Medizinstudium in Heidelberg

25. Januar 2007
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Heidelberg zählt zweifelsfrei zu den schönsten Städten Deutschlands. Auch genießt die Universität (immer noch) hierzulande und international einen wirklich ganz hervorragenden Ruf - kaum eine andere akademische Karriere kann die Kombination "Medizinstudium in Heidelberg" toppen.

Spätestens seit dem deutschen Kinoerfolg "Anatomie" weiß jeder, wie man sich das Medizinstudium (zumindest den Anatomie- und Präpkurs) in Heidelberg vorzustellen hat: Sexy Studentinnen und Studenten werkeln in schicken blauen Kitteln in wahnsinnig aufregenden Gebäuden und in fragwürdiger Manier an toten Menschen herum. Das studentische Uni-Leben spielt sich dabei vorwiegend in der pittoresken Altstadt ab; man wandelt durch stilvolle alte Häuser und trinkt mittags in gemütlichen Kneipen ein Bierchen. Die Filmemacher werden dabei schon gewusst haben, warum sie das Medizinstudium nicht an seinem Originalschauplatz gedreht haben…!
Der Neuankömmling wird nämlich sehr bald merken, dass es in Heidelberg zwar wirklich eine herrliche Altstadt mit wunderschönen Plätzen und uralten Kneipen in Massen gibt – wir Medizinstudenten haben aber nie Unterricht in der Altstadt, sondern verbringen unsere Zeit auf der anderen Seite des Neckars auf einem riesigen Campus, welcher aus gigantischen Betonklötzen besteht: dem sogenannten "Neuenheimer Feld"!

Reformstudiengang
Heidelberg bietet seit einigen Jahren, wie etliche andere Universitäten auch, eine Art "reformierte" Version des Studiums an. Das bedeutet, dass zum Beispiel in der Vorklinik gewisse Fächer in einem "integrierten Block" zusammengefasst und geprüft werden. So bilden beispielsweise die Fächer Histologie, Biochemie, Zellphysiologie, Humangenetik (Einführung) und Mikrobiologie im zweiten Semester eine Einheit, welche in kombinierten Vorlesungen behandelt, und am Semesterende in einer integrierten Klausur abgefragt wird. Dies alles führt zu einem einzelnen Schein des "Praktikums der Biologie für Mediziner". Viele halten diese Vorgehensweise für sinnvoll, da fächerübergreifend und sehr verzahnend die einzelnen Punkte behandelt werden – andere wiederum würden gerne die Themen Fach für Fach abhaken und bescheinigt bekommen. Problem ist nämlich: Wenn man in einem Gebiet zwar gut ist, aber das andere schleifen lässt, bringt man damit den gesamten Schein in Gefahr.
Wichtig für Studienortwechsler: Informiert Euch bitte rechtzeitig, welche Scheine Euch in welcher Form in Heidelberg anerkannt und angerechnet werden. In Heidelberg findet zum Beispiel die gesamte (!) makroskopische Anatomie bereits im ersten Semester statt, auf deren Schein sämtliche integrierte Folgekurse basieren. Wenn Euch da also im zweiten oder dritten Semester an Eurer Uni noch etwas fehlen sollte, geht es für Euch bei einem Wechsel nach HD unter Umständen wieder im ersten Semester los! Vorsicht!

Qualität des Studiums
Der bereits angesprochene hervorragende Ruf der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg (der nicht zuletzt zur Folge hat, dass sehr viele Leute hier studieren möchten) ist eine sehr ambivalente Angelegenheit.
Einerseits kann die Uni tatsächlich mit guten bis sehr guten Dozenten glänzen – andererseits bestätigen aber auch hier natürlich die unrühmlichen Ausnahmen die Regel (Namen kann und darf ich zum Eigenschutz nicht preisgeben! ☺ ).

Teilweise kleine bis gut überschaubare Gruppengrößen in den Praktika gewährleisten für den Einzelnen eine angemessene Möglichkeit zum persönlichen Einbringen und Verfolgen des Geschehens. Die Gebäude im "Neuenheimer Feld" sind – wie bereits erwähnt – von außen eine Sünde der Sechziger und Siebziger Jahre; die Hörsäle, Praktikums- und Seminarräume können von innen jedoch sicherlich den gängigen Ansprüchen genügen. Gleiches gilt für die diversen Gerätschaften in den Praktika: Man merkt, dass überall gespart werden muss, und es beispielsweise sicherlich seit über zehn Jahren neuere und bessere Mikroskope gibt – die Dinge erfüllen aber allesamt ihren Zweck und sollten keinen großen Grund zur Beanstandung bieten.
Die Studentensekretariate der diversen Institute sind – meines Wissens und meinen persönlichen Erfahrungen und Begegnungen nach – durchweg mit hilfsbereiten und freundlichen bis sehr netten Damen besetzt. Gleiches gilt für das Studentendekanat. Mir persönlich ist jedenfalls kein Fall bekannt, bei welchem mit sachlichen und netten Diskussionen keine Lösung zugunsten des/der Student/in gefunden wurde.

Das allgemeine Niveau an der Universität in Heidelberg würde ich persönlich als hoch bis sehr hoch einstufen. Das mag für den ein oder anderen anfänglich eine enorme Herausforderung darstellen (und hat nicht selten schon zu bitteren Tränen nach Klausuren geführt!) – wenn man sich jedoch nicht vom allgemeinen Wahnsinn und Stress unter den Kommilitonen anstecken lässt, findet man sehr schnell heraus, dass auch in Heidelberg nur mit Wasser gekocht wird. Spätestens zum 1. Staatsexamen (früher "Physikum") stellt sich nämlich heraus, dass das frühzeitige Antrainieren der Stoffbewältigung einen äußerst positiven Nebeneffekt hat: An fast keiner anderen Uni fallen so wenige Leute durchs Physikum, wie bei uns in Heidelberg. Hier trifft einfach der altbekannte Spruch ins Schwarze: "Früh übt sich!"

Leben in Heidelberg
Abschließend einige – für Studenten/innen – sicherlich lebenswichtige Informationen zum Leben und Wohnen in und um Heidelberg!
Eines vorweg: Heidelberg ist eine (zugegeben traumhafte!) Touristenstadt – und das auch noch im wohlhabenden Baden-Württemberg! Das bedeutet, dass sowohl die Wohnungen, als auch die allgemeinen Lebenshaltungskosten preislich von deutlich über dem Mittelmaß bis sehr hoch liegen. Ihr findet natürlich mit etwas Glück auch eine günstige Bleibe im Studentenwohnheim oder außerhalb der Stadt. In der (Innen)Stadt jedoch wird ein schmales Studienbudget Euch kaum oder keine Möglichkeit bieten, sich häuslich niederzulassen.
Heidelberg liegt geographisch günstig und landschaftlich sehr schön an der badischen Bergstraße. Ihr habt andere interessante (Groß)Städte ganz in der Nähe: Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt, Stuttgart, Mainz, Heilbronn, Straßburg…für das kulturelle Leben und die nötige Abwechslung ist also absolut gesorgt. Schnell seid Ihr auch im Schwarzwald, im Elsass oder in der Pfalz. Hinzu kommt, dass auch Heidelberg – als Studentenstadt durch und durch – über unzählige gute Kneipen, Clubs und sonstige "Geldgräber" verfügt. Die Netze der öffentlichen Verkehrsmittel sind dabei passabel bis gut – Ihr seid auch, dank direktem Autobahnanschluss, sofort mit dem Auto in und aus der Stadt.

Viel Erfolg bei Eurer Bewerbung! Vielleicht sieht man sich ja eines Tages hier?!

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