Psychotherapie: Über kurz oder lang

12. Dezember 2013
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Akuter psychischer Stress ist meistens mit einer kurzen Psychotherapie zu beheben. Doch den Menschen, die an chronischen psychischen Störungen leiden, hilft nur die psychodynamische Langzeittherapie. Eine Studie kam zu einem anderen Ergebnis, das Forscher nun kritisierten.

Bereits im Jahr 2008 wiesen der Psychoanalytiker Falk Leichsenring, Universität Gießen, und der Verhaltenstherapeut Sven Rabung, Universität Hamburg-Eppendorf, in einer Metaanalyse nach, dass die psychodynamische Langzeittherapie (LTPP = Long Term Psychodynamic Psychotherapy) bei komplexen psychischen Störungen wirksamer ist als weniger intensive Therapien. Im Jahr 2011 bekräftigten sie dieses Ergebnis in einer weiteren Metaanalyse. Sie konnten außerdem zeigen, dass die Patienten auch nach Abschluss der Behandlung weitere Fortschritte machten: Die Effektstärken stiegen nach Behandlungsende weiter an.

Schon 1999 zeigte eine Studie von Perry et al., dass sich 50 Prozent der Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung nach 1,3 Jahren bzw. 92 Sitzungen erholen. Nach 2,2 Jahren (216 Sitzungen) geht es 75 Prozent der Patienten besser.

Andere Studie, anderes Ergebnis

Im März 2012 veröffentlichten dann die Epidemiologin Yolba Smit (Leuth, Niederlande) und Kollegen der Universitäten Maastricht, Amsterdam (Niederlande) und Stanford (USA), eine Studie, die besagt, dass die psychodynamische Langzeittherapie nicht wirksamer sei als andere Verfahren auch – im besten Falle. Sie könne sogar der Genesung entgegenwirken. Yolba Smit und Kollegen analysierten 11 randomisierte oder quasi-randomisierte kontrollierte Studien.

Smit et al. untersuchten, inwieweit sich Patienten nach einer Psychotherapie zum Zeitpunkt der spätesten Follow-up-Untersuchung erholt hatten. Sie fanden heraus, dass sich die Patienten hinsichtlich der generellen psychiatrischen Symptome, der Persönlichkeitspathologie und des sozialen Funktionierens nicht unterschieden; unabhängig davon, welche Therapie sie gemacht hatten. Zwar schnitt die psychodynamische Langzeittherapie signifikant besser ab, wenn sie mit unspezialisierten Psychotherapien verglichen wurde, aber nicht, wenn die psychodynamische Langzeittherapie spezialisierten Kontrollbehandlungen entgegengestellt wurde.

Falk Leichsenring und Kollegen führten daraufhin erneut eine Metaanalyse durch, wobei sie zwei weitere große Metaanalysen einschlossen. Diese Studie wurde nun in diesem Jahr in Form einer Diskussion um die Studie von Smit et al. veröffentlicht. Wieder kamen Leichsenring und Kollegen zu dem Ergebnis, dass die psychodynamische Langzeittherapie bei komplexen Störungen deutlich wirksamer ist als weniger intensive Psychotherapieformen.

Was heißt Langzeittherapie?

Bei der Analyse der Smit-Studie stellten Leichsenring et al. fest: Smit und Kollegen hatten uneinheitliche Einschluss- und Ausschlusskriterien verwendet. Leichsenring et al. orientierten sich bei ihrer Definition der „Langzeitpsychotherapie“ an der Definition vorhergehender Metaanalysen. Demnach besteht eine psychodynamische Langzeittherapie aus mindestens 50 Sitzungen oder aus einer Dauer von mindestens einem Jahr. Smit et al. hingegen definierten die Langzeittherapie als eine Therapie von mindestens 40 Sitzungen und einer Dauer von mindestens einem Jahr. Sie schlossen deshalb eine Studie ein, in der die Patienten nur 24,9 Sitzungen über ein Jahr absolvierten. Eine weitere Studie, in der Smit et al. von „LTPP“ sprachen, dauerte nur 31 Sitzungen.

Des Weiteren werteten Leichsenring et al. nur Studien aus, in denen die Behandlungen bereits abgeschlossen waren. Smit et al. jedoch schlossen Studien ein, in denen Behandlungen teilweise noch andauerten. Auch bezeichneten Smit et al. teilweise Verfahren als “psychodynamisch”, die nicht als rein psychodynamisch betrachtet werden können. z.B. das “Community Treatment by Experts (CTBE).  Auch bezogen Smit et al. eine Studie ein, in der sie das “allgemeine psychiatrische Management” als psychodynamische Langzeittherapie werteten.

