Geldfrust im PJ

3. August 2006
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Nach dem Studium folgt für angehende Ärzte das so genannte "Praktische Jahr" (kurz "PJ"), eine Ausbildungsphase, die jedoch seit längerem unter beträchtlichem Rufschaden leidet. Die Mediziner schuften im Krankenhaus wie die "Großen", sehen dafür aber keinen Cent Lohn - und befürchten, dass sie im PJ künftig sogar Studiengebühren zahlen müssen. Wir bringen ein wenig Licht ins Dunkel!

Es gibt handfeste finanzielle Motive, die Medizinstudenten ins Ausland treiben – nicht nur fertige Ärzte sind also von der Tendenz zur "Abwanderung" betroffen. Denn in anderen (europäischen) Ländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, gibt es für den einjährigen Krankenhauseinsatz bares Geld. Je nach Klinik erhalten Studenten bis zu 1.500 – 2.000 Franken (!) für ihre Mitarbeit. In Deutschland dagegen bekommen sie für das PJ nichts, während Akademiker in anderen Disziplinen mit Staatsexamina – Jura und Lehramt zum Beispiel – in der Praxisphase durchaus bezahlt werden.

Zahlen für das Arbeiten
Bald müssen die Nachwuchsmediziner jedoch vielleicht sogar noch aus der eigenen Tasche den "Spaß" mitfinanzieren. Denn offiziell gehört das PJ hierzulande ja zum Studium, und so drohen den Medizinstudenten in Zukunft auch Studiengebühren im letzten Jahr ihrer Ausbildung. Und das sogar, obwohl sie in dieser Zeit eigentlich gar nicht mehr an der Universität, sondern im Krankenhaus sind. Die Interessenverbände der Medizinstudenten laufen – verständlicherweise – schon Sturm.

Viele PJ'ler sind voll in den Dienstplan integriert, übernehmen Dienste und Nachtschichten. Das unbezahlte Jahr ist ohnehin schon schwer zu finanzieren: Oft müssen wir Studenten zum Beispiel eine Zweitwohnung bezahlen – von den ganzen Kosten des alltäglichen Lebens ganz zu schweigen. Aus diesem Grund fordern Medizinerverbände wie der Marburger und der Hartmannbund schon längst, berechtigterweise, eine Vergütung für das PJ – bislang jedoch relativ erfolglos. Beim AiP (dem Arzt im Praktikum), einer weiteren Ausbildungsphase mit mangelhafter Bezahlung, halfen die Proteste im Gegensatz zum PJ: Die 18 Monate "Knechten für umsonst" wurden Ende des Jahres 2004 abgeschafft.

Positve Indizien – aber Gefahr noch nicht gebannt
Die meisten PJ'ler sehen kaum oder gar keine Chance, neben dem Lebensunterhalt auch noch Studiengebühren zu finanzieren. Auf den Punkt gebracht: Für einen Nebenjob bleibt nach neun Stunden Krankenhausdienst schlicht keine Zeit! Inzwischen hat man das Problem wohl auch in den Bundesländern erkannt – und wenn wir Mediziner uns laut genug zu Wort melden, können wir die Studiengebühren im Praktischen Jahr vielleicht sogar ganz abwenden. Nach Aussagen des baden-württembergischen Wissenschaftsministers soll die Studiengebühr für das Praktische Jahr jedenfalls ("höchstwahrscheinlich") wegfallen. Positive Indizien gibt es also durchaus, aber spruchreif ist noch nichts, solange die Gebührengesetze noch nicht vorliegen.

Ab ins Ausland?
Der medizinische Nachwuchs wandert aus? Nicht ganz – aber in den letzten Jahren ist das Praktische Jahr im Ausland immer beliebter geworden. Nach einer repräsentativen Umfrage unter Medizinstudenten planen etwa zwei Drittel einen Auslandseinsatz oder haben ihren Platz sogar schon sicher. Wichtig ist hierbei zu beachten (und darüber hinaus als Fakt sehr kurios!): Falls es keine Ausnahmeregelung gibt, müssen die Medizinstudenten im Praktischen Jahr auch dann zahlen, wenn sie an einer ausländischen Klinik arbeiten – formal bleiben sie ja Studenten ihrer "Heimatuniversität". Unglaublich, oder?!

Der Aderlass an jungen Medizinern sollte den deutschen Krankenhäusern große Sorgen bereiten und zum Nach- und Umdenken anregen! Denn viele der Studenten bleiben nach dem PJ lieber gleich im Ausland: Mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland (den altbekannten ewigen Schichten, sowie den unbezahlten Überstunden) sind die Assistenzärzte ja nun wirklich nicht besonders zufrieden, wie nicht zuletzt die heftigen Proteste in den letzten Monaten zeigten.

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