Ihnen Angst und Schmerzen nimmt. In unserer Gesellschaft steht man damit ja schon fast auf der Seite der “unterlassenen Hilfeleistung”, während man meiner Meinung nach damit “Hilfe leistet”, den Wunsch des Patienten umzusetzen.
Aber zum Thema “aktive Sterbehilfe”: jedem Haustier gewährt man die Gnade, wenn es unerträglich leidet und keine Aussicht auf Heilung besteht, “einzuschlafen”. Der Mensch muß auf Teufel komm raus durchhalten. Egal wieviel er leidet. Im Gegenteil, wir verlängern mit vielen medizinischen Maßnahmen noch sein Leiden, denn ohne medizinische Hilfe, wäre mancher der Patientin, die um “Erlösung von ihrem Leid” bitten, längst verstorben. Insofern frage ich mich, wie das Argument, wir dürften ein Leben, das uns Gott gegeben hat, nicht nehmen, noch zieht, wenn der Patient ohne unser Zutun schon hätte sterben müssen/dürfen. Da “pfuschen wir Gott doch auch schon ins Handwerk”.
Und es sollte doch auch jeder selbst entscheiden können, wann er sein Leben als nicht mehr lebenswert und “menschenunwürdig” empfindet und nicht mit dem Argument, daß er unter Analgesie und Sedierung ja nicht mehr leide, dazu gezwungen sein, dem Tod “entgegenzudämmern”, wenn er lieber einem bewußt gewählten Tod bei klarem Verstand und unter würdigen Bedingungen dem Vorzug geben möchte, jedoch nicht in der Lage ist, ihn selbst umzusetzen (und wie es unter Umständen bei einem Suizid der Fall wäre, weiteres Leid und Ängste ausstehen müßte). Wir dürfen die Medizin einsetzen um Leiden zu verlängern, aber nicht, um es auf Wunsch zu beenden?
Ich hoffe auch für mich, daß, wenn der Fall mal eintritt und ich in einer für mich unwürdigen oder unerträglichen ausweglosen gesundheitlichen Situation bin, mir jemand hilft, mein Leben zu beenden. Und er nicht fürchten muß, für diesen Gnadendienst verfolgt zu werden.
Die Umsetzung und welche Sicherheitsmechanismen man gesetzlich einbauen muß, um einen Mißbrauch zu vermeiden, stehen auf einem anderen Blatt.

#37 |
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Gast
Gast

Ich fasse es nicht was ich hier gelesen habe.

Ich bin Krankenschwester mit der Palliativ care Weiterbildung und genau das ist es was wir Leben sollten.
Schwerstkranken Menschen sollte eine ausreichende Analgesie und auf Wunsch auch Sedierung in der Finalphase gewährt werde.Psychosoziale und Pflegerische Betreuung. Ich wünsche mir für diese Patienten Ärzte die eine gute Schmerzeinstellung schaffen ohne angst vor Suchtpotential oder anderer absurden Ausreden.
Aber Sterbehilfe aufgrund von Blindheit? Oder diese Ärzte als Mutig zu bezeichnen wo ist der Mut? Ich sehe da leider ein viel zu großes Missbrauchspotential.

Prinzipiell waren meine Ansichten zum Thema Sterbehilfe immer sehr liberal aber es ist ein schwieriges Thema und wenn wie oben im Beispiel Blindheit in Kombination mit Taubheit schon ein Grund ist für Sterbehilfe dann verliert die Achtung vor dem Leben doch ein Stück weit ihre Relevanz.

Wie gesagt anständige Palliativ Betreuung und man kann das Leiden im Sterbeprozess weitesgehend beheben.

In diesem Sinne kann ich meinem Vorredner nur ein Zitat klauen:
“Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin sind jedoch der Meinung, eine flächendeckende Versorgung mit Schmerztherapeuten und mit Palliativeinrichtungen würde menschlichen Bedürfnissen mehr entsprechen als „fragwürdige Tötungsangebote”.”
Amen dazu!

#36 |
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Ja, Leid ist schrecklich und schwer auszuhalten.
Trotzdem: ich bin entsetzt, wieviele meiner Kollegen Dr. Bernhardt zustimmen, dass die Tötung von Patienten “mutig und menschlich” sei.
Sich dem Leid und Leiden zu stellen und dem Leidenden beizustehen, menschlich und medizinisch, DAS ist mutig und menschlich. Tötungsoptionen in der Not lassen den Leidenden in seiner Angst, Einsamkeit und seinem Schmerz letzlich allein. Sind also unterlassene Hilfeleistung, nicht Hilfe.

