Computerspielabhängigkeit: Risikofaktor bestimmt

27. November 2013
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Rund zehn Prozent der deutschen Teenager spielen mehr als 4,5 Stunden am Tag am Computer, fast zwei Prozent davon erfüllen die Kriterien der Abhängigkeit. Forscher entdeckten nun einen neuen Risikofaktor für Computerspielabhängigkeit.

In den USA können Ärzte seit Mai 2013 die Diagnose der Internetspielerkrankung stellen. Weil bisher nur vergleichsweise wenige Studien vorhanden sind, ist die Erkrankung noch nicht in dem europaweit verwendeten Diagnosesystem der Weltgesundheitsorganisation aufgeführt. Dennoch ist das Phänomen auch in Europa ernst zu nehmen.

Die beiden Forschergruppen um Prof. Dr. Johannes Kornhuber (Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik am Universitätsklinikum Erlangen) und PD Dr. Thomas Mößle (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover) haben deshalb einen möglichen Risikofaktor für eine Computerspielabhängigkeit untersucht – und sich dabei auf Erkenntnisse aus früheren Studien zu alkoholabhängigen Patienten gestützt. Bei diesen konnte seinerzeit im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern ein kleineres Verhältnis von Zeigefingerlänge zu Ringfingerlänge – in der medizinischen Fachsprache 2D:4D – nachgewiesen werden, was ein bekanntes Indiz für erhöhte Testosteronspiegel während der Schwangerschaft ist. Männer sind aufgrund der eigenen Testosteronproduktion vor der Geburt per se höheren Testosteronspiegeln ausgesetzt und haben damit kleinere 2D:4D-Verhältnisse.

Vorgeburtlicher Testosteroneinfluss

Im Rahmen des FLIP-Projekts (Finger Length in Psychiatry) haben die Wissenschaftler in einer aktuellen Studie mit Hilfe des 2D:4D-Verhältnisses nun auch die Bedeutung vorgeburtlichen Testosteroneinflusses für die Entstehung von Computerspielabhängigkeit untersucht. Dafür haben sie die 2D:4D-Verhältnisse von 27 männlichen riskant oder abhängig Computerspielenden mit 27 unproblematisch spielenden Männern verglichen. Das Ergebnis bestätigt die Hypothese der Forscher: Auch bei den Computerspielerkrankten zeigten sich kleinere 2D:4D-Verhältnisse als in der Kontrollgruppe der gesunden Probanden. Dies lässt den Schluss zu, dass ein hoher Testosteronspiegel vor der Geburt auch das Risiko für eine spätere Computerspielabhängigkeit steigert.

Männer weisen aufgrund der höheren vorgeburtlichen Testosteronbelastung entsprechend kleinere 2D:4D-Verhältnisse auf. Daneben steht das 2D:4D-Verhältnis aber auch mit Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Autismus oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) sowie mit geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen in Verbindung, die eher typisch „männliche“ Phänomene sind. Männer sind dementsprechend häufiger von Computerspielabhängigkeit betroffen als Frauen.

Weitere Studien sind notwendig

„Natürlich entscheiden viele weitere biologische, soziale und psychologische Faktoren darüber mit, ob jemand tatsächlich eine Abhängigkeit entwickelt oder nicht“, schränkt Prof. Dr. Johannes Kornhuber ein. „Daher werden weitere Studien erst noch belegen müssen, inwieweit sich das 2D:4D-Verhältnis für eine Risikoabschätzung eignet.“

Originalpublikation:

Low 2D:4D Values Are Associated with Video Game Addiction
Johannes Kornhuber et al.; PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0079539; 2013

47 Wertungen (3.11 ø)

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6 Kommentare:

Brigitte Gotter
Brigitte Gotter

Halte diesen Vergleich für ziemlich sinnlos …….
Hier können so viele andere Faktoren eine viel größere Rolle spielen! Nur an solchen “Grundlagen” etwas “festzumachen” wäre fatal.
Ist dieser Artikel jetzt nur aus Zeitvertreib geschrieben oder ein Scherz?

#6 |
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n=54? Das ist keine Studie, das ist Zufall… oder vielleicht auch nicht. Teilweise wird ein Signifikanzniveau mit einem p < 0,1 definiert. Da bekommt man aus fast jedem Unterschied eine statistische Aussage. Mit dem 10fachen an Probanden bekäme man vielleicht ein verwertbares Gesamtergebnis.

#5 |
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Bei Studien dieser Art ist zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich dabei “nur” um Korrelationsstudien handelt. Jedenfalls insinuiert der Bericht dies. Von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu sprechen, ist schlechterdings überinterpretiert.

#4 |
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Why not …
2D:4D wirkt schon ziemlich retro in unserer Hightechzeit, allein daraus kann man aber noch lange nicht einfach Unseriosität des Parameters ableiten. Wenn dieser einfach zu bestimmende Wert tatsächlich eine valide Aussage über vorgeburtliche Testosteronspiegel ermöglicht, dann kann man damit auch sinnvolle Studien durchführen und veröffentlichen.
Ob dies aber tatsächlich der Fall ist, geht aus dem Artikel allerdings tatsächlich nicht hervor. Eine kurze Erläuterung dieses 2D:4D-Parameters ist da schon angebracht. Im Original dürfte da wohl mehr dazu stehen, aber die Mühe mache ich mir jetzt nicht…
;-)

#3 |
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Dr. Elisabeth Wagner
Dr. Elisabeth Wagner

Ein Bild wäre gut gewesen, was überhaupt 2D : 4D sein soll,
aber welchem Verhältnis es kritisch wird.
Aber ich halte die Arbeit eher für einen Scherz!!
Dr. Wagner

#2 |
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Angelika Pohl
Angelika Pohl

so ein errechnetes Geschwätz gibt es leider immer häufiger zu lesen

#1 |
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