Schwellkörper für Rammler

17. August 2006
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Hydraulische Pumpen oder Silikon müssen herhalten, wenn körperlich bedingte Erektionsstörungen die Liebeslust bremsen. Die möglichen Risiken und Nebenwirkungen, wie Perforation der Schwellkörperhaut oder Dauererektion, sind kaum kalkulierbar. Im Vergleich dazu haben es vierbeinige Rammler besser. Sie profitieren schon heute vom Penis mit künstlich gezüchteten Schwellkörpern....

Neue Schwellkörper für defekten Penis

Auf der diesjährigen Tagung der American Urological Associationsorgte Professor Anthony Atala für Schlagzeilen. Grund für die hoheAufmerksamkeit war sein Vortrag über den ersten künstlichen Penis auskörpereigenen Zellen. Zusammen mit seinen Kollegen vom Wake Forest Institute for Regenerative Medizin in North Carolina war es gelungen,einen defekten Penis mit voll funktionsfähigen Schwellkörpernauszustatten. Von den erfolgreichen Experimenten konnten bisher zwarnur Kaninchen profitieren. Aber in Zukunft sollen so Männer mitschwerer erektiler Dysfunktion, z. B. aufgrund angeborener Abnormalitätoder Krebs, behandelt werden können. Das Forscherteam um Anthony Atalawar bereits im Frühjahr 2006 mit der Transplantation künstlich erzeugter Harnblasen von der Fachpresse gebührendgefeiert worden. Bei den behandelten Patienten mit angeborenerBlasenschwäche konnte die Blasenfunktion innerhalb von wenigen Jahrendeutlich verbessert werden.

Problemloses Rammeln mit maßgeschneidertem Gewebe

Die Gewebezucht der Urologen aus dem Wake Forest Institute beruhtauf einem neuen Verfahren der Gewebezucht. Schon bei der künstlicherzeugten Harnblase setzten sie ein maßgeschneidertes menschlichesGewebe, das im Labor gezüchtet worden war, ein. Für die "Reanimation"der Kaninchen-Penisse wurden ebenfalls eigene Zellen, d. h.Muskel- und Gefäßzellen, aus den Schwellkörpern entnommen und in eineKollagen-Matrix mit Korpus-gerechter Struktur zwecks Wachstumeingesetzt. Nach zwei Monaten war ein neues schwammiges Gewebeentstanden, mit der die defekten Schwellkörper auf beiden Seiten derHarnröhre ausgetauscht wurden. Etwa einen Monat nach dem Eingriffkonnte wieder problemlos gerammelt werden. D.h., der Blutdruck währendder Erektion verhielt sich normal. Und das "sich vermehren wieKarnickel" konnten die Weibchen erneut unter Beweis stellen.

Dysfunktion aufgrund vernarbter Schwellkörper

Das Team um Anthony Atala geht davon aus, dass mit diesem Verfahrenvielen männlichen Patienten mit schwerer Dysfunktion besser geholfenwerden kann als mit Silikon-Implantaten. In den meisten Fällen ist dasschwammige Gewebe im Schwellkörper geschädigt. Grund ist einemangelhafte Sauerstoff-Versorgung, die zur Vernarbung des Gewebe führt."Growing new spongy corpora tissue for implantation could help thesepatients", so die Überzeugung der Forscher. Besonders wichtig sei, dasseigene Zellen für die Züchtung genutzt werden und damit keine Gefahrbestehe, dass das künstlich erzeugte Gewebe vom Immunsystem abgestoßenwird.

Vielversprechender Ansatz bei schwerer Dysfunktion

Trotzdem, darauf verweisen andere Wissenschaftler, sei besondereVorsicht bei der Integration in das Organ geboten. So muss sichergestellt werden, dass alle Blutadern korrekt verbunden werden, damitnicht erneut ein Narbengewebe entsteht. Insgesamt wird die Entwicklungals vielversprechend eingeschätzt. Allerdings befindet sich dieForschung noch in einem sehr frühen Anfangsstadium. In vielen Fällenkönnte beispielsweise eine Kombination verschiedener Zuchtgewebeerforderlich sein, was eine neue Herausforderung darstellen würde. LautAnthony Atala ist sein Institut bereits dabei, ein Gewebe für dieHarnröhre zu entwickeln. Allerdings gestalte sich diese Aufgabeschwieriger, da es gilt, den Hohlraum der Urethra nachzubilden.

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