Und alle, die sich hier über die “Moralapostel” mockieren, frage ich: Wieviele Krankenhäuser, Palliativstationen, Waisenhäuser, Armenspeisungen und sonstige Einrichtungen zur Linderung menschlicher Not sind unter einer christlichen Leitung? – weltweit! Unzählige!
Wieviele solcher Einrichtungen werden von atheistischen Humanisten geleitet? Ich kenne keine. Ich sehe nur die ständige Forderung nach flächendeckender Abtreibungsmöglichkeit und Sterbehilfe. Zutiefst inhuman.

“Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin sind jedoch der Meinung, eine flächendeckende Versorgung mit Schmerztherapeuten und mit Palliativeinrichtungen würde menschlichen Bedürfnissen mehr entsprechen als „fragwürdige Tötungsangebote”.”
Amen dazu!

#35 |
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GG
GG

@11 Simone Georg:
Sehr geehrte Frau Simone Georg. Genauso sehe ich es auch.

-Passive Sterbehilfe (also das Beenden von lebenserhaltenden Maßnahmen (wie u.a. künstliche Beatmung))

-inaktive Sterbehilfe (wobei die Schmerzfreiheit des Patienten im Vordergrund steht und nicht der schnellere Tod), zuzüglich der beiden Möglichkeiten

-Patientenverfügung und

-Vorsorgevollmacht

sollten ausreichende Absicherungen für den volljährigen Patienten sein. Bei Minderjährigen ist die Diskussion äußerst schwierig und dabei emotionslos zu führen.

#34 |
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Altenpfleger

In meinen Beruf als Altenpfleger den ich seit über 15 Jahren ausübe, höre ich fast täglich Sterbenswünsche von den Bewohnern im Altenheim. Auf dem Wohnbereich sind das etwa drei bis fünf von 30 Bewohnern, wobei die meisten davon schon bettlägerig und hochbetagt sind.
Als Pflegekraft, Ehrenamtlicher bzw. Angehöriger, die alltäglich alte Menschen in Heimen oder daheim betreuen, bekommen mit der Zeit ein gutes Gespür dafür, ob derjenige Betagte sein Sterbenswunsch auch wirklich ernst meint. Oft ist es anfangs so, dass man die Bewohner emphatisch mit dem Thema begegnet, was lang nicht so tabu ist für Betroffene wie manch anderer zu Glauben meint (es wird irgendwann (fast) jeden von uns zum Thema Nummer 1 werden) und lenkt sie immer wieder auf die positiven und schönen Seiten des Lebens.
Ein paar Tage später sieht man diese Menschen im Alltag wieder lächeln.
Doch für die ernsten “Fälle” habe ich keine Antworten mehr parat. Da müssen beide Seiten während der Pflege durch- und aushalten, egal wie groß der Schmerz ist und der ist nicht immer nur körperlich und kann auch nicht immer, trotz großer Wahl an Schmerzmedikation, “ausgeschaltet” werden. Ich kann diejenigen Menschen verstehen, die ihren Mut und vor allem ihre Menschlichkeit einsetzen, um diese leidenden Betagten zu erlösen. Denn mit Menschenwürde hat ein solches Leiden für mich nichts mehr zu tun.
Wer sich keine Vorstellung machen kann, sollte sich beim nächsten Heim selber ein Bild machen.
Wir sollten dieses wichtige Thema weiterführen und ein Gremium aus Fachpersonen, ähnlich an das Konzept aus der Schweiz angelehnt, erörtern.
Entscheidungen werden letztendlich immer individuell sein und können nicht durch Gesetze entschieden werden, sondern es sollten Wege und Möglichkeiten geöffnet werden für die Betroffenen.
Wir schaffen jetzt unsere Zukunft. Wer kann jetzt schon wissen, welche Entscheidung man als hochbetagter mit entsprechender Pathogenese treffen wird, wenn es keinen Ausweg aus dem Leiden mancher Menschen gibt, dann möchte ich nicht in deren Haut stecken, ehrlich.

#33 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Zum Kommentar von Herrn Schätzler:
” Und das ausgerechnet im Land der antagonistisch verfeindeten Flamen und Wallonen. In einem Belgien, dass international mit geradezu unglaublichen Fahndungspannen, staatlicher Gleichgültigkeit, Leichtgläubigkeit und juristischer Nonchalance mit einem der brutalsten Kinderschänder und Kinder-Serienmörder Dutroux umgegangen ist ” kann ich nur sagen, Sie sollten sich Ihre völlig unnötigen und undifferenzierten Bemerkungen ruhig sparen. Dies hat überhaupt nichts mit dem Thema zu tun. Und dieses Thema ist zu ernst als dass man so unqualifizierte und wenig hilfreiche Kommentare von sich gibt.
Kümmern Sie sich um Deutschland, da haben Sie weiss Gott genug zu tun.( Ein Belgier)