Leichsenring et al. erachteten zudem das „Sitzungsverhältnis“ zwischen den beiden untersuchten Gruppen als wichtig. Während in ihren Studien das Verhältnis von Langzeit-Psychotherapiesitzungen im Vergleich zur Sitzungsanzahl bei anderen Therapien 1,96 betrug, lag die „Session Ratio“ in der Studie von Smit et al. gerade einmal bei 1,35. Das heißt, die Patienten der LTPP-Gruppen hatten nicht sehr viel mehr Therapiesitzungen erhalten als die Patienten der Kontrollgruppen.

„Allegiance-Effekt“

Leichsenring und Kollegen diskutieren, dass der „Allegiance-Effekt“ (allegiance = Treuepflicht, Gehorsam, Loyalität) in der Studie von Smit et al. eine besondere Rolle gespielt haben könnte. Unter „Allegiance-Effekt“ versteht man, dass Wissenschaftler, die an ihre (Psychotherapie-)methode glauben, infolge ihrer Modelltreue und ihrer Überzeugtheit in einer Studie das Ergebnis erhalten, das in ihr Konzept passt.

Fazit

Die Psychodynamische Langzeittherapie ist bei komplexen psychischen Störungen wirksamer als weniger intensive Therapieformen. Zwar erschien 2012 eine Metaanalyse (Smit et al.), die besagt, dass die Psychodynamische Langzeittherapie keine wesentlichen Vorteile bringt. Gießener Forscher um Falk Leichsenring nahmen diese Studie jedoch unter die Lupe und bekräftigten frühere Ergebnisse, nach denen die Psychodynamische Langzeittherapie bei schwereren Störungen anderen Therapieformen überlegen ist.

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20 Kommentare:

Gast
Gast

Liebe Heilpraktiker,

die evidenzbasierte Medizin ist vor allem deshalb wichtig, weil wir nicht unendlich viele Ressourcen haben und mit den wenigen Mitteln haushalten müssen.
Wir müssen sozusagen die “Treffergenauigkeit” in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung verbessern.
Subjektive Erfahrungen und Beobachtungen (“Meine Methode benötigt weniger Sitzungen”) sind möglicherweise aufgrund vieler Ursachen verfälscht. Wenn jetzt jeder ankommt und “seine” favorisierte Therapie anpreist, gibt es bald kein Geld mehr für die Behandlung von Kranken.
Schon heute machen die psychiatrischen Erkrankungen den Löwenanteil der gesundheitsassoziierten Kosten aus.
Ich hoffe, dass wir auch in zwanzig Jahren noch das nötige Geld haben, um depressive Erkrankungen schnell(er) und effektiv zu behandeln. Allerdings ist auch das Gesundheitswesen am Ende des Tages kein Zauberwald mit Einhörnern, sondern ein durch Politiker und unterschiedliche Interessengruppen zerrissenes “Geschäft” mit riesengroßen Defiziten.

#20 |
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Hauke Fross
Hauke Fross

Mir scheint, dass hier (mal wieder) ein Konfundierungsfehler vorliegt und nicht Therapieverfahren, sondern Therapieintensität und -länge miteinander verglichen werden. Um wirklich belastbare Daten zu erhalten, müsste als notwendige Minimalvoraussetzung schon die psychodynamische Therapie mit dem zu vergleichenden Therapieverfahren bei vergleichbarer Therapiefrequenz und -länge verglichen werden.
Solange dies nicht der Fall ist, sind so starke Aussagen wie „Die Psychodynamische Langzeittherapie ist bei komplexen psychischen Störungen wirksamer als weniger intensive Therapieformen“ oder „Menschen, die an chronischen psychischen Störungen leiden, hilft nur die psychodynamische Langzeittherapie“ wissenschaftlich schlicht falsch.
Andere Aspekte wie eine fehlende Parallelisierung halte ich ebenfalls für kritisch: Es ist kein Geheimnis, dass Patienten mit wirklich schweren Störungen (z.B. komplexe PTBS, Borderline-PS, DIS, Psychose-Erkrankungen…) oft erst gar nicht den Weg in eine psychodynamische Behandlung finden, u.a. weil sie von psychodynamischen, insbes. psychoanalytischen Behandlern gar nicht erst angenommen werden. Die hohen Stundenzahlen erhält somit oftmals ein deutlich weniger gestörtes Klientel (dies ist selbstverständlich keine Kritik am Artikel, sondern am gegenwärtigen System) – und ich denke, dass v.a. in den Stundenzahlen das Geheimnis des Erfolges bei den genannten Störungsbildern (und anderen vergleichbar schweren) liegt, hier gibt es einfach keine gesundheitspolitisch schicke Abkürzung, egal, mit welchem Verfahren.

