Kathetern in der Savanne

29. September 2006
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Im Juli 2006 wurde der Verein Herz für Tanzania e.V. gegründet, dessen Ziel es ist, über Spenden ein komplettes Herzkatheterlabor für das Tanzania Heart Institut zu finanzieren. DocCheck fragte einen der Initiatoren, Herrn Prof. Hennersdorf nach Sinn und Zweck der Einrichtung eines Herzzentrums in einem der ärmsten Länder Afrikas.

DocCheck: Herr Hennersdorf, worin liegt Ihre persönliche Motivation, sich für "Herz für Tanzania" zu engagieren?

Hennersdorf: Ich bin pensionierter Kardiologe und war Chefarzt amHerzzentrum in Völklingen. Nach meiner Pensionierung suchte ich nachneuen Aufgaben und fand dabei über SES, dem Senior Expert Service, eineMöglichkeit, mich fachlich weiter zu betätigen. Angefangen habe ich vordrei Jahren.

DocCheck: Warum Tansania?

Hennersdorf: Das ist auf den SES zurückzuführen. Er vermittelte mir denKontakt zum Herzinstitut von Tansania. Ich sollte mein Fachwissen undmeine Kompetenz einbringen. So bin ich 2003 mit zwei anderenSenior-Experten nach Dar es Salaam geflogen und vor Ort tätig geworden.

DocCheck: Wieso haben Sie nun eine eigene Initiative gegründet und nutzen nicht eine bereits etablierte Organisation?

Hennersdorf: Das Herzzentrum in Tansania ist ein einmaliges Projekt,das nicht in das Raster einer großen Hilfsorganisation passt. Imgesamten ostafrikanischen Raum gibt es kein vergleichbares Zentrum. Daswar der Grund, ein eigenes Projekt und damit einen eigenen Verein zugründen. Gegenwärtig arbeiten wir mit 28 Personen. Alle Mitglieder sindÄrzte.

DocCheck: Für das Herzzentrum brauchen Sie qualifiziertesPersonal. Steht Ihnen genügend Fachpersonal zum weiteren Betrieb vorOrt zur Verfügung?

Hennersdorf: In Afrika selbst findet man eine recht gute medizinischeAusbildung vor, das heißt, das Grundpaket an kardiologischem Fachwissenist bereits vorhanden. Der entscheidende Punkt jedoch ist, dass wirversuchen wollen, durch Partnerschaften mit unserem Herzzentrum hier inVölklingen einen personellen Austausch vorzunehmen. Ärzte aus Afrikakommen nach Deutschland, um sich aus- und weiterbilden zu lassen undÄrzte von hier fahren nach Tansania, um ihren Sachverstand einzubringenund Entwicklungsarbeit zu leisten.

DocCheck: Was soll mit den Spenden für den Verein konkret angeschafft werden?

Hennersdorf: Das Zentrum soll eine moderne kardiologische Versorgunganbieten können. Dazu gehört natürlich auch die invasive Kardiologie.Deshalb wollen wir mit den Spendengeldern für Tansania einHerzkatheterlabor kaufen.

DocCheck: Über wie viel Geld reden wir hier?

Hennersdorf: Ein gebrauchtes Katheterlabor kostet 200.000 Euro.Eigentlich sehr günstig, wenn man weiß, dass Katheterlabore hier ab ca.1 Million Euro gehandelt werden. Wir wollen die Hälfte dieser Summe vondeutscher Seite aufbringen, die andere Hälfte soll und muss vonafrikanischer Seite aufgebracht werden.

DocCheck: Wie viel Prozent der notwendigen Spenden haben Sie bereits zusammen?

Hennersdorf: Etwa 10%.

DocCheck: Das heißt, es gibt noch einiges zu tun. Wenn Sie abschließendin einem Satz formulieren müssten, warum die Kollegen hier inDeutschland für das Herzzentrum in Tansania spenden sollen, wie würdedieser lauten?

Hennersdorf: Es lohnt sich, in Afrika ein Herzzentrum aufzubauen, da ineinigen Entwicklungsländern kardiologische Krankheitsbilder bald dieTropenerkrankungen überholen werden.

DocCheck: Vielen Dank für das Gespräch.

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