Das Labyrinth des HNO-Arztes

10. November 2006
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Schier unerschöpflich sind die Erkrankungen der Mundhöhle/Rachen, Nase, Ohren, sowie der dazugehörigen Nebenhöhlen. Dementsprechend ist der Beruf des HNO-Arztes bestimmt einer der spannendsten Facharzt-Bereiche, die man sich vorstellen kann. Meint jedenfalls unser heutiger Gesprächspartner...! Wir fühlen dem Beruf auf den Zahn!

Das Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde umfasst die Vorbeugung, Erkennung,konservative und operative Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation vonErkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen, Formveränderungen undTumoren des Ohres, der Nase, der Nasennebenhöhlen, der Mundhöhle, desPharynx und Larynx und von Funktionsstörungen der Sinnesorgane dieserRegionen sowie von Stimm-, Sprach-, Sprech- und Hörstörungen. ImEnglischen wird statt HNO das Kürzel ENT (für "Ears Nose and Throat")verwendet, für die internationale wissenschaftliche Verständigung auchORL für Oto-Rhino-Laryngologie (vom griechischen). Die HNO-Heilkundesieht sich in der Behandlung von Erkrankungen weitgehend derwissenschaftlichen Medizin verbunden; jedoch gelangen auchNaturheilverfahren zur Anwendung.

Interview:
Das Interview haben wir mit dem angehenden Facharzt fürHals-Nasen-Ohrenheilkunde, Herrn Dr. med. Elmar Friedrich, geführt.Herr Dr. Friedrich befindet sich derzeit auf der Suche nach eineminteressanten Ausbildungsplatz zum HNO-Facharzt.
(Dr. Friedrich = Dr. Elmar Friedrich / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Dr. Friedrich, zuerst – wie bei unserenInterviews üblich – die Frage, warum Sie sich gerade für das Fachgebiet"Hals-Nasen-Ohrenheilkunde" entscheiden werden? War das schon immer Ihrliebster Bereich, oder hat sich dieser Wunsch erst spät(er) im Studiumabge-zeichnet?
Dr. Friedrich: Der anatomische Bereich von Hals-Nase-Ohren istwirklich ein sehr spannendes Fachgebiet, da diese "Organe" ja mehr oderweniger eine funktionelle Einheit bilden. Da ich familiär auch einwenig vorbelastet bin (u.a. durch Logopäden und HNO-Ärzte in derdirekten Verwandtschaft), lag dieses Fachgebiet zudem quasi schon einwenig auf der Hand.

MS: Was ist in Ihren Augen der spannendste Aspekt Ihrer Tätigkeit?
Dr. Friedrich: Spannend ist die Vielfalt der Möglichkeiten inder Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Im operativen Bereich tretenmikrochirurgische Operationsverfahren immer mehr in den Vordergrund,insbesondere im Bereich der Mittel- und Innenohrchirurgie, der Nasen-und Nasennebenhöhlenchirurgie, sowie der Endoskopie und derKehlkopfchirurgie.

Dies geschieht jedoch nicht nur im Sinne der anatomischenWiederherstellung, sondern auch im Sinne der Funktionserhaltung,Funktionsverbesserung und posttraumatisch derFunktionswiederherstellung. Auch plastisch-chirurgische Eingriffe imGesichtsbereich, bei Ohrmuschelfehlstellungen und Deformitäten deräußeren Nase (hier insbesondere des knöchernen Nasengerüstes) gehörenheute zu meinem Fachbereich und zu den etablierten Behandlungsmethoden.Auch große Bereiche der Tumorchirurgie des Halses und der Mundhöhlegehören heute zur HNO. Wie man sieht: Ein weites Feld! (lacht!)

MS: Sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
Dr. Friedrich: Hmmm…das kann man eigentlich nur ganz schwerbeantworten, da ich mir über solcherlei Dinge während des Studiumeigentlich noch gar keine Gedanken gemacht habe (was ich vielleichtaber besser hätte machen sollen…). Ich war viel zu sehr damitbeschäftigt, meine Klausuren immer schon zu bestehen und mich auf denStationen nicht allzu sehr zu blamieren. (allgemeines Gelächter!)

MS: Und wie haben Sie denn prinzipiell Ihre Ausbildungszeit empfunden?
Dr. Friedrich: Wie eben schon angedeutet: Anfänglich tut mansich ganz gerne schwer, wenn man zum ersten Mal Verantwortung undeigene Entscheidungen übertragen bekommt. Ich glaube, dass viele jungeÄrztinnen und Ärzte mit solchen Situationen ganz schön überfordertsind. Hier wäre meines Erachtens nach eine frühzeitige "Trainingsphase"schon während des Studiums durchaus angezeigt und wünschenswert. Aber:Man wächst natürlich mit der Zeit an seinen Aufgaben!

MS: Haben Sie für uns Studenten oder junge Ärzte ein paar heiße Tipps, worauf man bei der Ausbildung unbedingt achten sollte?
Dr. Friedrich: So viel wie möglich mitzunehmen (vor allem auchdie Freizeit zu genießen), aber dabei niemals die Familie und anderenInteressen vernachlässigen! Bei aller Liebe zum Beruf!!!

MS: Wie sehen Ihrer Einschätzung nach denn die Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbe-reich "HNO" aus?
Dr. Friedrich: Es gibt sehr viele und sehr spezielleWeiterbildungsmöglichkeiten. Ich persönlich finde zum Beispiel denBereich "Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen" ganz interessant.Auf diesem Gebiet werde ich auf alle Fälle meine Fühler ausstrecken (esgibt hierfür sogar einen eigenen Facharzt-Bereich)!

MS: Herr Dr. Friedrich, wir danken Ihnen herzlich für das interessante Gespräch!

Allgemeine Informationen:

Ausrichtungen/ Schwerpunkte der Ausbildung
Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten in:

  • der Erkennung, konservativen und operativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen einschließlich Funktionsstörungen, Verletzungen, Fehlbildungen, Formveränderungen und Tumoren der Organe der Nase und Nasennebenhöhlen, der Tränen-Nasen-Wege, des Gehör- und Gleichgewichtsorgans, der Hirnnerven, der Lippen, der Wange, der Zunge, des Zungengrunds, des Mundbodens, der Tonsillen, des Rachens, des Kehlkopfes, der oberen Luft- und Speisewege, der Kopfspeicheldrüsen sowie der Oto- und Rhinobasis sowie der Weichteile des Gesichtsschädels und des Halses
  • den umweltbedingten Schädigungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich einschließlich Lärmschwerhörigkeit
  • mikroskopische und endoskopische Untersuchungen, z. B. Rhinoskopie, Sinuskopie, Nasopharyngoskopie, Laryngoskopie, Tracheoskopie, Oesophagoskopie
  • Ventilationsprüfungen, z. B. Rhinomanometrie, Spirometrie, Spirographie
  • den Grundlagen schlafbezogener Atemstörungen und deren operativer Behandlungsmaßnahmen

Aufbau der Ausbildung
60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte – davon können bis zu:

  • 6 Monate im Gebiet Chirurgie oder Pathologie oder in Anästhesiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie oder Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen angerechnet werden
  • 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden

Dauer der Ausbildung
5 Jahre

Arbeitsplätze/ Arbeitgeber

  • Kliniken
  • Praxen
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HNO

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