Gedächtnis: Verknüpfung mit örtlichem Umfeld

2. Dezember 2013
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Wie eng Erinnerungen mit Orten verknüpft sind, konnten Wissenschaftler erstmals auf neuronaler Ebene belegen. Es konnte gezeigt werden, dass das menschliche Gedächtnis Inhalte mit räumlichen Markern belegt, die beim Abruf der Gedächtnisinhalte aktiviert werden.

In einem virtuellen Gedächtnisexperiment sollten Probanden diverse Gegenstände an bestimmte Orte ausliefern und sich anschließend an möglichst viele Gegenstände erinnern. Beim Erinnern wiesen dieselben Nervenzellen im Hippocampus erhöhte Aktivität auf, die den Lieferort beim Abspeichern der Inhalte kodiert hatten.

Virtual Reality-Experiment im Krankenbett

„Die Grundlage für diesen wesentlichen Erkenntnisschritt zu Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses war die einzigartige Möglichkeit, bei Epilepsiepatienten die Aktivität einzelner Nervenzellen aufzuzeichnen und während geistiger Tätigkeit zu untersuchen“, sagt Prof. Dr. Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Freiburger Epilepsiezentrums. Die Freiburger Epilepsieforscher führten ihre Untersuchungen im Rahmen einer mehrjährigen Kooperation mit einer Forschergruppe um Prof. Dr. Michael Kahana von der University of Pennsylvania durch. In Freiburg wurden die technischen Möglichkeiten geschaffen, um die Aktivität einzelner Nervenzellen beim Menschen zu registrieren. Die Epilepsiepatienten wurden zur detaillierten Analyse ihrer Anfälle an Elektroden angeschlossen und nahmen freiwillig an dem in Philadelphia programmierten Virtual Reality-Experiment teil. Während sie in ihrem Krankenbett lagen, bewegten sie sich über einen Bildschirm wie in einem Computerspiel in einer virtuellen Stadt und lieferten Gegenstände an festgelegte Orte aus. Währenddessen wurde die Aktivität der Nervenzellen aufgezeichnet und ihre Aktivierungsmuster an bestimmten Orten verglichen mit denen beim Erinnern der dort verwendeten Gegenstände.

„Place cells“ kodieren den Ort einer Person

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass unmittelbar vor dem Erinnern der im Spiel benutzten Objekte die räumliche Information reaktiviert wurde, wo sie benutzt worden waren. „Es ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass so genannte „Place cells“ den Ort einer Person kodieren. Wir haben nun herausgefunden, dass diese Nervenzellen auch eine wichtige Rolle bei Gedächtnisprozessen spielen“, so Prof. Schulze-Bonhage. So war es möglich, anhand der Aktivität der Place cells vorherzusagen, welches Objekt einem Probanden als nächstes einfallen würde. Die Einbeziehung räumlicher Informationen in Gedächtnisinhalte erklärt, weshalb Erinnerungen, die mit demselben Ort verknüpft sind, gemeinsam reaktiviert werden können. Dies zeigt einmal mehr die enge Interaktion unterschiedlicher kognitiver Leistungen, hier der räumlichen Orientierung und des Gedächtnisses, im menschlichen Gehirn.

Originalpublikation:

Neural Activity in Human Hippocampal Formation Reveals the Spatial Context of Retrieved Memories
Andreas Schulze-Bonhage et al.; Science, doi: 10.1126/science.1244056, 2013

20 Wertungen (4.6 ø)

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2 Kommentare:

Jörg Fricke
Jörg Fricke

Kommentar #1 dient als Gegenbeispiel: fehlende räumliche Orientierung. ;-)

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Dr. oec. troph. Claudia Laupert-Deick
Dr. oec. troph. Claudia Laupert-Deick

Das läuft so weiter wie immer, die Ärzte werden von der Pharmaindustrie fortgebildet und lernen, dass nun noch häufiger Statine eingesetzt werden müssen. Viel wichtiger wäre es, wenn man ihnen mal erklären würde, wie man Menschen auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil verhaltenstherapeutisch begleiten kann. Sofern kein Herzinfarkt oder eine manifeste KHK vorliegen, sind zunächst alle Maßnahmen der Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion auszuschöpfen. Sollte dies nicht gelingen, sind Experten wie Oecotrophologen, Sport- und Psychotherapeuten einzubeziehen. Patienten müssen viel mehr lernen selbst Verantwortung für Ihre Gesundheit zu übernehmen, anstatt Medikamente einzuwerfen, deren Nutzen nicht gesichert sind, die Nebenwirkungen aber dosisabhängig mittlerweile bei 40 % der Betroffenen nachgewiesen sind.

#1 |
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