Klare Sicht: Die Augenheilkunde

7. Dezember 2006
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Gäbe es eine Umfrage unter der Bevölkerung, welches wohl ihr wichtigster und unverzichtbarster Sinn sei, wäre mit größter Wahrscheinlichkeit die Aussage, dass dies der Sehsinn sei. Tatsächlich verlaufen unglaublich viele Eindrücke auf den berühmten "ersten Blick". Grund genug für uns, den damit verbundenen Facharzt für Euch unter die Lupe zu nehmen!

Das Gebiet Augenheilkunde umfasst die Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation der anatomischen und funktionellen Veränderungen des Sehorgans und seiner Adnexe einschließlich der Optometrie und der plastischrekonstruktiven Operationen in der Periorbitalregion.
Die Augenheilkunde zählt zu den chirurgischen Disziplinen, obwohl ihr zahlreiche, wirksame und hochentwickelte Medikamente und Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Mit der Operation der Katarakt (des Grauen Stars) stellt die Augenheilkunde die meist durchgeführte und in der Summe kostenträchtigste Operation der Medizin weltweit.

Interview:
Das Interview haben wir mit Herrn Dr. med. Daniel Brandt geführt, der sich derzeit in seiner Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde befindet. Herr Dr. Brandt leistet gerade seine Pflichtstunden im ambulanten Bereich ab.
(Dr. Brandt = Dr. Daniel Brandt / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Dr. Brandt, Sie befinden Sich seit knapp drei Jahren in der Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Facharztbereich auszuwählen?
Dr. Brandt: Ich bin – ganz unromantisch! – mehr durch Zufall in diesem Bereich gelandet. Bei einem Praktikum während meines Studiums, welches ich in einer Augenklinik absolvierte, fing ich quasi Feuer für diesen Fachbereich.

MS: Und was hat sie gerade an dieser Tätigkeit so fasziniert, dass sie später "hängen geblieben" sind?
Dr. Brandt: Die Augenheilkunde – und hier vor allem der chirurgische Bereich – erfordert ein sehr konzentriertes und handwerklich äußerst präzises Arbeiten. Das hat mir schon immer sehr gelegen. Zudem ist der Bereich "Augenheilkunde" ein auf den ersten Blick zwar sehr eng gefasster Bereich, was aber so nicht stimmt: Es bestehen sehr enge Beziehungen zur Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, zur Dermatologie und zur Neurologie. Wegen der häufigen Mitbeteiligung des Auges an Allgemeinerkrankungen und der Möglichkeit, mikroskopische Untersuchungen an lebendem Gewebe vorzunehmen, werden ophthalmologische Befunde zudem häufig zur Diagnosefindung für die Innere Medizin herangezogen.

MS: Das ist interessant! Nächste Frage: Sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
Dr. Brandt: Durch die angesprochenen Praktika und auch die Zeit nach der Uni, wo ich ja doch viele Stunden auf Augenheilkunde-Stationen verbracht habe, konnte ich schon einen gewissen Eindruck von dem erhalten, was später einmal auf mich zukommen würde. Was mich nach wie vor erschüttert, ist die viele, viele Zeit, die in den Praxen durch die zum Teil unsinnige Bürokratie und Schreibarbeit vergeudet wird (und später oftmals beim Patienten fehlt). Das sieht man natürlich während des Studiums noch nicht!

MS: Wie haben Sie denn prinzipiell Ihre Studienzeit empfunden? Und wie empfinden Sie jetzt Ihre Ausbildung?
Dr. Brandt: Ich war zunächst an der Uni Heidelberg und habe zum klinischen Abschnitt (familiär bedingt) an die Uni Freiburg gewechselt. Diese Entscheidung (wenn auch aufgezwungen) habe ich nie bereut, da Freiburg und Umgebung einfach wunderschön ist! Ein angenehmes Ambiente ist – gerade beim Medizinstudium – ganz wichtig!
Derzeit arbeite ich unter sehr guten und kollegialen Professoren und Fachärzten, die mir meine Ausbildung doch sehr angenehm gestalten. Ich habe viel Eigenverantwortung und habe meinen festen Platz im Team gefunden. Mein Tipp: Learning by doing ist nicht nur eine hohle Floskel! So viel selbst machen wie möglich – und: Fragen, fragen, fragen! Das sind die Schlüssel zum Erfolg!

MS: Letzte Frage: Wie sieht es denn mit den Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich "Augenheilkunde" aus?
Dr. Brandt: Interessante Fachbereiche wie z.B. die Sport- und Verkehrsopthalmologie oder das wohlbekannte (und nicht ganz unumstrittene) Gebiet der Lasertechnik und -korrektur (laserchirurgische Eingriffe) bieten eine Fülle von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Langweilig wird es dem interessierten und engagierten Augenarzt also so schnell nicht! (lacht!)

MS: Herr Dr. Brandt – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

 

Allgemeine Informationen

Ausrichtungen / Schwerpunkte der Ausbildung:

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • der Erkennung, konservativen und operativen Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen, Funktionsstörungen, Verletzungen und Komplikationen des Sehorgans, der Sehbahn und der Hirnnerven
  • der Erhebung optometrischer Befunde und der Bestimmung und Verordnung von Sehhilfen einschließlich Anpassung von Kontaktlinsen und vergrößernden Sehhilfen sowie Indikationsstellung für refraktivchirurgische Verfahren
  • der Erkennung und Behandlung nicht paretischer und paretischer Stellungs- und Bewegungsstörungen der Augen, der okulären Kopfzwangshaltungen und des Nystagmus
  • ophthalmologische Untersuchungstechniken, z. B. Spaltlampe, Gonioskopie und Opthalmoskopie, Perimetrie, Bestimmung des Farb- und Lichtsinns, Augeninnendruckmessung
  • Katarakt-, Glaukom-, Amotiooperationen, Vitrektomien, Enukleationen, Keratoplastik, plastischrekonstruktive Eingriffe

Aufbau der Ausbildung:

60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte davon können bis zu 36 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Dauer der Ausbildung:

5 Jahre

Arbeitsplätze / Arbeitgeber:

  • Kliniken
  • Ambulante Bereiche / Praxen
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