Bakterielle Klüngelei: Kampf den Schmarotzern

15. November 2013
Teilen

Benachbarte Bakterien können miteinander kommunizieren und gemeinsam bestimmte Leistungen erbringen, beispielsweise Nährstoffe abbauen. Wissenschaftler fanden nun heraus, dass kooperierende Bakterien ein Gift produzieren können, um sich gegen Schmarotzer zu wehren.

Benachbarte Bakterien können miteinander kommunizieren und gemeinsam bestimmte Leistungen erbringen, beispielsweise Nährstoffe abbauen. Sie sind aber auch in der Lage, ihr gesamtes Sozialverhalten auszuschalten und auf Kosten anderer zu leben. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun herausgefunden, dass kooperierende Bakterien ein Gift produzieren können, um sich gegen Schmarotzer zu wehren. Dieses wirkt allerdings nur gegen artverwandte Bakterien und nicht gegen Organismen aus fremden Populationen.

Die Göttinger Forscher untersuchten Bakterien der Gattung Pseudomonas, eine weit verbreitete Gruppe, die sowohl nützliche Bakterienarten als auch Krankheitserreger enthält. Sie bauten Bakteriengemeinschaften auf, in denen sich relativ schnell Schmarotzer herausbildeten. Diese wurden jedoch durch einen raffinierten Kontrollmechanismus in Schach gehalten: Die kooperierenden Bakterien bildeten Gifte, die den Kooperationspartnern nichts anhaben konnten, für die Schmarotzer aber tödlich waren und damit deren Verbreitung eindämmten. Allerdings ist der Schutzmechanismus nur gegen nahverwandte Schmarotzer nützlich: Schmarotzer aus anderen Arten lassen sich dadurch nicht kontrollieren.

„Bakterien haben ihre eigenen Klone sehr gut im Griff“, erläutert der Leiter der Studie, Dr. Alexandre Jousset von der Abteilung Tierökologie der Universität Göttingen. „Eine Zusammenarbeit erweist sich demnach nur dann als stabil, wenn alle Organismen innerhalb einer Population streng verwandt sind.“ Diese Erkenntnis über die bakterielle Vetternwirtschaft spielt eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Behandlung von Krankheiten. Die Gefährlichkeit von Krankheitserregern beruht häufig auf einer funktionierenden Kooperation zwischen Bakterien. „Durch die gezielte Zugabe von artfremden Schmarotzern könnte man diese für den Menschen ungünstige Kooperation stören und dadurch den Krankheitserreger möglicherweise entschärfen“, so Dr. Jousset.

Originalpublikation:

Evolutionary history predicts the stability of cooperation in microbial communities
Alexandre Jousset et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms3573; 2013

22 Wertungen (4.45 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: