Die Männerfalle

19. Januar 2007
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Es ist an der Zeit, mit der total irrigen Vorstellung aufzuräumen, die da heißt: Mann kann immer - es sei denn, dass Krankheit oder Hormonmangel ihn daran hindern. Weit gefehlt. Das starke Geschlecht ist gar nicht so stark, sondern schlichtweg überfordert mit der zwanghaften Vorstellung der selbstgesetzten Rollenerwartung. Davon ist zumindest ein "Männerarzt" aus Österreich überzeugt.

War da nicht schon vor Jahrzehnten ein Buch, das die Frauen- und Männerwelt gleichermaßen erschütterte? Esthar Vilars “Der dressierte Mann” könnte eventuell auch zur Hauslektüre von Dr. Georg Pfau gezählt haben. Denn der selbsternannte Männerarzt aus Linz untermauert seine These der männlichen Sexprobleme u.a. mit einer Neudefinition der Geschlechterrollen. Die Folge sei eine beiderseitige Verunsicherung, bei der vor allem die Männer den Spagat zwischen Hausmann und feurigem Liebhaber immer schlechter schaffen. Der Erwartungsdruck, dass Erektion, Penetration und Orgasmus immer wie am Schnürchen klappen müssen, führe verständlicherweise zu Versagensängsten. Eine Sichtweise, die bisher eher selten von Frauen so realisiert wird. Typisch männlich sei dabei, so die Erfahrungen von Dr. Pfau, lieber auf Sex zu verzichten, als sich den Ängsten zu stellen. Das klingt für die weibliche Intuition schon wieder nachvollziehbar.

“Männerarzt” als Pendant zum Frauenarzt?

Auf der Internetseite von Dr. Pfau erfährt man, dass er Arzt für Allgemeinmedizin, Fliegerarzt, Männerarzt und Sexualmediziner in Ausbildung ist. Den Begriff “Männerarzt”, als Pendant zum Frauenarzt, gibt es offiziell weder in Österreich noch in Deutschland. Allerdings stellt Jenapharm, Anbieter von Testovital, eine Seite zur Verfügung, in der sich rund 1.565 Männerärztinnen/Männerärzte eingetragen haben. Mit seiner ersten ausgewiesenen “Männerarztpraxis” dürfte Dr. Pfau zu den Pionieren im deutschsprachigen Raum zählen. Die Frage drängt sich allerdings auf, ob das starke Geschlecht bei der Namenswahl nicht automatisch an den gynäkologischen Stuhl denkt und daher vorzieht, lieber zum Urologen oder Andrologen zu gehen. Oder beispielsweise zum Hamburger Institut für Männergesundheit, um die Palette der möglichen Anlaufstellen zu komplettieren.

Sex ohne Erektion

Die Website von Dr. Pfau ist ansonsten sehr rührend um Aufklärung bemüht. Das Wort “Orgasmus” kommt allerdings nicht vor, dafür um so häufiger Liebe, Zuneigung, Lust, Vertrauen und eine Erklärung, weshalb Sex auch ohne den Willen zur Reproduktion seine Berechtigung hat. In diesen Kontext passt auch sein Behandlungsziel, befriedigenden Sex auch ohne Erektion zu haben. Aus seiner Sicht lösen Tabletten meist nur vordergründig die Angst vor erektiler Dysfunktion, vor allem, wenn es sich um ein partnerschaftliches Problem handelt. Und das sei einer der meisten Gründe bei Versagensangst. In diesem Punkt muss man ihm Recht geben.

Online-Test zu sexuellen Wünschen

Eine Therapie der ganz anderen Art bietet der Online-Test zu mehr Lust auf Sex in der Partnerschaft. Entwickelt wurde die Lebenshilfe von Göttinger Wissenschaftlern der Georg-August-Universität. In einer Studie wiesen sie nach, dass das anonyme Internet-Angebot zu einer Verbesserung des Sexuallebens beigetragen hat. Die Paare, die sich zu Beginn der Studie unzufrieden zu ihrem Sexualleben äußerten, hatten nach einem Zeitraum von sechs Wochen die Häufigkeit des praktizierten Liebesakts verdoppelt. “Wir verstehen unser Angebot als niederschwellige psychologische Hilfe, ohne Einbeziehung eines Therapeuten wieder mehr Lust zu entwickeln und mit den Vorstellungen des Partners besser umzugehen”, so der an der Studie beteiligte Psychologe Dr. Peter Breuer.

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