#32 |
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dr.med wolfgang strecker
dr.med wolfgang strecker

Der Maßstab für jedes ärztliche Handeln sollte ausschließlich der Wille des Patienten sein.
Immer, wenn Menschen handeln, ist auch Mißbrauch unvermeidlich.
So hat zum Beispiel in Deutschland der Mißbrauch durch Mißachtung des Patientenwillens gegenüber Belgien eine erschreckende Dimension.
Probleme können nie, wie Herr Hüppe offensichtlich glaubt, durch schwarz – weiße Handlungsanweisungen gelöst werden, die der Vielfalt des Lebens nicht gerecht werden können.
Es muß auch immer Ausnahmeregelungen geben, damit jedem ! Patienten wirksam geholfen werden kann.
Die Problematik des Dritten Reiches sollte zugunsten einer Sachdiskussion in den Hintergrund treten.

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Medizinjournalist

Das ändert sich alles, wenn der Staatshaushalt wegen der vielen Pflgefälle in Schwierigkeiten kommt. Meinungen folgen den Bedürfnissen, das war so, ist so und es bleibt so.

#30 |
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Antje Kirchhoff
Antje Kirchhoff

Liebe Frau Dr. Pomme,

zum Glück ist es nicht immer so. Sowohl mein Opa, als auch meine Oma durften nach einem Krebsleiden friedlich zu Hause einschlafen. Ohne Magensonde, ohne Infusion, genau so wie sie es wollten mit uns an ihrer Seite und alles ohne Kripo. Alles möglich mit einem guten Ärzteteam an der Seite. Ich wünsche den behandelnden Ärzten, Pflegekräften und auch den Politikern mehr Mut dieses Thema offen zu diskutieren und endlich Entscheidungen im Sinne des einzelnen Individuums zu treffen.

#29 |
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Heilpraktikerin

Den Kommentaren von Herrn Dr. med. Wolf-G. Bernhardt und Frau Dr. Elisabeth Pommé ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank.

#28 |
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Dr. Elisabeth Pommé
Dr. Elisabeth Pommé

Haben Sie sich eigentlich mal Gedanken darüber gemacht, WIE verzweifelt Eltern sein müssen, solch eine entscheidung zu Fällen? Dies heisst noch Lange nicht, dass ich Sterbehilfe am Kind befürworte, aber mir fehlt diese Emotion in dieser “Diskusionsrunde”.
Und noch etwas: cih bin als Ärztin stets Verzweifelt, wenn mir Patienten in die Notaufnahme gebracht werden, die im Sterben liegen. Da gab es zum Beispielo den skurilen Fall, dass der Krebspatient im Endstadium selber weinte, weil er nach Hause wollte, ich musste ihn in die Arme nehmen, und ihm gleichzeitig mitteilen, dass die Famileinangehörigen trotz ihn nicht Zuhause sterben lassen wollten.
Und wenn man in Deutschland den Schwerstkranken trotz Patientenverfügung Zuhause sterben lässt, kommt gleich die Kripo, zieht den Verstorbenen pietätslos aus, dreht und wendet ihn. Und das alles vor den Angehörigen, die sich so viel Mühe gegeben haben, dem Wunsch des Verstorbenen gerecht zu werden, ihn nicht im Krankenhaus sterben zu lassen, sondern ohne Magensonde etc. bei Seinen Lieben und in gewohnter Umgebung. Tötungskontrollen sind ja vielleicht o.k., aber bitte mit mehr Respekt und Würdevoller! Diese Angehörigen müssen ja dann auch noch befürchten, wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt zu werden! Alles schon passiert! Vor Allen Dingen, wenn der Verstorbenen beschlossen hat, sich zum sterben hin zu legen, das Essen und trinken und die Medikation zu verweigern, weil er sich eben zum Sterben hingelegt hat. So wird das gefahndet! solange der Tot aus unserem schönen, sauberen zuhause verbannt wird, und einfach nicht zum Leben dazu gehört, solange kann dieses Problem nicht gelöst werde.

#27 |
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Medizinphysiker

Brauchen wirdann nicht einen Facharzt für Sterbehilfe und eine Ziffer zum Abrechnen?

#26 |
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Weitere medizinische Berufe

Unser demokratischer Rechtsstaat hat “Tierschutzgesetze”, die u.a. das Quälen von Tieren unter Strafe stellt. Die Gesetgebung sollte endlich das, was sie bei Tieren verbietet, auch auf Menschen anwenden. Statt dessen lässt unser rückständiges System immer noch eine qualvolle sinnlose,aber gewinnbringende Sterbeverlängerung zu. Jeder wird den Sterbeprozess am eigenen Leibe erfahren und ist deshalb aufgefordert, alles zu tun, damit eine klare europäische Regelung dieser essentiell menschlichen Frage auf den Weg gebracht wird!