Würde die Autorin schreiben, dass es „Hinweise darauf“ gibt, dass eine psychodynamische Langzeittherapie bei komplexen psychischen Störungen (wie sind diesen in den Studien definiert?) wirksamer ist, würde ich mir das gefallen lassen; unter diesen Umständen aber halte ich das ja schon für fast unseriös. Das mag nach Haarspalterei meinerseits klingen, jedoch sollte man bedenken, dass solche fehlerhaften Aussagen Konsequenzen nach sich ziehen, und ich denke, dass man von einer Journalistin und angehenden Psychotherapeutin durchaus sowohl mehr Objektivität als auch sprachliche Korrektheit erwarten darf. Möglicherweise unterliegt die Verfasserin als Psychoanalyse-Ausbildungskandidatin hier aber einfach selbst einem „Allegiance-Effekt“?

#19 |
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Eva Callesen
Eva Callesen

Ich habe eine schwere Depression nur knapp mit viel Unterstützung überlebt. Und hätte ich nicht heute – nach 3 Jahren (!) – einige ganz engagierte Therapeuten, die uns als Familie weiterhin immer wieder auffangen und Wege mit uns erarbeiten, damit wir möglichst nicht einknicken: wir wären weg vom Fenster. Meine Kinder sind auf dem Gymnasium, mit viel Tränen und nicht dieser Selbstverständlichkeit, die andere Kinder an den Tag legen, deren Elternhaus stabil ist, aber sie haben weiter den Mut sich durchzubeißen.
Ich habe eine Praxis gegründet, mein Mann kämpft sich gerade recht wacker durch seinen Burn Out – wir haben darin inzwischen viel Erfahrung.
Aber ich gebe zu bedenken: 3 JAHRE Betreuung!

#18 |
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Nutzen und Grenzen der Metaanalysen sind dem Psychotherapieforscher bekannt oder sollten es wenigstens sein. Hier scheint es darum zu gehen, metaanalytisch den Nachweis zu führen: “Ich bin besser!” Dahinter verbirgt sich altes Schulendenken. Moderne Psychotherapeuten arbeiten gemäß definierter Arbeitsprinzipien, z.B. Motivationale Klärung oder Ressourcenaktivierung. Ein prognostisch wichtiger Indikator ist das Pat-Therapeuten-Verhältnis oder die übersituativ genutzten Verhaltensmuster. Der konkreten Methode – meistens ist es das Etikett – kommt ein Vorhersagewert von ca 15 % zu.

#17 |
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Nichtmedizinische Berufe

Statistiken sind etwas feines. Wenn man sie aufstellt. Sie bringen sicher Erkenntnisse. Doch leider haben diese Erkenntnisse einen Nachteil: Sie liefern für Leute, die Entscheidungen über Therapien zu fällen haben, die Grundlage. Dabei ist jeder Mensch individuell. Und jeder Therapeut und jede Therapeutin. Ich habe es am eigenem Leib erlebt. Eine Therapeutin mit 10 bis 15 Leuten in Gruppentherapie für eine 3/4 Stunde. Die Frau hat mich noch kränker gemacht. Und ein ruhiger, gelassener Arzt ohne Stoppuhr, der eine große Hilfe war.

Wir leben leider in einer Welt, wo nur noch Geld zählt. Menschlichkeit ist selten geworden. Und es gibt Leute wie diesen Herrn, der hier bereits einiges an Feedback gefangen haben, die völlig emotionslos scheinbar urteilen.

Ich bin jetzt seit über 10 Jahren an Depressionen, einer gen. Angststörung und soz. Phobie zzgl. Narkolepsie erkrankt. Was mir am besten bisher geholfen hat, dass sind Medikamente. Denn solange die Ursachen für die Erkrankungen nicht abgestellt sind, gibt es keine Heilung. Vielleicht noch durch Stärkung der Resilenz. Aber ansonsten gibt es auch Lebensumstände, die sich einfach nicht ändern lassen. Man kann nicht so einfach den Beruf wechseln, die Einsamkeit vertreiben etc. Man bleibt Patient und wird wohl nie genesen, eher noch kränker werden, da die Lebensumstände auch nicht einfacher werden.

