IPod goes eHealth

26. Januar 2007
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Musik? Filme? Röntgenbilder! Eine jetzt in den USA vorgestellte Software macht es möglich. Sie transformiert den iPod von einer Musikmaschine in ein Werkzeug zum mobilen Zugriff auf elektronische Patientenakten. Wenn erst noch das eHealth-iPhone kommt, hat die elektronische Gesundheitskarte ein Problem.

Butterbrote sind nichts dagegen: Wenn das Unternehmen Apple auf seinen diversen Pressekonferenzen neue Verkaufszahlen des iPod unters Volk schmeißt, dann könnte man meinen, es handele sich bei dem MP3-Player um ein Nahrungsmittel. Mit dem Weihnachtsgeschäft 2006 scheint das US-Unternehmen erneut einen Vogel abgeschossen zu haben. Nach Unternehmensangaben wurden die Verkaufszahlen des Vorjahrs um fünfzig Prozent übertroffen. Satte einundzwanzig Millionen mal (!) ging der Kleine Schwarze (oder Weiße) im letzten Quartal 2006 über die Verkaufstheken dieser Erde. Anders ausgedrückt: So grob jeder dreihundertste Erdenbürger kaufte zwischen Oktober und Dezember 2006 einen iPod.

Neues medizinisches Fachgebiet: Pod-iatrics

Angesichts dieser Zahlen verwundert es nicht, dass Nachrichten über den Einsatz der Wundermaschine zu medizinischen Zwecken erhöhte Aufmerksamkeit erregen. Schon vor einiger Zeit hatten Ärzte aus Genf mit einem Projekt auf sich aufmerksam gemacht, bei dem sie den iPod einsetzten, um auch unterwegs auf Visite Röntgenbilder ansehen zu können. Dafür wurde eigens eine Software geschrieben, der Open Source DICOM-Viewer für iPod und andere Macs, OsiriX genannt. Was das US-Unternehmen Records for Living jetzt vorgestellt hat, geht noch einige entscheidende Schritte weiter. Die Amerikaner haben nämlich die elektronische Patientenakte auf dem iPod realisiert. Grundlage bildet die Software Healthframe Explorer, die nach Unternehmensangaben führende elektronische Gesundheitsakte im US-amerikanischen Markt. Wie hier zu Lande bei Vita-X, LifeSensor oder Careon.de können die Patienten auch beim Healthframe Explorer per Internet auf ihre persönlichen medizinischen Daten zugreifen und diese dann Ärzten oder wem auch immer zugänglich machen. Wer nicht ständig aufs Internet angewiesen sein wollte, konnte schon bisher medizinische Daten auf einen USB-Stick transferieren. Diese Möglichkeit wurde jetzt auf den iPod ausgedehnt.

Ist die Zukunft der mobilen Medizin ein Mac?

Nun ist der iPod bekanntlich keine Grafikmaschine, und so sind die Screenshots, die Records for Living ins Netz gestellt hat, auch in keiner Weise spektakulär. Das spannende an dieser Aktion ist aber, dass mit dem iPod jetzt erstmals ein Träger für elektronische Patientendaten zur Verfügung steht, den mittlerweile ein erheblicher Teil der Menschheit ständig bei sich trägt und der, anders als ein mit Software bestückter USB-Stick oder eine CD, überall, von jedem und ziemlich idiotensicher bedienbar ist. Das letzte Wort ist das sicher nicht, zumal sich die typischen Nutzergruppen von iPod und elektronischen Gesundheitsakten im Internet schon rein altersmäßig wenig überschneiden. Doch auch die Babyboomer werden alt, und von ihnen sind viele längst mit iPod und Co verheiratet. Und seit wenigen Wochen wissen wir ja ohnehin, dass der iPod nur eine Durchgangsstation ist. Wenn erst das iPhone da ist, dann wird das mobile Aktenangebot von Records for Living erst so richtig sexy. Denn Telefone braucht jeder, die Synchronisierung mit der Mutter-Akte kann dann per WLAN oder UMTS erfolgen und grafisch sind auch größere Sprünge drin, schon weil das Display des iPhones sehr viel mehr hergibt als das des kleinen Bruders. Auch Health-IT-Fans dürfen sich also in die Schlange derer einreihen, die sehnsüchtig auf das iPhone warten…

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