Vertrauen & Einfühlungsvermögen: Der Gynäkologe

21. Juli 2006
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Quizfrage: Welcher Arzt kümmert sich nur um rund 50% der Bevölkerung? Ganz klar: Der Gynäkologe! Wie der Alltag eines Frauenarztes aussieht und wie die Ausbildung aufgebaut ist erfahrt ihr hier.

Die Gynäkologie (aus dem Griechischen: gynaikos = Frau, logos = Lehre),oder auch Frauenheilkunde, ist primär die Lehre von der Behandlung derErkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes. DasFachgebiet, welches aus der Kombination von Frauenheilkunde undGeburtshilfe besteht, umfasst die Erkennung, Vorbeugung, konservativeund operative Behandlung sowie Nachsorge von geschlechtsspezifischenGesundheitsstörungen der Frau einschließlich plastischrekonstruktiverEingriffe, der gynäkologischen Onkologie, Endokrinologie,Fortpflanzungsmedizin, der Betreuung und Überwachung normaler undgestörter Schwangerschaften, Geburten und Wochenbettverläufe sowie derPrä- und Perinatalmedizin.
Für viele Mädchen und Frauen ist der Besuch beim Gynäkologen oftmalsmit einem unguten Gefühl verbunden, da man sich in teilweise sehrunangenehmer Sitzposition intimsten Untersuchungen unterziehen muss.Hier wird seitens der Patienten von den Fachärzten alsogrößtmöglichstes Einfühlungsvermögen und eine RiesenportionVertrauenswürdigkeit verlangt. Eine große Herausforderung für dieangehenden Frauenärzte!

Interview:
Das Interview haben wir mit der Fachärztin für Frauenheilkunde undGeburtshilfe, Frau Dr. I. Wehrse geführt, die seit einigen Jahren ineiner eigenen gynäkologischen Praxis im Odenwald praktiziert.
(Dr. Wehrse = Dr. I. Wehrse / MS = medizinstudent.de)

MS: Frau Doktor Wehrse; vorab vielleichteine etwas ungewöhnliche Frage: Sind Frauen wirklich einfühlsamer, wennes um die Untersuchung und Behandlung von "Geschlechtsgenossinnen"geht?
Dr. Wehrse: (lacht!) Na ja…das ist ein Vorurteil, mit welchemich auch oft konfrontiert werde, wenn mir Patientinnen sagen, dass sieviel lieber von einer Frau untersucht werden, als von einem männlichenKollegen. Ich selbst halte das für nicht zutreffend – mein eigenerFrauenarzt, bei dem ich mich untersuchen lasse, ist ein Mann. Und derist auch nicht grob oder mit mangelndem Einfühlungsvermögengeschlagen. Ich denke, dass einfach die teilweise sehr intimenUntersuchungen und die unangenehme, und für viele Frauen alserniedrigend empfundene Sitzhaltung während einer solchen, eine großeRolle spielen. Viele Mädchen und Frauen sehen dies gegenüber einemmännlichen Gynäkologen als unangenehm an – und daraus resultiert dannmöglicherweise die prinzipielle Bevorzugung eines weiblichen Arztes.

MS: Was hat Sie denn bewogen, sich gerade die Frauenheilkunde als Facharzt auszusuchen?
Dr. Wehrse: Ich habe während einer Ausbildung zurKrankenschwester, die ich vor dem Studium begann, längere Zeit in einerFrauenklinik in einem Kreißsaal ein Praktikum absolvieren dürfen. Dashat mir dermaßen Spaß gemacht, dass ich mir fest vorgenommen habe,später einmal genau dieses Fachgebiet zu wählen. Diesen Entschluss habeich dann auch während des gesamten Studiums nicht mehr verworfen!