Gerade habe ich einer Klinik abgesagt, die mir für Mitte September signalisiert hatte, dass man mich ab 38.KW aufnehmen würde, im Frühjahr gab es den gleichen Start. Jetzt nach 10 Wochen Wartezeit habe ich abgesagt. Denn ich fing an der Warterei und den daraus resultierenden Problemen an zu leiden. Eine Klinik für psychisch kranke Menschen mit unsensiblem Umgang mit den Patienten. 1,5 Jahre hat das mich insgesamt beschäftigt. Da ist es dann egal ob Kurz- oder Langzeittherapie… man möchte einfach nur Hilfe und findet sie nicht. Oder man trifft auf Gutachter, die mal eben nach vielen Jahren Therapie nur noch 5 Stunden genehmigen. Wie bitte? Eine Kurzzeittherapie nach vielen Jahren Krankheit?

Das System ist krank… Und solche Statistiken sind schlicht überflüssig. Wir brauchen individuelle Hilfe in dem Umfang, der der Situation des Patienten gerecht wird.

Im Übrigen… wäre das tägliche Leben und Erleben nicht von einer immer härter und gnadenloseren Welt geprägt, bräuchten wir weniger Therapie um die Menschen zu heilen, die darunter zerbrechen.

#16 |
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Heilpraktiker Karlheinz Sauer
Heilpraktiker Karlheinz Sauer

Für wen sind solche Vergleiche wichtig?
Es sollte doch der Patient im Vordergrund stehen, da sind leider keine Vergleiche machbar. Kein Patient gleicht dem anderen. Aus diesem Aspekt sollte die Therapie an den jeweiligen Patienten angepasst werden, ob 1 Std oder 100 Std.

Spannend ist die Aussage, “dass Wissenschaftler, die an ihre (Psychotherapie-)methode glauben, infolge ihrer Modelltreue und ihrer Überzeugtheit in einer Studie das Ergebnis erhalten, das in ihr Konzept passt.”

Es besagt doch, das wir als Therapeuten einen sehr starken Einfluss auf die Therapiedauer nehmen können. Es liegt doch dann auch in unserer Verantwortung was wir glauben. Dieses giltet dann auch über die gemachte Studie. Es wird ein- bzw. ausgeschlossen, je nach dem wie die Studie ausgehen soll. Je nach dem was geglaubt wird (langzeit therapien seien besser) dem entsprechend bekommt man das Ergebnis. Im Volksmund wird das fogendermaßen beschrieben “Glaube keiner Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat”
In der Bioresonanz und in der Radionik, (beides wissensschaftlich nicht annerkannt) sind diese Phänomene schon lange bekannt. Dieses wird oft als Placebo beschrieben.
Aber ist es denn nicht auch ein “Placebo” wenn die Studie durch Modelltreue und Überzeugtheit das Ergebnis beeinflusst.
Wir sollten vielmehr die Intuition und die Menschlichkeit in die Therapie mit einfließen lassen, antatt einer Studie die Macht über unserer Therapieform geben.

#15 |
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Medizinphysiker

Die Studien können die Frage, ob die Langzeittherapie für den Patienten gewinnbringender ist als die Kurzzeittherapie nicht eindeutig beantworten. Was für den Therapeuten gewinnbringender ist, ist vermutlich leichter zu beantworten?

#14 |
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Dr. Ezra Pierpaoli
Dr. Ezra Pierpaoli

@Johannes Meyer-Dunker: Ich finde es auch unerhört, was für Weisheiten Sie da von sich geben. Sie haben anscheinend keine Ahnung wie wichtig es ist, bei bei einer schweren Depression möglichst bald mit einer Therapie (Gespräch und medikamentös) zu beginnen.

