Traumfigur per Laserscan

15. Januar 2007
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Pünktlich zum Ende der Weihnachtszeit erreicht uns Nachricht über zwei bahnbrechend neue Ansätze zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie. Eine Darmdesinfektion macht selbst hartgesottene Burger-Maniacs wieder rank und schlank. Und wenn das auch nicht hilft, geht's ab zum Anti-Fett-Laser "to go".

Rein energetisch gesehen ist die physiologische Grundlage allen Übergewichts die Tatsache, dass bei übergewichtigen Menschen mehr Kalorien rein kommen als verbrannt werden. Wer diese simple Wahrheit weiter denkt, kommt ganz zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass nur abnimmt, wer entweder mehr verbrennt, sprich sich mehr bewegt, oder aber weniger Kalorien rein lässt. Dieser letzte Ansatz ist im Volksmund unter dem wenig schmeichelhaften Kürzel "FDH" bekannt: "friss die Hälfte".

 

 

 

 

It's the bacteria, stupid!

Dass "FDH" arg minimalistisch gedacht ist, zeigen jetzt Wissenschaftler der Universität Washington. Anhand von Mausexperimenten konnten sie demonstrieren, dass die Nahrungsaufnahme keineswegs die alleinige Determinante dafür ist, wie viele Kalorien ein Körper zu sich nimmt. Diese Erkenntnis entspricht wiederum der Wahrnehmung der meisten Übergewichtigen, die besagt, dass es Menschen gibt, die so viele Burger in sich reinschaufeln können, wie sie wollen, ohne dadurch auch nur ein Gramm zuzulegen. Was die US-amerikanischen Forscher in ihrer in der Zeitschrift PNAS publizierten Arbeit jetzt liefern, sind mögliche Schuldige für dieses Phänomen. Es sind weder die Gene noch irgendwelche Stoffwechselbesonderheiten. Es sind die Darmbakterien. "Der distale Darm des Menschen kann als ein anaerober Bioreaktor angesehen werden", sagt Fredrik Bäckheld vom universitären Center for Genome Sciences. In diesem Reaktor tummeln sich einige Billionen Mikroorganismen, die sich dort nicht nur vermehren, sondern auch noch metabolisch aktiv sind. Was das für den individuellen Energiestoffwechsel bedeuten kann, konnten die US-Forscher in Experimenten mit so genannten GF-Mäusen zeigen. "GF" steht dabei für "germ-free", also keimfrei. "Keimfreie" Mäuse werden so aufgezogen, dass ihr Gedärm frei von Mikroorganismen bleibt. Werden diese Mäuse mit einer für die westliche Welt typischen Diät gefüttert, die reich ist an Fetten und Kohlenhydraten, dann tut sich bei ihrem Körpergewicht rein gar nichts. Ihre konventionell aufgezogenen Artgenossen mit lebhafter Darmbesiedelung dagegen gehen bei dieser Diät auf wie Hefeklopse.

Antibiotikaprophylaxe gegen Übergewicht?

Die Wissenschaftler haben einige Mühe darauf verbracht, heraus zu finden, was der biochemische Grund für diesen dramatischen Unterschied sein könnte. Offensichtlich gibt es mehrere Erklärungen, die wahrscheinlich ineinander greifen. Gemeinsamer Nenner ist, dass durch die metabolische Aktivität der Darmbakterien vermehrt Glucose und kurzkettige Fettsäuren werden in der Leber in Speicherfett eingebaut, dass sich in den Adipocyten ablagert. Gleichzeitig scheinen die Darmbakterien im Darm die Zuckerausbeute zu erhöhen, vor allem indem sie pflanzliche Polysaccharide zerlegen und diese der Resorption zugänglich machen. Besonders interessant werden die Beobachtungen dadurch, dass zumindest einige der von den Bakterien beeinflussten Stoffwechselwege, die einer Adipositas bei "keimfreien" Mäusen entgegen wirken, von der Evolution konserviert wurden und in praktisch allen Organismen inklusiven dem Menschen genau so vorkommen. Inwieweit sich die Arbeit der US-Forscher in neuen Therapieansätzen niederschlägt, bleibt abzuwarten. "Vancomycin oral", eine gängige Strategie zur Darmdekontamination bei antibiotikaassoziierter Kolitis, dürfte unter Internisten als Abnehmhilfe jedenfalls nicht besonders mehrheitsfähig sein.Aber es gibt ja auch noch ein paar andere Ansätze. Laser zum Beispiel. Hilft bekanntlich gegen alles, warum also nicht gegen Adipositas? Wie wäre es, wenn wir nach einer kulinarisch exzessiven Weihnachtszeit künftig auf dem Weg von der Arbeit nach Hause nicht nur im Solarium vorbeischauten, sondern gleich noch durch einen Laserbogen wandelten, der uns überschüssiger Fettreserven entledigte? Ideal platziert wäre dieser Laserbogen am Eingang der Filialen von Bekleidungshäusern, damit hinterher gleich die neue Garderobe erworben werden kann. Professor Rox Anderson von der Harvard-Universität in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts hat ein Werkzeug im Programm, das sich in diese Richtung entwickeln könnte. Auf der Jahrestagung der American Society of Laser Medicine im vergangenen Jahr präsentierte er einen Laser, dessen Lichtspektrum so gewählt war, dass er selektiv subkutan gelegene Zellen in die Apoptose trieb, ohne das darüber liegende Gewebe zu schädigen. Primär möchte Anderson damit Teenagern über ihre Akneprobleme hinweg helfen, indem er die seborrhoischen Drüsen weg lasert. Das Fernziel aber ist eindeutig der Fett weg-Laser. Anderson: "Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass das möglich sein könnte, wenn wir das richtige Spektrum wählen. Was wir uns vorstellen, ist eine Art fettsuchender Laser, und wir bewegen uns klar in diese Richtung."

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