#25 |
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Wilfried Bucher
Wilfried Bucher

Herr Bernhardt – vielen Dank für Ihren Beitrag. In Deutschland zeigen die „Moralfaschisten“ keine Barmherzigkeit angesichts des Leides von verzweifelten Menschen. Um jede vorurteilsfreie Diskussion abzuwürgen, muss man sich auch noch in die Gesetzesendscheidung anderer Länder einmischen. Die Belgier brauchen keine Belehrung und selbst in der deutschen Bevölkerung ist eine Mehrheit für aktive Sterbehilfe.

#24 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Sterbehilfe ist nicht “Euthanasie”

Es ist schon beachtlich, wie stark die Nazis im 3. Reich durch ihre “Behandlungen” u.a. von Behinderten und Geisteskranken auch die heutige Befindlichkeit der deutschen Ärzteschaft in diesen Dingen noch prägen.

Sterben ist nicht schön oder angenehm. Wer etwas anderes behauptet, macht sich was vor. Es steht ihm ja frei, es auszuprobieren… Wird leider zu oft gemacht. Dieser Entscheidung geht aber immer ein sehr langer und böser Leidensweg voran, bis diese armen Leute sie treffen.

Man kann nicht alles in Gesetzen regeln. Alle Achtung vor den Belgiern, die es versuchen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Ärzte dort “gewissenloser” sind als in Deutschland.

Für mich hoffe ich nur, einst im Fall der Fälle einen verständnisvollen Arzt zu haben, der weiß, was er zu tun hat, ohne drei Anwälte zu konsultieren und seine Rechtsschutzversicherung zu befragen. Egal, was im hippo- bzw. bürokratischen Eid steht und was unsere sogenannten Volksvertreter in Berlin beschließen.

#23 |
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Dirk Reske
Dirk Reske

Eigenartigerweise wird immer wieder von Menschenwürde gesprochen wenn es um dieses sensible Thema geht. In unserer Republik wird sie spätestens dann außer Kraft gesetzt wenn es um Interessen anderer geht. Ärzte, raffgierige Angehörige, einige Vereine die sich dem Begleiten von Sterbenden widmen, Pflegekräften die unbedingt helfen wollen, der manipulierenden Pharmaindustrie. Das Sterben bringt Geld, der Tote Patient ist nur noch für den Bestatter wertvoll, danach noch der Friedhofsgärtner und das war es. Ich nehme die Prügel für meine Sarkasmus schon vorweg in Kauf bemerke aber, das all die oben genannten die wenigste Zeit ihres Tages dem Sterbenden widmen. Wann werden getroffene Entscheidungen ( Verfügungen) vom Ableben des Einzelnen ohne wenn und aber ohne Diskussion akzeptiert?
Die Würde des Menschen ist unantastbar, solange die Interessen Vieler nicht berührt werden.

#22 |
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Gast
Gast

Die zugegeben grausame Situation in den Pflegeheimen darf nun gerade kein Argument pro Sterbehilfe sein. Dies ist vielmehr ein Solidaritaetsproblem der Gesellschaft, welches diese – also wir – bitte auch lege artis loesen.

Ist es nicht seltsam, dass dieses Thema ausschliesslich in Gesellschaften praesent ist, die ein grosses Gewicht auf die Profitabilitaet des Gesundheitssystems legen? Ich habe viel im aussereuropaeischen Ausland gearbeitet und dort kann man die hiesige Pflegesituation kaum nachvollziehen – dort steht man sogar im Bus noch auf fuer aeltere Menschen.

Wuerdiges Sterben in freiem Willen: Ja. Allein, es gab und gibt schon seit jeher aerztliche Kollegen mit Rueckgrat, die nicht auf eine Gesetzesnovelle gewartet haben – solange sie es eben vor ihrem Gewissen vertreten koennen.

#21 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Der Ausführung von Herrn Dr. Bernardt ist nichts mehr hinzuzufügen. Ich selbst habe seit 13 Jahren aufgrund eines Vorderwandinfarkt eine selbst formulierte und klar definierte Patientenverfügung, und kann nur hoffen nicht auf allzu idealistische und übermotivierte Mediziner im Notfall zu treffen.
Denn auch ich möchte bis zum Ende ein selbstbestimmtes Leben führen, und entscheiden können wann es für mich persönlich nicht mehr lebenswert ist.