#13 |
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@Johannes Meyer-Dunker: Ich bin entsetzt, aus dem Munde eines Arztes eine solchen Vorschlag zu hören. Würden Sie einen an einer schweren Depression Leidenden, der Ihre Hilfe sucht, tatsächlich mit der Empfehlung “warten Sie einfach ein paar Monate ab” abspeisen. Sie scheinen keinerlei Vorstellung davon zu haben, Herr Meyer-Dunker, welche Qualen mit einer schweren Depression einhergehen können.
@ Artikel: M.E. bringen die Studienergebnisse für den Einzelnen recht wenig. Gerade eine Psychotherapie ist doch immer eine höchst individuelle Sache und es ist die Kunst eines guten Therapeuten herauszufinden, was gerade diesem einen Patienten hilft und wie lange er wie intensiv begleitet werden muss.
Metaanalysen mögen als Orientierungsmarken ganz sinnvoll, aber jeder Patient gehört individuell therapiert – auch wenn die Praktikabilität (Kassenhürden, Terminengpässe..) oft schwierig.

#12 |
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DP Volker Ramm
DP Volker Ramm

Geht’s nur mir so – ich lese oben einen Absatz doppelt…

Was ich eigentlich anmerken möchte: Vor über 20 Jahren zeigten schon andere rührige Psychoforscher, dass Name und Dauer einer Therapie nicht halb so wichtig sind, wie die jeweiligen Vertreter der Therapie glauben machen möchten…
> Wirkfaktoren der Psychotherapie – spezifische und unspezifische Einflüsse
Efficiency of Psychotherapie: Specific versus Unspecific FactorsB. Bozok , K. -E. Bühler
in: Fortschr Neurol Psychiatr 1988; 56(4): 119-132

Ansonsten ist auch immer erhellend zu schauen – wem die eine oder andere ‘Erkenntnis’ nützt. Das ist in der privatisierten Gesundheitsfürsorge (und auf dem Psychomarkt erst recht) leider nicht unbedingt der Patient…

#11 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

@Johannes Meyer-Dunker

Und wieder jemand, der den Doktor ausm Kaugummiautomaten zu haben scheint.
Zum einen scheinen sie keine Vorstellungen von “komplexen psychischen Störungen” zu haben, wenn Ihnen dazu vorallem Depressionen einfallen.

Zum Anderen ist die Tatsache, dass Depressionen sich von alleine legen KÖNNEN, absolut kein Ausschlussgrund für eine Therapie. 6 Monate Depressionen, vorallem schwerer Natur, können ganze Existenzen bedrohen, und legen sich eben idr. nicht von alleine. Die Depressionen von denen Sie sprechen werden idr. überhaupt nicht behandelt weil die Patienten damit nicht zum Arzt gehen.

Wenn sie also wirklich nahelegen, dass bei schweren Persönlichkeitsstörungen, PTBS u.ä. keine Therapie indiziert ist, gehören Sie mit Schimpf und Schade aus Ihrem Berufsstand geworfen. Unglaublich das sich sojemand Arzt schimpfen darf…

#10 |
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Birgit Wiegand
Birgit Wiegand

Bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen brauche ich v.A. Stunden. Innerhalb der VT arbeite ich mit solchen Patienten schematherapeutisch, inklusive ergänzender Verfahren, je nach individuellem Bedarf, die sich gut integrieren lassen. Sehr hinderlich sind dabei die jeweils zu stellenden Verlängerungsanträge, z.T. für 15 Stunden. “Intensive Therapie” ist bei komplexeren Störungen fast immer notwendig, intensiv kann sein jeder “Therapieschulform” sein, das ist eine Binsenweisheit. Das Stundenkontingent für die VT und die TP muss für komplexere Störungen angehoben werden, ohne das hierfür weitere Antragsverfahren stattfinden müssen. Ebenso müssen de Patienten Gelegenheit haben, wenn Sie stabilisierend vielleicht auch nur 1x im Jahr eine Sitzung benötigen, was langfristig in unterschiedlichen Intervallen sein kann, diese auch adäquat honoriert wird, die Gesprächsziffer tut dies nicht, also beschränken sich viele. Eine Verlängerung bei einer Anpassungsstörung begründen zu müssen mag sinnvoll, zumindest ökonomisch sein, bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ist es überflüssig.

#9 |
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@Herbert Schraps: Das hört sich ja in der Tat verführerisch effektiv an. Aber wo sind die empirischen Belege?

#8 |
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Heilpraktiker

Jede Therapieform versucht “irgendwie” in die unbewusste Gefühlsebene zu gelangen, um dort belastende Gefühle (neuronale Erinnerung- und Handlungssmuster) zu verändern…

Wir gehen direkt in die unbewusste Ebene mittels Gefühlshypnose und wie andere Hypnotherapeuten (arbeiten mit moderner selbstbestimmter Hypnose) benötigen diese sicher wesentlich weniger Therapiesitzungen. Sollte doch manchen alte Hasen der alten Schule zu denken geben.

