Herzinfarkt: Untersuchung mit Spürsinn

21. November 2013
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Eine neue nuklearmedizinische Untersuchung kann gefährliche Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen aufspüren, die einen Herzinfarkt auslösen können. Das Verfahren könnte somit eine schonende Methode zur Identifizierung von Hochrisiko-Patienten darstellen.

Die Untersuchung könnte, nach Einschätzung des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner (BDN), Voraussetzungen schaffen, einen drohenden Herzinfarkt frühzeitig zu erkennen und durch gezielte medikamentöse Behandlung abzuwenden.

In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, für 52.000 endet er tödlich. Der Herzinfarkt steht damit an zweiter Stelle der Todesursachen in Deutschland. „Für den Patienten ist der Herzinfarkt ein akutes Ereignis, doch die zugrunde liegende Koronare Herzkrankheit nimmt meist schon viele Jahre vorher ihren Anfang“, erläutert Professor Dr. med. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des BDN.

Die Grundursache für Herzinfarkte ist die Gefäßverkalkung. Ein ungesunder Lebensstil und erbliche Vorbelastung führen dazu, dass sich in den Blutgefäßen Cholesterin und Fette einlagern. Diese Ablagerungen, Plaques genannt, engen die Herzkranzgefäße zunehmend ein. Gefährlich wird es, wenn die Plaques Kalk einlagern und gewissermaßen verknöchern. Denn spitze Kalkablagerungen können die feine Innenhaut der Gefäße anritzen. Dann bildet sich ein Blutpfropf, der innerhalb von Minuten das Kranzgefäß verstopft. Der Herzmuskel ist von der Blutversorgung abgeschnitten – es kommt zum Infarkt.

Plaques genau orten

Nuklearmediziner aus Schottland haben nun eine Möglichkeit gefunden, wie die Plaques mittels Positronenemissionstomografie (PET) sichtbar gemacht werden können. Für die Untersuchung spritzten die Ärzte eine schwach radioaktiv markierte Substanz, den sogenannten Tracer, in die Venen der Patienten. Nach kurzer Zeit erreicht der Tracer die Herzkranzgefäße, wo er vorübergehend an den Plaques hängenbleibt. „Die schwache radioaktive Strahlung ermöglicht es dem PET-Gerät, die gefährlichen Plaques genau zu orten“, so Moka.

Die Gruppe um Nikhil Joshi vom Forschungszentrum der British Heart Foundation in Edinburgh konnte so Plaques zunächst bei 37 von 40 Patienten nachweisen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Später machten die Forscher Plaques auch bei 18 von 40 Patienten mit Angina pectoris sichtbar. In beiden Gruppen wurde durch eine Herzkatheteruntersuchung bestätigt, dass sich an den im PET angezeigten Stellen tatsächlich eine Plaque befindet. In Laborexperimenten konnte Joshi schließlich belegen, dass die Tracer bevorzugt an fortgeschrittenen Hochrisiko-Plaques binden. „Die Untersuchung zeigt deutlich, ob ein Herzinfarkt bevorsteht“, sagt Detlef Moka.

Wichtige Voraussetzungen geschaffen

Die in Schottland entwickelte PET-Untersuchung ist technisch schon jetzt an Kliniken und bei niedergelassenen Nuklearmedizinern möglich. „Der Tracer musste nicht neu entwickelt werden“, erklärt Moka. „Wir nutzen ihn schon seit Jahren für die Untersuchung des Knochens und in der Krebsdiagnostik.“ Die Substanz ist günstig, ihre Sicherheit erprobt.

Bevor es jedoch Sinn macht, die Untersuchung für Patienten mit Herzbeschwerden einzuführen, sind weitere Studien notwendig. Dort muss auch geprüft werden, ob und welche vorbeugende Behandlung einen Herzinfarkt verhindern kann. Dies könnte durch den Einsatz von Cholesterinsenkern geschehen, die eine weitere Einlagerung von Fetten verhindern, oder durch Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen. „Die neue Untersuchung hat wichtige Voraussetzungen für weitere klinische Studien zur Behandlung dieses gefährlichen Krankheitsbildes geschaffen“, betont Moka.

Originalpublikationen:

18F-fluoride positron emission tomography for identification of ruptured and high-risk coronary atherosclerotic plaques: a prospective clinical trial
Nikhil V. Joshi et al.; The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(13)61754-7; 2013

A new frontier in atherosclerotic coronary imaging
Gregory S. Thomas et al.; The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(13)61911-X; 2013

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Kardiologie, Medizin

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1 Kommentar:

Medizinisch-Technischer Assistent

Was bringen all die schönen neuen Methoden, wenn es Jahre dauert, bis sie von den Kassen übernommen werden. Oder wird es tatsächlich immer schneller in eine “Mehrklassenmedizin” gehen?

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