#20 |
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Rita Wiegand
Rita Wiegand

Die Frage ist, was ist in diesem Zusammenhang menschenverachtend: leiden lassen oder sterben lassen? Wenn ich z. B. die Situation in unseren Pflegeheimen sehe, kommt mir oft der Gedanke: wenn die Gesellschaft schon nicht mehr Geld für die Pflege (in Form von Personal) ausgeben will, warum dürfen die Bewohner dann nicht eine Todespille haben, wenn sie es wollen.

#19 |
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Heilpraktiker Gert Frost
Heilpraktiker Gert Frost

Ich stimme Herrn Dr. Bernardt und Dr.Gschwender in allen Punkten zu. Um so Entsetzter war ich als Gast und Leiter der AG-Hypnosetherapie zu diesem Thema im Rahmen einer Fachfortbildung mit Ärzten und Rechtsanwälten, dass der Großteil der anwesenden Ärzte (Notfallärzte, Intensivmediziner etc.) sehr “unbefangen” auf ihre Rechte in der Ausübung lebenserhaltener Massnahmen pochten. Meine Argumente die Deckungsgleich mit Dr. Bernhardt sind wurden oder wollten nicht gehört werden. Erst als ein leitender Staatsanwalt mir zur argumentativen Hilfe kam verstummten diese Moralaposteln. Ich wünsche keinen dieser Aposteln die Erfahrungen die ständig diese armen Menschen machen MÜSSEN die in ihrer OBHUT sind. Noch ein Wort zu psychischen Erkrankungen. Selbstverständlich gibt es unheilbare (auch nicht durch Psychopharmaka entlastende ) nicht nur depressive Erkrankungen. Auch diese schwer leidenden Patienten haben ein Recht zur aktiven Sterbehilfe! Ich werde hier nicht den Verdacht los, dass psychisch Erkrankte zum x.-mal diskriminiert werden nach dem Motto …psychisch halb so schlimm….aber Sterbehilfe geht gar nicht. Es ist nicht nur bei uns Hypnosetherapeuten eine Binsenweisheit, dass leider viele Psychopharmaka nicht nur nichts nutzen sondern nur schädigen. Große Pharmakaunternehmen gehen nicht wegen des Schaden setzen aus Ihrer Psychopharmakaforschung raus sondern weil da mit kein Geld mehr zu verdienen ist

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

Bei allen guten bis sehr guten Ansätzen zur Diskussion eines Themas, das spätere Generationen noch unter einem ganz anderen Blickwinkel und bedeutend intensiver beschäftigen wird, möchte ich versuchen in wenigen Worten meine Auffassung darzulegen.
Meinen Entwurf habe ich gelöscht und versuche es erneut und in einem Satz.
Ich möchte eines Tages nicht human verrecken, sondern würdig eines Tieres mein Leben beenden beziehungsweise beenden zu lassen. Allerdings möchte ich noch selbst in der Lage sein diese Entscheidung als Mensch zu treffen, wann ich den Löffel abgebe.

#17 |
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Monika Geissler
Monika Geissler

Ich kann nur jedem das Buch von Gian Domenico Borasio empfehlen: Titel: Über das Sterben – Was wir wissen Was wir tun können Wie wir uns darauf einstellen.
Das hat mir die Angst vor dem Sterben fast genommen.
Mona Geissler

#16 |
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Ein wohl nicht entgültig lösbares Dilemma! Menschen sind “einzig” also jeder hat seinen Wunsch wie er sterben möchte. Viele technische Möglichkeiten hindern den Menschen am Sterben! Ist das noch gebotener Lebensschutz? Den individuellen Menschenrechten sollte noch hinzugefügt werden: “Alle Techniken, die zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vorhanden waren dürfen ohne weitere Begründung abgelehnt werden”, natürlich dürfen sie auch angenommen werden. Für meinen Teil würde ich im Falle einer aussichtslosen Erkrankung verfügen: “Machts jetzt eine Narkose und entnehmt alle brauchbaren Organe, die ich gerne spende!”
Alles ander erübrigt sich dann.
H. Gschwender

#15 |
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Antje Kirchhoff
Antje Kirchhoff

Úps, der vorhergehende Gast Kommentar war von mir.

#14 |
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Gast
Gast

Ich wünsche mir einfach nur Entscheidungsfreiheit Simone. Eine entsprechende Patientenverfügung nebst Vorsorgevollmacht habe ich im Schrank liegen aber ich hätte auch gerne das Recht, aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können, so ich es dann einmal möchte bzw. es nötig wird. Ich möchte mich nicht unwürdig verkriechen müssen um meinem Leben ein würdevolles Ende bereiten zu können.

#13 |
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Biochemiker

Muesste die Frage nicht lauten, wie frei ist denn eigentlich der Wille? Ist nicht stets ein Gutteil des Sterbewunsches auch und vorallem durch die Angst und Scham motiviert, den Anderen nicht zur Last zu fallen?