#7 |
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Dr. med. Christian Heinz
Dr. med. Christian Heinz

100% Zustimmung für den Beitrag der Kollegin Mara-Remy

#6 |
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Es gibt inzwischen einige Studien (Huber et al, Leutzinger-Bohleber et al. die ebenfalls die Überlegenheit von psychodynamischen Langzeittherapien bei Depression nachweisen.

#5 |
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Seltsames Fazit: Die Studien widersprechen einander hinsichtlich der Wirsamkeit der Psychodynamischen Langzeittherapie, trotzdem lautet das Fazit, daß letztere bei komplexen psychischen Störungen wirksamer sind, als weniger intensive Therapieformen.

#4 |
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Dr. med. Johannes Meyer-Dunker
Dr. med. Johannes Meyer-Dunker

Wir wissen alle:
Ein Schnupfen dauert 7 Tage mit Arzt und eine Woche ohne.
Depressionen legen sich oftmals nach drei bis sechs Monaten
auch ohne Therapie.
Schön, wenn selbst 300h Psychotherapie die Selbstheilung
nicht verhindern können.
Wenn die kürzere Behandlung besser als die lange ist, ist dann
vielleicht keine Behandlung am besten?

#3 |
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Gast2013
Gast2013

“Fazit: Die Psychodynamische Langzeittherapie ist bei komplexen psychischen Störungen wirksamer als weniger intensive Therapieformen.”

Da werden Therapieverfahren miteinander verglichen, die nicht miteinander verglichen werden können. Ist die Psychodynamische Therapie an sich wirksamer oder basiert die Effektiität der Psychodynamischen Langzeittherapie auf der Tatsache, dass Analytiker bis zu 300 Therapiestunden bewilligt bekommen, und deshalb intensiver therapieren können, Verhaltenstherapeuten hingegen nur bis zu 80 Stunden? Wie würde das Ergebnis ausfallen, wenn auch Verhaltenstherapien mit bis zu 300 Stunden finanziert werden würden? Und wäre die Psychodynamische Therapie auch dann noch effektiv (bzw. effektiver als andere Therapieverfahren) wenn sie, wie die Verhaltenstherapie, auch nur mit 80 Stunden unterstützt werden würde? Die Studie sagt nichts darüber aus was nun wirkt: Wirkt die Psychodynamische Therapie besser als andere Therapien oder wirkt die Langzeittherapie besser als Kurzzeittherapien?

“Während in ihren Studien das Verhältnis von Langzeit-Psychotherapiesitzungen im Vergleich zur Sitzungsanzahl bei anderen Therapien 1,96 betrug, lag die „Session Ratio“ in der Studie von Smit et al. gerade einmal bei 1,35. Das heißt, die Patienten der LTPP-Gruppen hatten nicht sehr viel mehr Therapiesitzungen erhalten als die Patienten der Kontrollgruppen.”

So, wie in der Smit et al. Studie sollte es auch sein. Wenn man Therapieverfahren miteinander vergleichen möchte, dann sollte auch der Zeitfaktor berücksichtigt werden. Beide zu vergleichenden Therapieverfahren sollten zur gleichen Stundenzahl gemessen und miteinander verglichen werden. Nur so ließe sich eine Aussage darüber machen, was effektiver ist: Verhaltenstherapie oder Psychodynamische Therapie? Langzeittherapie oder Kurzzeittherapie?

Führt mal bitte eine Studie durch, in der auch die Verhaltenstherapie so viele Stunden erhält wie eine Psychodynamische. Nur dann kann man sagen, was wirksamer ist oder ob beide gleich wirksam sind.

#2 |
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Sehr guter Artikel und endlich wird mit der Untersuchung von Leichsenring über die Smit-Studie deutlich, was die Erfahrung des psychodynamischen Behandlers längst gezeigt hat: je tiefgreifender und komplexer die Störung des betroffenen Menschen ist, desto längere Zeit benötigt das Entwickeln funktionalerer Anpassungs- und Bewältigungsmechanismen für die Lebensprobleme im Rahmen einer korrigierenden Beziehungserfahrung.
Oder anders ausgedrückt: Liebe Verfechter krankenkassenorientierter Kurzzeittherapien: nur was lange währt, wird endlich gut.
Dr. Mara Remy-Dörrenberg

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