Neue Therapie für Rheumahände

13. Oktober 2006
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Wenn Finger und Zehen sich morgens knubbelig und wie "eingerostet" anfühlen, dann könnte dies ein frühes Warnsignal von Gelenkrheuma sein - im schlimmsten Fall von rheumatoider Arthritis. Aktuelle Veröffentlichungen zu neuen Erkenntnissen über Ursachen der Erkrankung, ihre Früherkennung und neue Therapien machen Hoffnung.

Die kraftlosen, verkrüppelten “Rheumahände” müßten eigentlich nichtsein, wenn die Symptome für eine rheumatoide Arthritis (RA) bereits imAnfangsstadium erkannt würden. Denn bei einer frühen Diagnose bestehenlaut Fachärzten durchaus Heilungschancen bzw. eine deutlich bessereTherapierbarkeit.

Die bisherigen Methoden der Früherkennung, wie beispielsweise dieBestimmung der Anticitrullin-Antikörper (CCP) oder die Untersuchungmittels Magnetresonanztomographie(MRT), bieten keine 100prozentige Sicherheit. Diese Probleme soll esbei dem kürzlich publizierten neuen Diagnose-Verfahren nicht mehrgeben. Die gute Nachricht kommt aus dem Universitätsklinikum Jena. Dort wurde vom Rheumaexperten Professor Gert Hein in Zusammenarbeit mit Dr. Joachim Böttcher vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (IDIR) eine Methode der Röntgenbildanalyse entwickelt, die sehr präzise Daten für die Früherkennung von Gelenkrheuma liefert.

Computer analysiert Knochendichte und Gelenkspaltweite

Das Besondere an dem neuen Verfahren ist, dass in einem einzigen Untersuchungsvorgang sowohl die gelenknahe Knochendichteals auch die Gelenkspaltweite gemessen werden. Beide Werte sindwichtige Indikatoren für eine Frühdiagnose der RA. Im Blickpunkt derneuen Diagnosemethode steht die Hand, deren Gelenke normalerweise alserste von der Destruktion betroffen sind. Eine konventionelleRöntgenaufnahme der Hand reicht aus, um darauf aufbauend, d.h., nachdemdas Bild eingescannt wurde, die computer-gestützte Analyse undAuswertung durchzuführen. Voraussetzung ist, dass die Aufnahme einegute Struktur-Qualität hat, damit die speziell entwickelte Softwareeine eindeutige Zuordnung der Referenzpunkte treffen kann. Für dieBestimmung der Osteoporosein Gelenknähe wurde erstmals die Digitale Radiogrammetrie (engl.Digital X-Ray radiogrammetry – DXR) eingesetzt. Die Umsetzung derspeziellen Messtechnik, auch die für die Gelenkspaltweite, warinsgesamt eine zeitaufwändige Sache für die Radiologen um JoachimBöttcher. Es dauerte immerhin fast drei Jahre, bis die neu entwickelteSoftware die heutigen Ergebnisse liefert.

Röntgenbildanalyse in der Testphase

Allerdings, und das ist der Wermutstropfen, fehlen noch mehrErfahrungen, um von Praxistauglichkeit der Diagnosemethode sprechen zukönnen. Die vorliegenden Studienergebnisse sind zwar überzeugend, aberdas Verfahren muss sich noch in der breiten Anwendung bewähren, so derRheumatologe Gert Hein. Bisher lassen sich beispielsweise keineSchlüsse auf rheumatische Krankheitsherde in anderen Gelenken ziehen.Offen ist ebenfalls, in welchem Zeitrahmen von einem frühen Stadium derErkrankung gesprochen werden kann. Handelt es sich um sechs, sechzehnoder mehr Wochen? Eine Frage, die auch Auswirkungen auf diemedikamentöse Therapie haben wird. In Sachen Behandlung gibt esebenfalls neue Ansätze aus einer ganz anderen Richtung. DieZauberformel heißt Exosome.

Rasche Besserung mit Exosomen

Die Funktionsweise der Exosome wurde auf dem diesjährigen Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie von Professor Peter Wehling, Leiter des Zentrums für Molekulare Orthopädievorgestellt. Exosome sind kleine Nanopartikel, die aus körpereigenenweißen Blutkörperchen gewonnen werden und stark entzündungshemmendwirken. Eher durch Zufall wurde bei einer Rheuma-Studie, die PeterWehling gemeinsam mit der Havard-Universität durchgeführt hatte, dieWirkungsweise dieser Partikel entdeckt. Die Forscher fanden heraus,dass die Exosome das gestörte Immunsystem austricksen und dieDestruktion der Gelenkknorpel aufhalten können. Inzwischen wurden 66Patienten am Zentrum für Molekulare Orthopädie mit dieser Therapiebehandelt. “Wir haben eine rasche und deutliche Besserung beobachtet”,so Peter Wehling. Er hofft jetzt, dass die Behandlungskosten bald vonder gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden.

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