Was tun wenn’s brennt

28. Februar 2007
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Ärztliches Handeln ist nicht ohne Fehler. Den Umgang mit eigenen Fehlern beherrscht nicht jeder auf Anhieb - wie aber lernt man den Umgang mit Fehlern am besten? Im Studium leider nur bedingt. Wir haben für euch dieses brenzlige Thema recherchiert.

Im Medizinbetrieb passieren fast täglich Fehler. Das Anliegen eines Patienten wird in der Hektik vergessen, ein falsches Medikament verordnet oder ein chirurgischer Eingriff läuft nicht so wie geplant. Nur zu oft kommen diese Fehler nie ans Tageslicht, sie werden vertuscht oder verharmlost. Wie möchte man einem Patienten auch erklären, dass der jetzige Darmkrebs hätte verhindert werden können, wenn man den besorgniserregenden Befund der letzten Vorsorgeuntersuchung nicht verschlampt hätte.

Das Leugnen von Fehlern geschieht jedoch nicht nur aus Eitelkeit. Existenzängste spielen eine wichtige Rolle. Gibt man den Fehler zu, so haftet unter Umständen die Haftpflichtversicherung nicht oder der Chef droht seinen Mitarbeitern mit Ausblick auf schlechte Presse Sanktionen an. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zerplatzt wie eine Luftblase und die Streitigkeiten werden vor Gericht ausgetragen. Für den Arzt gilt immer mehr: "Die Angst operiert mit".

Der Umgang mit Fehlern im Studium
Der schlechte Umgang mit Fehlern ist zumindest teilweise hausgemacht. Medizinstudenten werden nur in Ausnahmefällen systematisch an das Thema der ärztlichen Fehler herangeführt. Im besten Fall wird das Thema in Ethikseminaren angesprochen und diskutiert, wenn engagierte Dozenten den Studenten etwas für den ärztlichen Lebensweg mitgeben wollen. Im weiteren Studium werden Fehler so behandelt wie oft auch später in der Klinik – offiziell gibt es keine.

Teilweise Abhilfe könnte die sinnvolle Umsetzung der aktuellen Approbationsordnung schaffen. Die Förderung sozialer Kompetenz von Ärzten und das Üben des Umgangs mit Patienten sind nur zwei Komponenten, die in keiner Ausbildung fehlen sollten. Derzeit kann ein Jungmediziner das meiste nur an Vorbildern lernen – wohl dem, der ein gute Vorbilder und Identifikationsfiguren findet.

Es geht auch anders
Wer mehr wissen will, steht jedoch keinesfalls vor einer Informationswüste. Das Fehlermanagement in der Medizin ist ein zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung. Diese ist nicht erst ein Thema, seit die Bundesstelle für Qualitätssicherung die Krankenhäuser unter die Lupe nimmt. Nach amerikanischem Vorbild wurden auch in Deutschland internetbasierte Fehlermeldesysteme wie das CIRS umgesetzt, bei dem ärztliche Fehler gemeldet und diskutiert werden können. Ärzte organisieren sich zunehmend in Aktionsbündnissen für mehr Patientensicherheit. Licht fällt ins Dunkel – spät, aber vielleicht nicht zu spät.

Mediziner schneiden sich durch das Ignorieren eigener Fehler langfristig ins eigene Fleisch. Ethische und juristische Fortbildung bereits im Studium können helfen, in einer immer komplexer werdenden medizinischen Welt das gute Verhältnis zwischen Arzt und Patient zu erhalten. Ein systematisches und flächendeckendes Ausbildungsangebot für Studenten besteht in diesem Punkt jedoch noch nicht. Hoffentlich wird sich dies in den nächsten Jahren ändern.

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