Ich sehe in einer Gesellschaft, die auf dem Leistungsprizip beruht und in der der Wert des Einzelnen an seinem oekonomischen Ertrag gemessen wird, durchaus eine luzide Gefahr darin, dass ein impliziter Druck auf Menschen mit verminderter Wirtschaftsleistung (Alte, Kranke usw.) aufgebaut wird, allein schon dank des medialen Fokus auf die Pflegekosten.

Bemisst sich die Moral nicht auch dadurch, wie eine Gesellschaft mit den Schwaecheren umgeht?

Nein, ich bin nicht in toto gegen Sterbehilfe. Ich glaube als kuenftiger Arzt auch daran, dass es terminale Erkrankungen gibt, bei denen jeder Mediziner mit Herz dem Willen seines Patienten folge leisten duerfen muesste – siehe Prof. J. Hackethal – nur sehe ich eine Gefahr darin, von diesen nachvollziehbaren Einzelflaellen eine Regel zu erstellen, die vielleicht eines Tages darin muendet, dass von oeffentlicher Hand gesponserte Werbefilmchen im TV laufen:

“Liebe Omi, lieber Opi – nun ist bald wieder Weihnachten. Und auch dieses Jahr veranstalten wir wieder ein grosses Gewinnspiel unter allen Teilnehmern unserer Aktion ‘Save the Future – exit now’ – wer noch in diesem Jahr freiwillig seinen Platz dem Nachwuchs ueberlaesst, dessen Angehoerige haben die Chance, eine schicke Plueschhuelle fuers IPhone zu gewinnen…”

Ich hoffe, in meinem Sarkasmus ist die Botschaft nicht untergegangen: Ja, ich achte die Freiheit des Patienten, jedoch muss sie unter allen Umstaenden wirklich frei von aeusseren Motivationen sein, und dies kann sie meiner Ansicht nach nicht mehr, wenn es eine allzu breite juristische Legitimation auf oeffentlicher Ebene dazu gibt.

#12 |
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Simone Georg
Simone Georg

Jeder kann es selbst entscheiden….aber ganz viele reden nur davon und tun es nicht, nämlich eine ausfühliche Patientenverfügung machen und eine Betreuungsvollmacht für jemanden, der dann auch den Willen des Betroffenen durchsetzen kann.
Der Lebenswille ist nicht zu unterschätzen. Da kommt es immer auf den Standpunkt an. Ich denke, das kann jeder nur für sich entscheiden.
Und wenn man am Ende seines Lebens angekommen ist und seine Ruhe haben will, darf man auch nicht wegen allem und jedem zu Ärzten rennen. Da noch eine Pille und da noch ein Pülverchen…..auch unsere hervorragende medikamentöse Versorgung ist ein Beitrag zu einem verlängerten Leben.

#11 |
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Martin Rößler
Martin Rößler

Ich hoffe sehr, dass sich, wenn ich mich in der Situation wiederfinde, nur mit Hilfe von Geräten, bettlägerig und ohne Möglichkeit ein von mir definiertes menschenwürdiges Dasein führen zu können, sich ein Freund findet, der den Propofolperfusor auf 1gr/h stellt und die Beatmung beendet. Denn, wenn ich die Möglichkeit hätte, ich würde es dann selber tun. Die Angst vor dem Tod darf uns doch nicht derart fremd bestimmen, dass wir die Möglichkeit im Tod Erlösung zu sehen nicht mehr erkennen.

#10 |
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Simone Georg
Simone Georg

Das Weglassen von “lebenserhaltenden Massnahmen” ist nun doch wirklich keine Sterbehilfe. In anderen Ländern, in denen die technischen Möglichkeiten der Lebenserhaltung nicht gegeben sind, findet das Sterben täglich statt und nicht nur mangels Technik, sondern mangels allem.
Aktive Sterbehilfe ist allerdings ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Bei Kindern, die sehr leicht zu beeinflussen sind, sollte nicht so leichtfertig damit umgegangen werden. Kinder akzeptieren von Erwachsenen auch jahrelangen Mißbrauch und lassen sich einreden, sie seien selbst schuld oder es sei normal. Wenn sie erwachsen sind, können sie sich wenigstens gegen ihre Peiniger wehren (manchmal), aber wenn sie tot sind, weil ein Erwachsener so lange an ihnen rumspricht?…….

#9 |
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Antje Kirchhoff
Antje Kirchhoff

Herr Kröger, wer entscheidet denn was Menschenwürdiges Leben ist? Doch wohl der Betroffene selbst. Ist es Würde, wenn ich sabbernd und unter mich machend im Bett liege? Ist es Würde, wenn ich nicht mehr sprechen, nicht mehr mit meinen Mitmenschen kommunizieren kann, ist es Würde, wenn ich ständig auf fremde Hilfe angewiesen bin???

