Prüfungen: Jeder Siebte hat schon gedopt

27. November 2013
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Jeder siebte Schweizer Student hat bereits einmal versucht, seine Leistung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten oder Drogen zu verbessern. Nur bei einer knappen Mehrheit der Befragten trat die gewünschte Wirkung ein, wie eine repräsentative Studie nun zeigt.

Neben Psychostimulanzien wie Ritalin konsumieren Studierende auch sedierende Medikamente, Alkohol oder Cannabis. Diese Substanzen werden meist nur während der Prüfungsvorbereitung eingenommen.

Amerikanische und europäische Studien belegen, dass Studierende verschreibungspflichtige Medikamente oder Drogen zur kognitiven Leistungssteigerung verwenden. Ob auch Schweizer Studierende mit Hirndoping Erfahrung haben und welche Substanzen sie einnehmen, untersuchten Forscher der Universitäten Zürich und Basel. Sie befragten dazu 6.725 Studierende an den Universitäten Zürich und Basel sowie an der ETH Zürich im durchschnittlichen Alter von 23 Jahren.

Mehrheit konsumiert Soft-Enhancer

Knapp 94 Prozent der befragten Studierenden haben bereits von Neuro-Enhancement gehört. 13,8 Prozent dieser Studierenden haben mindestens einmal versucht, mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, legalen oder illegalen Drogen ihre Gehirnleistung im Studium zu verbessern. Am häufigsten wurde Alkohol verwendet (5,6 %), gefolgt von Methylphenidat wie Ritalin (4,1 %), Beruhigungs– und Schlafmitteln (2,7 %), Cannabis (2,5 %), Beta-Blockern (1,2 %), Amphetaminen (0,4 %) und Kokain (0,2 %).

Die befragten Studenten benutzten diese Substanzen vorwiegend während der Prüfungsvorbereitung. Nur selten konsumierten sie stimulierende Substanzen in der Prüfungssituation oder bei allgemeinem Stress im Studium. Tägliches Hirndoping kam selten vor (1,8 %). Die Mehrheit der Befragten konsumierte jedoch „Soft-Enhancer“ wie koffeinhaltige Produkte, rezeptfrei erhältliche Vitaminpräparate oder pflanzliche Beruhigungsmittel vor der letzten großen Prüfung – rund ein Drittel taten dies sogar täglich.

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© Larissa J. Maier, Matthias E. Liechti, Fiona Herzig, Michael P. Schaub

Die Zahl an Hirndopern unter Schweizer Studenten lässt sich mit früheren Studien an europäischen Universitäten vergleichen. „Die vermeintliche Häufigkeit von Neuro-Enhancement an Schweizer Universitäten ist zu relativieren, da wir nach psychoaktiven und beruhigungsfördernden Substanzen gefragt haben“, sagt PD Michael Schaub, Studienleiter und Leiter des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung.

Knappe Mehrheit erzielte gewünschte Wirkung

Grundsätzlich haben fortgeschrittene Studierende, die neben dem Studium noch erwerbstätig sind und über eine höhere Belastung berichten, häufiger leistungssteigernde Substanzen konsumiert. Je nach Studienrichtung zeigen sich gewisse Unterschiede: In der Schweiz haben Studierende der Fächer Architektur (19,6 %), Journalismus (18,2 %), Chemie (17,6 %), Wirtschaft (17,1 %) Medizin (16,2 %) oder Pharmazie (16,1 %) mehr Erfahrung mit Neuro-Enhancement als beispielsweise angehende Mathematiker (8,6 %) oder Sportstudierende (7 %).

Laut der Befragung ist die beabsichtigte Wirkung nur bei einer knappen Mehrheit der Studierenden eingetreten, weshalb auch nur rund die Hälfte diese Substanzen wieder zur Verbesserung der Gehirnleistung einnehmen würde. „Die Entwicklung von Neuro-Enhancement an Schweizer Universitäten gilt es weiter zu beobachten, da es sich bei den Studierenden um eine Risikogruppe handelt, die während des Studiums einem erhöhten Stress und Leistungsdruck ausgesetzt ist. Doch Interventionsbedarf besteht zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, schließt Michael Schaub.

Originalpublikation:

To dope or not to dope: Neu-roenhancement with prescription drugs and drugs of abuse among Swiss university students
Michael P. Schaub et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0077967; 2013

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