Pimp my Praxis

19. September 2006
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Das Internet macht's möglich: Die Praxis-EDV ist nicht mehr der monolithische Block, der sie mal war. Der moderne Arzt nutzt seine EDV, um Termine zu vereinbaren, um IGeL-Angebote an den Mann oder die Frau bringen und um Befunde ins Netz zu hieven. Vorhang auf für die EDV als Marketing-Tool in einer Online-Welt.

Arzthelferin am Empfang einer Acht-Ärzte-Praxis? Ein Albtraum. Wenn dasTelefon einmal drei Minuten am Stück still steht, knallen dieSektkorken. Und abends geht ohne Stimmband-Wellness gar nichts mehr. Inder gynäkologischen Praxisgemeinschaft Schillerstrassein Frankfurt am Main haben die Mitarbeiterinnen Erfahrung genug miteiner solchen Konstellation. Und sie haben gehandelt: Ergänzend zurüblichen Terminvergabe per Telefon haben sie auf ihrer Praxishomepageeine Internetschnittstelle geschaffen, über die die Patientinnen ihreTermine direkt online einbuchen können. Die neue Dienstleistung wurdemit Informationskärtchen, Schlüsselanhängern und Ähnlichem nachhaltigbeworben. Die Mühe hatte Erfolg: Fast die Hälfte aller Termine wirdjetzt per Internet gebucht. Das sind Dutzende Telefonate weniger.

Elegant und dezent: IGeL-Hinweise per Terminkalender

Die Frankfurter Ärztinnen nutzen den Online-Terminkalender von Terminland.de,einem von mehreren Anbietern in diesem Segment, als Stand alone-Lösung.”Eine Integration in Offline-Terminkalender ist aber auch möglich”,sagt Hartwig Schulz von der Schulz & Löw Consulting GmbH. Aktuellkönnen Terminland-Termine mit dem Med-Organizerausgetauscht werden, der wiederum über Schnittstellen an sehr vielePraxis-EDV-Systeme angedockt werden kann. Direkte Schnittstellen zu denintegrierten Timern der EDV-Hersteller gibt es bisher allerdings nochnicht, weil die EDV-Hersteller bremsen. “Online-Terminkalender sind fürÄrzte derzeit noch eine zentrale Möglichkeit, um sich vom Wettbewerberzu differenzieren”, sagt auch Axel Sauer von proTermin.de,einem weiteren Anbieter in diesem Segment. Die Web-Timer sind für ihnein Zeichen von Serviceorientierung und Aufgeschlossenheit: “Sie könnenauch dazu dienen, neue Zielgruppen anzusprechen, auch alte Menschen.Denn die haben oft Kinder und Enkel, die für sie die Arztterminebuchen.”

Der Praxisberater betont, dass Online-Terminkalender kein Wert an sichsind, sondern immer nur ein Element einer umfassenden Marketing- undServicestrategie bilden. Je nach Praxisstruktur könne es zum Beispielhilfreich sein, im Internet nur Termine außerhalb der Stoßzeiten fürdie Online-Buchung freizugeben. Damit kann dann eine gleichmäßigereAuslastung der Sprechstunde erreicht werden. Für besonders interessanthält Sauer die Verknüpfung von Terminbuchung per Internet und IGeL-Angeboten. “Wird per Internet zum Beispiel ein Zahnarzttermin gebucht,kann dem Kunden eine professionelle Mundpflege mit angeboten werden”,erläutert Sauer. Auch für Hartwig Schulz sind die IGeL-Leistungeninteressant: Neben der Option zur direkten Buchung eines IGeL-Angebots,etwa einer Vorsorgeuntersuchung, bietet Terminland.de seit Neuestem dieMöglichkeit, Kunden in einem Extrafenster über IGeL zu informieren.Kassenpatienten und Privatpatienten können dabei auf Wunsch auchunterschiedliche Optionen bekommen.

Erinnerungsfunktionen per E-Mail sparen Zeit und Kosten

Eine weitere Möglichkeit, die Praxis-EDV in Verbindung mit demInternet zu nutzen, um Patienten gezielt anzusprechen, sindRecall-Funktionen per E-Mail. Der klassische Recall, also dieErinnerung an einen Arzttermin oder der Hinweis auf eine möglicheVorsorgeuntersuchung, geschah lange Jahre per Postkarte. “Auch heutewird noch viel zu viel geklebt und gedruckt”, ist Sauer überzeugt.Dabei geht es per E-Mail sehr viel einfacher und kostengünstiger.Recall-Funktionen, die das Medium E-Mail nutzen, bieten mittlerweilesehr viele Praxis-EDV-Systeme an. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:Bei Turbomedkönnen Recall-Termine in einem eigenen Fenster angelegt werden. Zueinem festgelegten Zeitpunkt wird der Arzt daran erinnert und kann dannentscheiden, ob er eine E-Mail oder sogar eine SMS verschicken möchte.Auch MCS Isynet verfügt mit dem DOC 2000 plus-Modul über entsprechende Möglichkeiten. Bei ifa systemskönnen neben Termin-E-Mails auch Nachrichten über IGeL-Angebote ineinem speziellen Fenster bearbeitet werden. Viele andere bietenÄhnliches. Vor allem via Praxis-EDV generierte SMS-Erinnerungen sindeine gute Möglichkeit, die eigene Praxis gegenüber der Konkurrenz zuprofilieren, denn das macht außer Zahnärzten bisher noch kaum jemand.

Von der Praxis-EDV direkt ins Webarchiv

Jenseits rein administrativer Funktionen wie Terminvergabe oderRecall lässt sich die Praxis-EDV natürlich auch “medizinisch” nutzen,etwa indem Befunde oder Kurzarztbriefe online gestellt werden, damitder Patient sie einsehen oder ausdrucken kann. Am einfachsten geht das,wenn der Patient selbst bereits eine Online-Gesundheitsakte besitzt, wie sie unter anderem von den Unternehmen careon.de und InterComponentWareangeboten werden. Zum Teil gibt es bereits Praxis-EDV-Systeme, dieeinen direkten Export relevanter Dokumente unterstützen. So lässt sichdie Careon.de-Gesundheitsakte über D2D füttern. Und die Praxis-EDV Qmedvon Schwerdtner bietet eine Schnittstelle zur ICW-Akte. Gibt es keinendirekten Draht, dann erspart eine digitale Faxfunktion das mühsameScannen. Es gibt auch einige Anbieter von Arztpraxis-Homepage-Diensten,die individuelle Patientenakten als Zusatzleistung anbieten. Der Arztkann dabei seinen Patienten eine solche Akte anlegen und dort wichtigeBefunde deponieren, die über die eigene Praxishomepage zugänglichgemacht werden können. Medizinischer Service leicht(er) gemacht.

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