Richtungswechsel: Medizin studieren ohne Abitur

23. November 2006
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Um Medizin zu studieren muss man klassischerweise die Abiturprüfungen hinter sich lassen - und das am besten mit einer überdurchschnittlichen Note. Doch man kann durchaus auch Arzt werden, wenn man kein Abitur hat - wir verraten, wie es gehen kann.

Ein lange bestehender Schiefstand in der medizinischen Berufswelt ist die Kluft zwischen ärztlichem und nicht ärztlichem Personal. Ärzte sind Abiturienten, die ein akademisch ausgerichtetes Studium absolvieren und sich so von den meisten anderen Berufsgruppen im Medizinbetrieb absetzen, auch wenn im Alltag alle viel voneinander lernen. Nicht selten kommt daher bei ambitionierten Pflegern, Schwestern oder MTAs Unmut auf.

Schließlich kann man unbestreitbar auch ohne Abitur sehr gute Voraussetzungen für den Arztberuf aufweisen – eine schnelle Auffassungsgabe, einen guten Umgang mit Patienten, Talent für medizinische Fertigkeiten und einen guten klinischen Blick. Schade wäre es daher, diesen interessierten und motivierten Menschen den Zugang in den Arztberuf zu versperren.

Erfahrung wird gewürdigt
Nachdem Niedersachsen die Vorreiterrolle gespielt hat und die Universitäten in Göttingen und Mainz den medizinischen Studiengang auch für Nichtabiturienten öffneten, sind in den letzten Jahren nahezu alle Bundesländer nachgezogen. Wie immer gilt im föderalen Deutschland – jedes Bundesland würzt das Süppchen etwas anders – doch das Prinzip ist überall gleich.

Für ein Studium der Medizin ohne Abitur wird in allen Ländern eine abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen Bereich vorausgesetzt. Was den medizinischen Bereich ausmacht, ist im Einzelfall auch länderspezifisch geregelt. Zusätzlich muss man in den meisten Ländern eine gewisse Zeit Berufserfahrung und zertifizierte Fortbildungen nachweisen. Manche Universitäten stellen als weitere Bedingung das Bestehen eines Eignungstests voraus und verlangen auch im Studium zeitgerechtes Bestehen bestimmter Prüfungen.

Wo man welche speziellen Voraussetzungen erfüllen muss, erfährt man am besten auf der Website des Netzwerks "Wege an die Uni ". Dort sind allgemeine Informationen für Nichtabiturienten mit Studienwunsch zusammengetragen und länderspezifische Ansprechpartner aufgeführt. Leicht wird die Sache durch all die Bedingungen nicht unbedingt, aber möglich.

Hat man sich rundum informiert und erfüllt die Voraussetzungen, muss man die Nachweise zusammenstellen und formal einen Antrag bei der jeweiligen Universität oder bei der ZVS stellen. Daraufhin kommt man in das Verfahren für die Studienplatzvergabe und mit ausreichend Engagement und Geduld steht einem Studienstart nichts mehr im Weg.

Die erste Ärztin ohne Abi steht in der Startbahn
Hakima Bourhaial aus Dortmund hat über den Umweg Niedersachsen ins Medizinstudium gefunden. Im letzten Jahr legte sie ihr zweites Staatsexamen ab und bewies somit, dass ein Medizinstudium ohne Abitur erfolgreich sein kann. Die ehemalige Krankenschwester begann vor sechs Jahren und legte im zweiten Staatsexamen eine flotte 1,6 aufs Parkett.

Natürlich ist nicht jedes ohne Abitur begonnene Medizinstudium ein Erfolg, doch Motivation, Entschlossenheit und Fleiß vorausgesetzt ist alles drin. Wer im medizinischen Bereich arbeitet und den Wunsch nach ärztlichen Herausforderungen hegt, sollte nicht zögern, sich zumindest zu informieren. Vielleicht gehören Ärzte ohne Abitur dann bald zum Alltag.

8 Wertungen (5 ø)
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1 Kommentar:

Kurt Knie
Kurt Knie

@ kone:
Hast Du einen mediznische-assistierenden Beruf wie RA oder GKP erlernt? Wenn nicht, wundert es mich, dass Du dir anmaßt diese als 06/15-Jobs vorzuverurteilen…
Momentan ist meine Meinung, dass es Abiturienten gibt, die besser nicht als Arzt am Patienten stehen. In der Pflege gibt es sicherlich einige die als Arzt/Ärztinn geeignet wären. Aber so ist dass doch immer. Mal so ein extrem und mal so ein extrem.
Ich finde die Möglichkeit nicht schlecht, wenn auch die Hürden etwas hoch angesetzt. Generell problematisch finde ich, dass man sich oft schon in der 4 Klasse entscheiden muss ob Gymnasium oder nicht, aber meist erst in der 11/12. Klasse merkt, was man will und dann evtl. doch gerne aufs Gymnasium gegangen wäre. Es geht zwar über den 2. und 3. Bildungsweg dann noch, nur ist bis dato sehr viel Zeit verbraten und es kostet viel Mühe. Gerade die Zeit, die ich im Vergleich zu einem regulären Abiturienten hinten dran bin (in Lebensjahren gesehen), lässt einen doch überlegen, ob man dann erst mit Anfang/Mitte 30 mit dem Studium fertig sein will. Da haben andere schon ihren Facharzt.
Hat jemand Erfahrungswerte, wie solche Kollegen dann später im Alltag und in späteren Jahren von den anderen “normalstudiereten” Ärzten behandelt und anerkannt werden?
Schöne Grüße!

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