„Landarztquote“: An den Ursachen vorbei

20. November 2013
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Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und der Sprecherrat der Medizinstudierenden im Marburger Bund (MB) appellieren nun an Union und SPD, in den Koalitionsverhandlungen keine sogenannte "Landarztquote" zu vereinbaren.

Zuletzt hatten CDU und CSU in ihrem Wahlprogramm gefordert, bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen verstärkt Bewerber zu berücksichtigen, die sich dazu verpflichten, nach ihrem Medizinstudium in einer unterversorgten Region zu arbeiten. „Die Landarztquote ist ein ungeeignetes Mittel, um den Mangel an Ärztinnen und Ärzten in ländlichen Regionen zu bekämpfen“, so Jonathan Schütze, Präsident der bvmd. „Betroffene Medizinstudierende müssten somit noch vor Beginn ihres Studiums und lange vor Beginn ihrer ärztlichen Tätigkeit eine Entscheidung über ihren späteren Arbeitsort treffen, ohne dass persönliche Umstände und Lebensentscheidungen, aber auch Präferenzen für eine spätere Facharztweiterbildung ausreichend berücksichtigt werden können. Dies halten wir für eine völlig unangemessene Einschränkung der persönlichen Entscheidungsfreiheit der Studierenden.“

Abwertung des Berufsbildes

Darüber hinaus könne die Quote, so die bvmd-Verantwortlichen, in der öffentlichen Wahrnehmung leicht als eine Abwertung des Berufsbildes interpretiert werden, was die Attraktivität einer landärztlichen Tätigkeit noch weiter senken könne. „Medizinstudierende dürfen nicht zu einer bestimmten ärztlichen Tätigkeit gezwungen werden“, ergänzt Jan Bauer, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund. „Eine Landarztquote würde aber genau solch einen Zwang darstellen. Vor allem geht sie an den Ursachen des Problems völlig vorbei. Die Gründe, warum Medizinstudierende immer seltener in ländlichen Regionen arbeiten, sind vielfältig und reichen von ungünstigen Arbeits- und Niederlassungsbedingungen auf dem Land bis hin zu Fragen der grundsätzlichen Lebensbedingungen vor Ort.”

Zudem hätten Studien zur ärztlichen Berufswahl und auch die großen Mitgliederbefragungen des Marburger Bundes ergeben, dass angehenden Ärzten vor allem eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf, eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit, mehr Teamarbeit und ein Abbau von bürokratischen Hindernissen im Hinblick auf die Niederlassung wichtig sei.

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