Sie sagen ja??? Gut, dann ist das ihre Entscheidung und IHR ja zum Leben, ich würde das alles nicht wollen und möchte bevor ich so ende, liebe in Würde sterben, bei klarem Willen und klaren Verstand.

#8 |
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Antje Kirchhoff
Antje Kirchhoff

Dr. med. Wolf-G. Bernhardt – dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Wer nimmt sich das Recht zu entscheiden, wie ich sterben muss??? Mein ganzes Leben lang treffe ich eigene Entscheidungen aber am Ende meines Lebens wird mir dieses RECHT auf meine Meinung und meinen eigenen Willen aberkannt. Trauriges Deutschland… ich hoffe das sich in den nächsten Jahren da einiges tun wird aber meine Hoffnungen sind leider gering…

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Priv.-Doz. Dr. Lukas Radbruch
Priv.-Doz. Dr. Lukas Radbruch

“Jeder zweite Patient könnte sich vorstellen, um Sterbehilfe zu bitten, und 14 Prozent hatten einen entsprechenden Todeswunsch. Damit gingen Depression, Einsamkeit und die Befürchtung, anderen Menschen zur Last zu fallen, einher.”
Ich hoffe doch sehr, dass es in unserer Gesellschaft andere Möglichkeiten gibt, um mit diesen Problemen umzugehen. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Depression, Einsamkeit und der Befürchtung, Anderen zur Last zu fallen, zur Euthanasie führen.

Noch mehr erschrecke ich über das Statement im ersten Absatz. Wenn zehn Kinder jedes Jahr durch aktive Sterbehilfe ums Leben kommen, soll das Grund genug sein, das bestehende Regelwerk anzupassen? Ich würde vorschlagen, dass dies Grund genug sei, die bestehenden Regeln durchzusetzen und Euthanasie bei Kindern zu verhindern, weil sie im Gesetz nicht vorgesehen ist!

Erstaunlicherweise wird die Euthanasie übrigens fast nur im flamischen Teil Belgiens vorgenommen, während sie im wallonischen Teil nur sehr vereinzelt in Anspruch genommen wird. Kultur und Sprache scheinen hier also einen großen Einfluß zu haben. Wie verträgt sich das mit dem breiten gesellschaftlichen Konsens?

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Wolfram Kröger
Wolfram Kröger

Nichts an dieser menschenverachtenden Haltung Belgiens und Hollands (in dieser Frage) ist LIBERAL! Deutschland sieht auch nicht weg, sondern verteidigt die Menschenwürde, die auch mit einem Mehrheitsbeschluss nicht aus der Verfassung zu tilgen ist (Ewigkeitsgarantie).

Nach einer Studie der niederländischen Regierung töten Ärzte in 38 Prozent der Fälle auch deshalb, weil “die Nächsten es nicht mehr ertragen” können. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31548452.html

