Reimporteure: Grins, grins.

23. Februar 2007
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Sie sind bei Patienten beliebt, für Apotheker aber eher mit zusätzlicher Arbeit und mauen Einnahmen verbunden: Die Rede ist von Reimporten. Doch die preisgünstigeren Pendants aus dem Ausland kommen immer mehr in Mode - der Markt boomt.

Tatsächlich attestiert eine aktuelle Studie von INSIGHT Health zurEntwicklung bei reimportierten Präparaten auf dem deutschenApothekenmarkt den Medikamenten ein enormes Potenzial. “DieReimporteure gehören zu den großen Gewinnern auf dem deutschenApothekenmarkt des abgelaufenen Jahres”, resümieren die Analysten. DieZahlen geben ihnen recht. So erzielten Reimporteure bis Ende November2006 einen Umsatz von über 1,5 Milliarden EUR zuHerstellerabgabepreisen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005entspricht das einem Zuwachs von 37,4 Prozent. Um welche Dimension essich dabei handelt, offenbart zudem der Blick aufs Ganze: Im gleichenZeitraum wuchs der Umsatz auf dem gesamten Apothekenmarkt gerade einmalum 0,3 Prozent.

Um was geht es?

Reimporte sind Arzneimittel, die von daraufspezialisierten Firmen im Ausland aufgekauft, gemäß deutschem Rechtumverpackt und anschließend in Deutschland ordnungsgemäß vertriebenwerden – ganz legal und ohne Nachteile für den Patienten. Denn sieerhalten das Originalprodukt inklusive deutscher Packungsbeilage – nurbilliger, und mit einem womöglich anderen Packungsdesign. Der Clou: ImAusland bieten die Hersteller ihre Produkte deutlich günstiger alshierzulande an. Diese Preisunterschiede innerhalb der EU nutzen demnachdie Reimporteure, um genau dieselben Präparate auch in Deutschlandpreiswerter anzubieten. Eine irrlichterne Logik zwar, aber einboomendes Geschäft.

Zu hoffen, dass jedes Mittel als Reimport reüssiert, wäreindes unangebracht. Nur wer als Apotheker die Bestseller kennt, kannvom aktuellen Boom profitieren. Denn nur wenige Indikationsgruppentragen zum beeindruckenden Aufstieg der Reimporte bei. So verkaufensich der Studie zufolge vor allem Präparate zur Behandlungen vonErkrankungen des zentralen Nervensystems, zur Therapie vonKrebserkrankungen sowie Blut- bzw. Blutprodukten wie etwaThrombozyten-Aggregationshemmer. “Allein auf diese drei Produktgruppenentfallen mit einem Umsatzvolumen von nahezu 850 Mio. EUR zuHerstellerabgabepreisen 55 Prozent des Umsatzes aller reimportiertenPräparate in den ersten elf Monaten letzten Jahres”, konstatiert INSIGHTHealth. Dagegen repräsentierten die Mittel zur Behandlung von Herz-undKreislauferkrankungen lediglich 4,5 Prozent des Umsatzes mitreimportierten Arzneimitteln. Noch im Jahr 2003 hatte ihr Umsatzanteilbei über neun Prozent gelegen.

Gewinnbringend ist, was hierzulande patentgeschützt bleibt

Ein Indiz für die Liebe der Reimporteure zu dieser Produktgruppe istder Anstieg der Durchschnittspreise aller Reimporte, der durch dengrößeren Anteil patentgeschützter und damit teurerer Präparatebegründet ist. Kostete beispielsweise eine reimportierteMedikamentenpackung im November 2003 im Durchschnitt noch 36,31 EUR, sokletterte der Durchschnittspreis über 43,23 EUR im November 2005 auf53,30 EUR im November letzten Jahres – was einem Anstieg von rund 47Prozent entspricht.

Geradezu sensationell gesunken ist die Zeitspanne zwischen demMarkteintritt eines neuen patentgeschützten Präparates bis zu dessenVerfügbarkeit als Reimport: In manchen Fällen vergehen nur noch 11Monate, bis der Kunde von seinem Apotheker das kostengünstigere Original erwerben kann. Noch Anfang der 1990er Jahre betrug diesesIntervall ganze 7,5 Jahre.

Der Vorstoß der Reimporte freilich ist, je nach Standpunkt innerhalbdes Gesundheitssystems, recht umstritten. “Der Aufschwung der Re- undParallelimporte ist nicht unter üblichen Marktbedingungen zustandegekommen, sondern nicht zuletzt auf gezielte staatliche Unterstützungzurückzuführen”, kritisierte schon im Jahr 2004 der Verband derForschenden Arzneimittelhersteller (VFA) und lieferte die die ausseiner Sicht gegebene Erklärung gleich mit: “Importarzneimittel werdendurch gesetzliche Bestimmungen und Liefer-/Rahmenverträge zwischenApotheken und Krankenkassen direkt gefördert”.

Tatsächlich verlangte bereits damals § 129 Absatz 1 SGB V von denApotheken die Abgabe von preisgünstigen importierten Arzneimitteln. Undin der Tat verpflichtete der Rahmenvertrag für das Jahr 2004 dieApotheken zu einer Mindestabgabequote von Importen in Höhe von 5Prozent. Nur: Für Apotheker kann der Hinweis auf Reimporte die Kundensichern. Denn ein nicht nur pharmazeutisch bewanderter, sondern auch imSinne der Allgemeinheit wirtschaftlich mitdenkender Apotheker wird inZeiten knapper Kassen am Ende durch die Treue seiner Klientel belohnt.

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