MS: Das hört man echt selten, dass schon vor demStudium feststeht, in welche Fachrichtung es später einmal gehen soll!Viele lassen sich ja doch erst während der Famulaturen oder Praktika"anfixen". Sieht denn aber der tägliche Ablauf bei Ihnen auchtatsächlich so aus, wie Sie sich das früher vorgestellt haben?
Dr. Wehrse: Ja und nein, wobei das "Nein" aber nichtnegativ besetzt ist. Dadurch, dass ich mich schon frühzeitig undäußerst intensiv mit dem Beruf des Gynäkologen auseinander gesetzthabe, wurde ich diesbezüglich eigentlich in keinem Moment negativüberrascht. Natürlich reduziert sich aber – selbstverständlich – dieArbeit in einer eigenen Praxis, zumal diese auf dem Land ist, aufgewisse "Basics", wie zum Beispiel die Betreuung von Schwangeren,Rou-tineuntersuchungen und kleinere "Wehwehchen". Dies ist aberkeineswegs ein Zustand, den ich ändern wollte.

MS: Sie sind jetzt schon einige Male auf IhreAusbildung zu sprechen gekommen. Wie haben Sie denn prinzipiell IhrStudium empfunden?
Dr. Wehrse: Puh…das ist jetzt doch schon ein paarJährchen her. Ich weiß aber, dass der alte Spruch "Die Studienzeit istdie schönste Zeit" auf alle Fälle zutreffend ist. Ich hatte das Glück,bei wirklich sehr guten Professoren in Seminaren und Praktika zu sitzen- dies hat mir für mein Studium, und nicht zuletzt für mein ganzpersönliches Leben, sehr viel gegeben.
Mein Tipp für alle Medizinstudenten: Nehmt so viel als möglich ausEurem Studium mit und informiert Euch auch abseits des Hörsaals immerüber Themen, die Euch interessieren. Später, im Berufsalltag, ist daskaum noch möglich!

MS: Ach…da wären wir zufälligerweise schon beider nächsten Frage: Wie sehen Sie denn die Möglichkeiten zur Fort- undWeiterbildung in Ihrem Fachbereich?
Dr. Wehrse: Dadurch dass die Gynäkologie unter anderemzu den operativen Fachgebieten der Medizin gehört, erschließt sichalleine hier schon ein riesiges Feld an Möglichkeiten. Auch dieGeburtshilfe ist ein sehr interessantes Gebiet, auf welchem unzähligeSeminare und sonstige Möglichkeiten zur Weiterbildung angeboten werden.Man muss halt immer sehen, dass man für solche "Events" auch die nötigeKapazität und Freizeit besitzt!

MS: Frau Doktor…mal ganz außer der Reihe: Haben Sie einen persönlichen Lieblingswitz zum Thema "Frauenarzt"?
Dr. Wehrse: (lacht!) Da haben Sie Sich aber diekniffligste Frage bis ganz zum Schluss aufgehoben! Aber Moment mal -einen ganz guten kenne ich doch: Fragt der Frauenarzt: "Möchten sie,dass ihr Mann bei der Geburt anwesend ist?" – "Nicht notwendig, er warja auch bei der Zeugung nicht dabei"

MS: Frau Doktor Wehrse – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

Allgemeine Informationen:

Ausrichtungen/
Schwerpunkte der Ausbildung

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • der Gesundheitsberatung einschließlich Stillberatung und den Grundlagen der Ernährungsmedizin, Früherkennung und Vorbeugung einschließlich Impfungen
  • der konservativen und operativen Behandlung der weiblichen Geschlechtsorgane einschließlich der Brust, der Erkennung und Behandlung von Komplikationen und der Rehabilitation
  • der Feststellung einer Schwangerschaft, der Mutterschaftsvorsorge, der Erkennung und Behandlung von Schwangerschaftserkrankungen, Risikoschwangerschaften und der Wochenbettbetreuung
  • der Indikationsstellung zu plastisch-operativen und rekonstruktiven Eingriffen im Genitalbereich und der Brust
  • der Prävention der Osteoporose

Aufbau der Ausbildung 60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte – davon können:

  • 6 Monate in einem anderen Gebiet angerechnet werden
  • bis zu 12 Monate in den Schwerpunktweiterbildungen des Gebietes abgeleistet werden
  • bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden

Dauer der Ausbildung 5 Jahre
Arbeitsplätze/ Arbeitgeber

  • Kliniken
  • Gynäkologische Praxen
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Allgemein

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