#5 |
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Ohne Skrupel verwehrt man den Menschen auch die freie Entscheidung, wann sie ihr Leben nicht mehr weiterführen wollen. Selbst Krankenverfügungen und klare Willensäußerungen kann die Diktatur der Moralfaschisten noch nicht überwinden. Man darf als junger Mensch kettenrauchender Alkoholiker sein, der im Himalaja auf einem 8000-er Gipfel als Leiche auf ewig die Natur verschandelt, aber das Recht, als Schwerstkranker seinem subjektiv nicht mehr als lebenswert empfundenen Dasein ein Ende zu setzen, wird einem mit kaum nachvollziehbaren Argumenten verwehrt. Meist wird das Argument angeführt, dass Gott uns das Leben gab und dass wir deshalb nicht das Recht haben, es uns selbst zu nehmen. Eine schwache Argumentation: erstens leben wir nicht in einem Gottesstaat und niemand hat das Recht, den Bürgern religiöse Grundsätze aufzuzwingen.
Zweitens: Wenn wir tatsächlich unser Leben von Gott bekommen haben (was niemand weiß), warum haben wir dann nicht das Recht, es ihm zurückzugeben, wenn wir es nicht mehr wollen?
Warum werden Menschen in Kriegen umgebracht, in Armut verhungern gelassen, unter schädlichen Arbeitsbedingungen verheizt, durch vermeidbare Krankheiten dahingerafft, Menschen, die jung und optimistisch sind und die nicht sterben wollen, während man Lebensmüde zum Leben zwingt?
Warum kann man nicht mit ein wenig Verständnis und Toleranz einsehen, dass andere Menschen in anderen Lebensumständen vielleicht andere Bedürfnisse haben und nach ihrer Fasson „glücklich“ werden wollen? Man wird auch nicht aus „Mitleid“ einen „armen Fisch“ aus 10 Meter tiefem kalten Wasser holen und ihn auf einen Liegestuhl in die Sonne legen, damit es dem Armen endlich „besser“ geht. Solche grausamen Liegestühle sind für viele alte Leute die intensivmedizinischen Betten mit ihren Schläuchen und Geräten, ihren unmenschlichen Geräuschen, den entwürdigenden Sonden in sämtlichen Körperöffnungen, es ist die Mischung aus Verzweiflung, Langeweile, Leid und Angst. Ein einziger (vermeidbarer) Alptraum.
Juristisch hat jeder Mensch in Deutschland das Recht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ausnahmen sind lediglich dann gegeben, wenn eine mögliche physische oder psychische Schädigung anderer zu erwarten ist (z. B. Sprung aus dem Fenster oder vor eine Bahn) oder der Suizidwillige nicht zurechnungsfähig ist. Dieser Zustand tritt aber (außer bei einem gewaltsamen Tod) regelmäßig vor dem Dahinscheiden auf. So ist ein „Retter“ bei einer Tablettenvergiftung gezwungen, tatenlos bis zur Bewusstlosigkeit zu warten, dann darf (und muss) er gegen den offensichtlichen Willen des Lebensmüden eingreifen und alle möglichen Rettungsmaßnahmen einleiten. Welches kranke Hirn kann einen solchen Irrsinn in Gesetze fassen? Sicherlich sind hier religiöse Verblendung und eigene irrationale Ängste im Spiel gewesen.
Es ist inzwischen üblich, Haustiere bei unheilbarer Krankheit oder Leiden durch hohes Alter aus Mitleid einzuschläfern. Haben Diejenigen, die eine Erlösung nach langem Leiden einfordern, kein Mitleid verdient? Hat jemand das Recht, sich als Richter aufzuspielen, um die Berechtigung dieser Forderung zu prüfen? Haben die Taten der Nazis (Euthanasie) noch soviel Bedeutung für uns, dass wir aus Angst vor historischen Fehlern die Augen vor der heutigen Realität verschließen? Ich finde den Vorstoß der Pädiater mutig und menschlich. Das prinzipielle Ausschließen von Sterbehilfe ist durch keine vernünftigen Argumente zu rechtfertigen. Gesetze sollen aber logisch nachvollziehbar und menschlich sein und nicht Ausdruck religiöser Phantastereien.

#4 |
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Belgische Sterbehilfe – Ehrlich gesagt, ich fasse es nicht!

Da plädieren 16 Pädiater in einem offenen Brief in zwei Zeitungen für die Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe auch bei Kindern. Im Internet berichtet ‘DMorgen.be’ “ook van katholieke ziekenhuizen” und ruft zur Meinungsbildung unter dem völlig absurden Begriffspaar Gesundheit und Euthanasie auf: “Opinie | Gezondheid | Euthanasie”.

Doch wo soll die ‘rote Linie’ gezogen werden, wenn Pädiater vormittags noch Kinder mit unheilbare Erkrankung palliativ behandeln und unerträgliche Schmerzen lindern wollen, während sie am Nachmittag dieselben Kinder auf deren Wunsch und im Konsens mit Eltern und KIJU-Psychiatern und deren Gutachten beseitigen würden.

Und das ausgerechnet im Land der antagonistisch verfeindeten Flamen und Wallonen. In einem Belgien, dass international mit geradezu unglaublichen Fahndungspannen, staatlicher Gleichgültigkeit, Leichtgläubigkeit und juristischer Nonchalance mit einem der brutalsten Kinderschänder und Kinder-Serienmörder Dutroux umgegangen ist und sich dabei den Zorn der g e s a m t e n Bevölkerung zu Recht zugezogen hatte.

Seit 2002 eines der weltweit ‘liberalsten’ Sterbehilfegesetze für oder gegen erwachsene Patientinnen und Patienten entwickelt zu haben lässt dieses Land nicht mal vor Kindern halt machen. Da ist der Facharzt für Thanatologie nicht mehr weit?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#3 |
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Zur Problematik selber möchte ich nicht Stellung nehmen – nicht daß ich keine hätte. Aber das Für und Wider ist so oft wiedergekäut worden …
Zum Artikel möchte ich Ihnen gratulieren, Herr van den Heuvel. Sie haben ein Thema, über das dringend diskutiert werden muß, neutral und emotionsfrei erörtert.

#2 |
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Matthias Honold
Matthias Honold

Menschenrechtsverachtender geht es wohl nicht mehr!

Erinnert mich, mit Entsetzen, an das Dritte Reich!

Einige Länder in Europa scheinen wohl dahin zurück zu gehen wollen!

#1 |
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