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20. Oktober 2006
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Neue molekularbiologische Tests erlauben hochwertige Gesundheits-Checks von zu Hause aus, andere Tools ermNeue molekularbiologische Tests erlauben hochwertige Gesundheits-Checks von zu Hause aus, andere Tools ermöglichen dem Hausarzt Vorsorgeprogramme, die in solcher Qualität bislang nur Unikliniken vorbehalten waren. Für Apotheken in interessanter Markt - viele Kits lassen sich dort erwerben.

Die Nachricht aus Madrid ist genau sechs Monate alt, doch für vieleFachleute immer noch ein brandheißes Thema: Erstmals scheint eineMolekulartestmethode in Form eines nicht-invasives Verfahrens zurBestimmung des Abstoßungs-Risikos bei Herztranplantat-Empfängerngeeignet. Der so genannte AlloMap-Test wird derzeit nur in klinischenLabors getestet. Aber die Methode könnte sich als Meilenstein auf demWeg zu molekulardiagnostischen Verfahren für den mobilen Einsatzerweisen – am Ende dieser Entwicklung stünden hochwertige Testtool-Kitsauch im Apothekerregal.

Der auf der 26. Jahrestagung der International Society for Heart andLung Transplantation (ISHLT) im Frühjahr dieses Jahres in Madridvorgestellte Test übersetzt die komplexen “Alarm-Signale” der Gene undBahnen des Immunsystems , die bei einer Abstoßung von Herztransplantatenentstehen, in ein verwertbares Ergebnis. Erstmals könnenKrankenhausärzte auf diese Weise das Immunsystem frühzeitig überwachen- und das Risiko eines Gewebeschadens identifizieren, bevor dieserauftritt. Dass die Methode tatsächlich funktioniert, belegten die dazuerhobenen Daten einer multizentralen, prospektiven Studie mit dem Titel'Cardiac Allograft Rejection Gene Expression Observational' (CARGO).Derzeit laufen klinische Versuche, um den Wert des AlloMap-Tests beiLungentransplantationen zu untersuchen. Und: Das Unternehmen plantauch, den Nutzen dieser Technologie bei Autoimmunerkrankungen wie Lupusund Morbus Crohn auszuwerten.

Kein Einzelfall. Molekulartests sind auf dem Vormarsch – und vieledavon bereits in den Regalen der Apotheken zu haben. Dabei ist derÜbergang zwischen High-Tech Laboranwendung und Teststreifen für denHausgebrauch fließend.

Erst Piep, dann Pieks – und am Ende die Molekulardiagnose

Bislang freilich kennen Kunden vor allem die Klassiker. DasBlutdruckmessen in der Apotheke kostet mit Preisen um einen Euro nichtnur wenig, es schafft vor allem Vertrauen – und zeigt Patienten, dassdas Warten in überfüllten Arztpraxen nicht immer lohnt. Von diesemersten Schritt zum nächsten ist es dann meist nur ein Katzensprung. Werals Apotheker seinen Kunden erklärt, dass die Messung des Cholesterins,der Leberwerte oder des Blutzuckers mit Hilfe einfacher Bluttestsmöglich ist, gewinnt möglicherweise neue Stammkunden. Immerhin bis zudrei verschiedene Leberwerte lassen sich mit ein bisschen Blut aus derFingerkuppe des Patienten bestimmen – vorausgesetzt, der Apothekerlässt die gleiche Sorgfalt walten wie ein Arzt.

Doch im Vergleich zu dem, was sich am diagnostischen Horizontabzeichnet, sind derartige Untersuchungen eher eine altbackeneVariante. Nahezu unmerklich haben molekulare Diagnose- undFrüherkennungssysteme den medizinischen Alltag erobert. Während in derVergangenheit lediglich Universitätskliniken und eine HandvollPatienten – meist im Rahmen klinischer Studien – von den Vorteilen derbiochemischen Warnsysteme profitierten, erlauben die inzwischenmarktreifen Systeme den Heim- oder Hausarztgebrauch. Der Clou: nahezualle Test-Tools sind für Kunden über ihre Apotheke zu haben, wer sichauskennt, gewinnt wertvolle Zeit.

So können beispielsweise Diabetiker mit einem in Apotheken erhältlichenSchnelltest “beginnende Nierenschäden zu Hause erkennen und somitrechtzeitig ihren Arzt konsultieren”, wie die Schweizer HerstellerfirmaVitest AG verkündet. Der knapp 20 Euro teure Urintest weist selbstgeringe Mengen des Eiweißes Albumin nach, das als Frühindikator fürNierenerkrankungen gilt – und ist Vitest zufolge derzeit der einzigezugelassene Test seiner Art, der zu Hause ausgewertet werden kann.(Vitest Microalbumin)

Für den Do-it-yourself – Patienten scheint der Nutzen erkennbar. Beijedem dritten Diabetiker nämlich kommt es zu schwerwiegendenNierenschäden, wie die sogenannte PROSIT-Studie desUniversitätsklinikums München belegt. Was die Studie auch offenbart:Nur eine Minderheit der diabetischen Patienten lässt den Albuminwertstandardmäßig beim Arzt überprüfen, obwohl sie das könnte.

Schnell und zuverlässig

Die Genauigkeit der Schnelltests kann den anerkannten Labormethodenmehr als nur Paroli bieten. Wer beispielsweise bisher auf herkömmlicheStuhlproben-Untersuchungen zur Früherkennung von Dickdarmkrebs setzteist gut beraten, den Check in Zukunft selbst durchzuführen. Ein seitJuli 2003 in Apotheken erwerbbares System nämlich verspricht85-Prozentige Sicherheit bei der Diagnose – bislang konnten mitherkömmlichen Verfahren lediglich 30 Prozent der Dickdarmkrebsfällerechtzeitig erkannt werden.

Kernstück des neuen Früherkennungs-Kits ist die Bestimmung destumorspezifischen Enzyms Tumor M2-PK in der Stuhlprobe des Patienten.Das Protein ist ein entscheidendes Schlüsselenzym für die Regulationdes Tumorstoffwechsels im menschlichen Körper. Der Schnelltest spürtdas verräterische Enzym auf – selbst Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Adenome, können ab einer bestimmten Größe erfasst werden.

Seine Kunden über solche Fortschritte der Molekulardiagnostikaufzuklären könnte sich für viele Apotheker lohnen – geradepräventivmaßnahmen übernehmen die Kassen der GKV im diagnostischenBereich ohnehin nicht. Wer als Patient in seine Gesundheit investierenwollte musste daher bislang “Igeln” – könnte aber nun seineMolekularchecks mit Hilfe des Apothekers auch selbst in den Griffbekommen.

Bedenken der Ärzte, Verantwortung der Apotheker

Allerdings gilt es einige Klippen zu umschiffen – und hier kommt wiederdas Wissen der Apotheker ins Spiel. Denn viele Selbsttester laufenGefahr, im Falle eines positiven Ergebnisses daraus die falschen – undfatalen – Schlüsse zu ziehen. Wer beispielsweise auf Grund einesErgebnisses im stillen Kämmerlein herauszufinden meint, bei sich eineKrebserkrankung festgestellt zu haben, zieht sich womöglich imschlimmsten Falle zurück – und geht in so einem worst-case Szenarioerst gar nicht mehr zum Arzt. Zwar weisen alle Hersteller in denBeipackzetteln darauf hin, dass der Test keinen Arztbesuch ersetzenkann. Doch wie der Alltag aussieht, wissen Apotheker am besten zuberichten: Die meisten Patienten lesen die Beipackzettel nur flüchtigoder gar nicht.

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