So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen…

10. August 2006
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Neue Studiendaten unterfüttern, dass Äpfel nicht nur schön grün sind, sondern auch noch dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Enorm sind die gesundheitspolitischen Implikationen: Wenn die GKV künftig bei Demenzpatienten Äpfel erstattet, sind die GKV-Finanzen gerettet und der Agrarminister frohlockt.

Äpfel spielen in der Weltgeschichte bekanntlich mehr als nur eineNebenrolle. Die Legende will es, dass Sir Isaac Newton einem vom Baumfallenden Apfel im Jahre 1666 nicht nur eine Beule, sondern auchunsterbliche Erkenntnisse zur Schwerkraft verdankt. Per Apfel habenFrauen die Männer aus dem Paradies geworfen. Und Martin Luther wollteselbst im Falle eines Weltuntergangs nicht auf sein Apfelfrühstückverzichten und setzte deswegen auf die präapokalyptisch gesäteApfelplantage.

Three apples a day keep medication away

Im säkularen 21. Jahrhundert werden private Apfelplantagen plötzlicheine interessante Ergänzung zu Riester-Rente und anderen Maßnahmen derAltersvorsorge. Denn Äpfel schützen vor Demenz. Das behaupten zumindestWissenschaftler um Dr. Thomas Shea vom Zentrum für zelluläreNeurobiologie und Neurodegeneration an der Universität MassachusettsLowell. Der Verdacht stand schon länger im Raum. Er wirddurch eine in der aktuellen Ausgabe des Journal of Alzheimer'sDisease veröffentlichte Untersuchung jetzt noch einmal erhärtet. In derUntersuchung erhielten Mäuse drei verschiedene Diäten. Ein Drittelfutterte wie immer. Ein Drittel erhielt eine nährstoffarme Diät. Undein weiteres Drittel nahm ebenfalls eine nährstoffarme Diät zu sich,die allerdings durch Apfelsaftkonzentrat ergänzt wurde, das dieWissenschaftler dem Trinkwasser beimengten. Die Menge lag, auf Menschenhochgerechnet, bei zwei Gläsern Apfelsaft oder drei Äpfeln pro Tag.Eine Umrechnung in Äppelwoi wurde nicht geliefert. In jedem Fall zeigtedie Apfelinfusion Wirkung: “Es war überraschend, wie sehr viel besserdie Tiere mit der Apfeldiät in maze-Tests abschnitten”, sagt Shea.Maze-Tests sind eine in der Verhaltensforschung häufig eingesetzteSorte von Gedächtnistests.

Der Unterschied war aber nicht nur klinisch, sondern auch biochemischnachweisbar. Der Acetylcholin-Gehalt im Gehirn jener Mäuse, dieApfelsaft bekamen, blieb nämlich mehr oder weniger konstant. DieKontrollmäuse mit nährstoffarmer Diät zeigten dagegen einenVerringerung dieses Parameters. Das ist interessant, weil moderneAntidementiva auf genau die gleiche Weise wirken:Cholinesterasehemmstoffe blockieren den Abbau des Acetylcholins undsorgen so für zusätzliche Neurotransmitter im Gehirn vonAlzheimerpatienten. Shea zieht denn auch gleich die klinischeKonsequenz: “Wir erwarten, dass Äpfel, Apfelsaft oder andereApfelprodukte eines Tages für Alzheimerpatienten empfohlen werden”. DieGesetzliche Krankenversicherung dürfte den Tag herbeisehnen, dennAlzheimermedikamente gelten angesichts einer alternden Bevölkerung alseines der Finanzierungsrisiken für das Gesundheitswesen der Zukunft.

Der alte Blend ist Trend

Puristen werden an der Studie von Shea zumindest eines aussetzenwollen: Sie war interessengeleitet. Finanziert wurde sie nämlich vonder US AppleAssociation und dem Apple Products Research and EducationCouncil. Die US Apple Association war auch der Geldgebereiner anderen Studie, die im vergangenen Jahr Aufmerksamkeit erregthatte. Wissenschaftler der Cornell University berichteten damals imJournal of Agricultural and Food Chemistry,dass die Häufigkeit von Brustkrebs bei Krebsmodellratten, die aufMenschen bezogen das Äquivalent von einem, drei oder sechs Äpfeln amTag zu sich nahmen, innerhalb von 24 Wochen 17, 39 beziehungsweise 44Prozent niedriger lag als bei Kontrolltieren.

Was ist denn nun das Geheimnis der Äpfel? Shea und seine Kollegenerklären sich die positiven Wirkungen auf das Gedächtnis durch einenmöglicherweise apfelspezifischen Mix aus antioxidativen Wirkstoffen,der verhindert, dass der für die Gedächtnisleistung wesentlicheNeurotransmitter Acetylcholin über Gebühr “wegrostet”. Auch derBrustkrebsforscher Rui Hai Liu glaubt fest an den richtigen,antioxidativen Blend des Naturprodukts und warnt vor Produktpiraten ausden Reihen der Nahrungsmittelindustrie: “Die ausgewogene natürlicheKombination von Phytochemikalien in Früchten und Gemüse kann nichteinfach durch Nahrungsersatzstoffe imitiert werden”, unterstreicht er.So lasst und denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist so weit. Fragtsich nur, welches: Golden Delicious? Boskoop? Granny Smith? Gala? Hierist dann doch noch etwas Forschungsbedarf.

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