Schlaf: Hirnstruktur später Chronotypen verändert

21. November 2013
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Zwischen 10 und 20 Prozent der Menschen rechnen sich zu den Frühaufstehern oder Nachteulen. Bisher war ungeklärt, ob und gegebenenfalls welche physiologischen Merkmale den Personen mit ausgeprägten Lebensrhythmen zuzuordnen sind.

Um fünf Uhr früh bereits joggen oder erst ins Bett fallen: Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich konnten nun erstmals nachweisen, dass bei sehr nachtaktiven Menschen, den sogenannten „extrem späten Chronotypen“, die Signalübertragung in den Nervenfasern in bestimmten Hirnarealen verändert ist.

Hirnareale für die kognitiven Leistungen betroffen

Zu diesem Ergebnis gelangen Forscher um Dr. Jessica Rosenberg vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Physik der Medizinischen Bildgebung. Sie hatten mit einer speziellen Technik im Kernspintomografen (Diffusion-Tension-Imaging) bei frühen, normalen und späten Chronotypen die Signalübertragungen in der weißen Hirnsubstanz gemessen. Die weiße Hirnsubstanz besteht vor allem aus Nervenfasern, die für den effizienten Weitertransport von Informationen im Gehirn zuständig sind. Die so erhaltenen Daten verglichen die Forscher mit den strukturellen MRT-Hirnaufnahmen der Probanden. „Es zeigte sich, dass bei den seltenen, sehr nachtaktiven Menschen, die erst im Morgengrauen einschlafen können, die Signalübertragung im Gehirn verändert ist, zum Beispiel in Hirnarealen unterhalb des Frontal– und Temporallappens oder dem anteriorem cingulären Gyrus“, erläutert Jessica Rosenberg. Diese Hirnareale sind unter anderem bei kognitiven Leistungen wie etwa beim Lernen, Sprechen oder Erinnern aktiv. „In diesen Bereichen sehen wir de facto erstmals einen physischen Unterschied in der Hirnstruktur. Ob die Resultate Ursache oder Folge der ausgeprägten Nachtaktivität sind, müssen allerdings nachfolgende Studien zeigen.“

Extrem späte und extrem frühe Chronotypen leiten Signale in der weißen Hirnsubstanz in einigen Arealen (blau und rot markiert) unterschiedlich stark © Forschungszentrum Jülich

Extrem späte und extrem frühe Chronotypen leiten Signale in der weißen Hirnsubstanz in einigen Arealen (blau und rot markiert) unterschiedlich stark
© Forschungszentrum Jülich

 Nachteulen leiden häufiger unter Schlafstörungen oder Depressionen

Interessant sind diese Untersuchungen auch vor dem wissenschaftlich belegten Hintergrund, dass ausgeprägte Nachteulen häufiger unter Schlafstörungen oder Depressionen leiden als die beiden anderen Chronotypen. Ob dieser Befund mit den aktuellen Jülicher Forschungsergebnissen zusammenhängt, muss noch untersucht werden. „Jeder Mensch hat eine eigene innere biologische Uhr, die festlegt, zu welcher Zeit das Leistungsvermögen am höchsten ist beziehungsweise wann der Wunsch zu schlafen entsteht“, erläutert Rosenberg. Kollidieren diese individuellen Bedürfnisse beispielsweise mit den Arbeitszeiten, reagiert der Körper darauf gestresst: „Das dauernde Schlafdefizit eines späten Chronotypen lässt sich mit einem chronischen Jetlag vergleichen“, so die Wissenschaftlerin. Diese Belastung erkläre möglicherweise auch, warum sehr nachtaktive Menschen zu mehr Alkohol und Zigaretten als Frühaufsteher oder Menschen mit einem normalen Tag-/ Nachtrhythmus tendierten. Experten empfehlen Menschen, deren Schlafrhythmus nicht zu ihren Arbeitszeiten passt, an freien Tagen das zwangsläufig entstehende Schlafdefizit durch langes Ausschlafen zu kompensieren. In Extremfällen kann auch eine professionelle Lichttherapie unterstützen, mit deren Hilfe die individuellen Phasen künstlich verschoben werden.

Originalpublikation:

“Early to bed, early to rise”: Diffusion tensor imaging identifies chronotype-specificity
Jessica Rosenberg et al.; NeuroImage, doi: 10.1016/j.neuroimage.2013.07.086, 2013

46 Wertungen (4.41 ø)

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3 Kommentare:

Ernst Pawlowsky
Ernst Pawlowsky

“deren Schlafrhythmus nicht zu ihren Arbeitszeiten passt”
vielleicht sollte man sich doch einfach mal an die Arbeit anpassen, statt an was auch immer. So ein bisschen hat das auch mit Selbstdisziplin zu tun.
Und da tut sich z. Bsp. unsere Jugend besonders schwer, wenn sie cool bis in die frühen Morgenstunden feiert / meint feiern zu müssen, möglichst mit Hilfe von Energiedrinks. Und dann in der schule konzentrationsschwächen hat oder sogar schläft.
Der Neurologe und Psychologe Braasch hat schon vor vielen Jahren die Thematik Eule und Lerche eingehender untersucht ( Buch “Nutze Deine besten Stunden” ) und kam zu dem Ergebnis, daß der jeweilige Schlafrhythmus an keine absolut festen Zeiten gebunden ist. Das kann ich aus eigener Erfahrung 100 % bestätigen: selbst eher Lerche, also putzmunter nach dem Aufwachen, hatte ich je nach Arbeitszeiten Lebensphasen, in denen ich von 22 bis 6 Uhr schlief, genauso aber auch Phasen, in denen ich von 24 bis 8 Uhr schlief. Nur ein schneller Wechsel ist heikel.
Und Braasch führt dann sogar noch aus, daß es ein qualitatives und ein quantitatives Schlafdefizit gibt, je nachdem, in welchem Umfang die Tiefschlafphasen vom Schlafmangel betroffen sind.

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Dr. med. Michael Traub
Dr. med. Michael Traub

Was passiert, wenn es so abläuft wie bei mir: bis zum 35. Lebensjahr
eine extreme Nachteule, ist es seither umgekehrt (bin jetzt 67)… ??

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Viola Heins
Viola Heins

“Ob die Resultate Ursache oder Folge der ausgeprägten Nachtaktivität sind, müssen allerdings nachfolgende Studien zeigen.“

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, wenn zwei Dinge gemeinsam auftreten: Sie können eine gemeinsame Ursache haben.
Wer Scheuklappen aufsetzt, bekommt entsprechende Ergebnisse.

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