Die Neurologie: verwirrendes Labyrinth

7. Februar 2007
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Die Hürden für das Verständnis neurologischer Erkrankungen sind nicht nur bei Laien, sondern auch für Medizinstudenten und Ärzte hoch, weil die Einsicht in die Funktionsweise des Nervensystems in ganz besonderer Weise geschult werden muss.

Der Zugang zur Neurologie wird durch die Tatsache erschwert, dass eshier eine sehr große Zahl äußerst seltener Erkrankungen gibt. Das Gebiet der Neurologie umfasst die Vorbeugung, Erkennung, konservative Behandlung und Rehabilitation der Erkrankungen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems einschließlich der Muskulatur. Die Organsysteme, die in der Neurologie Berücksichtigung finden, sind hierbei im Detail: das Gehirn und Rückenmark und deren Umgebungsstrukturen und blutversorgende Gefäße; das periphere Nervensystem, das heißt die Nerven in ihrem Verlauf außerhalb des Wirbelkanals, einschließlich der Verbindungsstrukturen mit Muskeln, sowie die Skelettmuskulatur. Die körperliche Untersuchung in der Neurologie ist zeitaufwendig. Sie erfordert daher vom Patienten Geduld und aktive Mitarbeit.
In Deutschland ist die Neurologie als ein Teilgebiet aus der InnerenMedizin hervorgegangen, wobei auch die Grenzen zur Psychiatrie hierteilweise recht fließend sind.

Interview:
Das Interview haben wir mit Herrn Dr. med. Sebastian Pfeil geführt, der sich derzeit der Aus-/Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie befindet.
(Dr. Pfeil = Dr. Sebastian Pfeil / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Dr. Pfeil…wir haben bereits in unserer Einleitung geschrieben, dass die Neurologie ein Fachgebiet ist, das die Studenten und Ärzte vor große Herausforderungen stellt. Wie sind Sie zu diesem Facharztwunsch gekommen?
Dr. Pfeil: Bereits an der Universität wurde ganz früh (nämlich während des Kursus der makroskopischen Anatomie) mein Interesse für den Bereich ZNS geweckt. Ich finde nach wie vor, dass das Gehirn und – laienhaft gesprochen – die Nervenbahnen im Menschen, sowie die dazugehörigen Mechanismen und Besonderheiten ein nahezu unerschöpflich spannendes Feld innerhalb der Medizin darstellen. Es gibt so vieles, was wir noch nicht über das menschliche Gehirn wissen, dass jeder Tag in der Forschung eine neue Herausforderung ist!

MS: Wie empfinden Sie denn Ihre derzeitige Ausbildung?
Dr. Pfeil: Die konzentrierte Arbeit mit meinen Patienten ist wirklich sehr spannend und erfordert von beiden Seiten (Arzt – Patient) ein enormes Maß an Präzision und Geduld. Alleine die Anamnese bei Neurologie-Patienten kann unter Umständen viele, viele Stunden in Anspruch nehmen, da sich viele Patienten schlichtweg nicht mehr an neurologische Vorerkrankungen und/oder "Defekte" erinnern können. Hier müssen wir ganz behutsam und akribisch nachforschen und sehr gewissenhaft arbeiten.

MS: Sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
Dr. Pfeil: Ich habe ja schon recht früh mit dem Gedanken gespielt, entweder in die Psychiatrie oder die Neurochirurgie zu gehen. Von daher habe ich mich frühzeitig mit den entsprechenden Themen auseinandergesetzt und auch meine Dissertation in diesem Fachbereich geschrieben. Irgendwie bin ich dann über zwei Ecken bei dem Fachbereich "Neurologie" hängen geblieben und bereue diesen Schritt auch kein Stück! Der Vorteil gegenüber der Neurochirurgie ist einfach der viel intensivere und direktere Kontakt mit den Patienten. Das bedeutet mir sehr viel!

MS: Muss man Ihrer Meinung nach einen ganz besonderen Draht zum Fachbereich "Neurologie" besitzen, um das Thema überhaupt adäquat verstehen/lernen/begreifen zu können?
Dr. Pfeil: Sie haben ja bereits angedeutet, dass dieser Fachbereich große Herausforderungen für Studenten und Ärzte gleichermaßen darstellt. Die Funktionsweise des Nervensystems ist nicht so ohne weiteres zu erlernen und zu verstehen. Hier wird ein großes Maß an Interesse vorausgesetzt, damit sich die vielen, vielen Mechanismen, Verbindungen und Erkrankungen (von denen zudem etliche äußerst selten und kompliziert sein können) überhaupt verstehen und gebührend erlernen lassen. Aber auch hier gilt, wie so oft im Leben und im Studium: Man darf sich auch nicht gleich abschrecken lassen und sollte stets bedenken, dass alles machbar ist. Jeder große Neurochirurg oder Facharzt der Neurologie hat bei Null angefangen! (lacht!)

MS: Letzte Frage: Wie steht es denn mit den Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich "Neurologie" aus?
Dr. Pfeil: Wie bereits angesprochen, ist das Gebiet rund um die Neurologie bislang noch eines der am wenigsten "verstandenen" und "ausgeschöpftesten" in der Medizin (oder der Humanbiologie) überhaupt. Ich wage einmal zu behaupten, dass wir – gerade in Bezug auf das menschliche Gehirn – noch ziemlich am Anfang unseres Wissens stehen. Dementsprechend gibt es natürlich eine wahre Fülle an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten rund um diesen Fachbereich, da ja quasi fast wöchentlich neue Erkenntnisse und Errungenschaften publiziert werden.

MS: Herr Dr. Pfeil – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

Allgemeine Informationen

Ausrichtungen / Schwerpunkte der Ausbildung:

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation neurologischer Krankheitsbilder und Defektzustände
  • der neurologisch-psychiatrischen Anamneseerhebung einschließlich biographischer und psychosozialer Zusammenhänge, psychogener Symptome sowie somatopsychischer Reaktionen
  • der Indikationsstellung und Überwachung neurologischer und physikalischer Behandlungsverfahren
  • neurologisch-geriatrischen Syndromen und Krankheitsfolgen einschließlich der Pharmakotherapie im Alter
  • den Grundlagen der Verhaltensneurologie und der medizinischen Neuropsychologie
  • der Hirntoddiagnostik

Aufbau der Ausbildung

60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte davon können bis zu 12 Monate im Gebiet Innere Medizin und Allgemeinmedizin und/oder in Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und/oder Psychosomatische Medizin und Psychotherapie angerechnet werden und bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Dauer der Ausbildung

5 Jahre

Arbeitsplätze / Arbeitgeber

  • Kliniken
  • Ambulante Bereiche / Praxen

 

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Allgemein

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