Zeit zum Gespräch

28. Februar 2007
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Ein Arzt muss nicht nur handeln können, sondern sein Handeln auch durch Gespräche vermitteln. Selten sind Ärzte jedoch mit dem Start in das Berufsleben auch kompetent in Sachen Kommunikation. Hochrechnungen besagen, dass ein Arzt im Laufe seines Berufslebens 150.000 Gespräche führen muss. Genug Gelegenheiten also, um sich Gehör zu verschaffen oder an der Gesprächsführung selbst zu scheitern.

Lange Zeit war die Gesprächsführung im Studium kaum beachtet. Sprechen konnte man – oder auch nicht. Wer nicht sprechen konnte, der musste es im Laufe seines Berufslebens lernen – basta! Mittlerweile sieht die Welt in diesem Punkt nicht optimal, aber schon um einiges besser aus.

Das Problem der fehlenden kommunikativen Kompetenz vieler Ärzte hat an den Hochschulen zur Entwicklung neuer Lehr- und Lernkonzepte geführt.

Im klinischen Abschnitt geht´s los
Mit Einführung neuer Prüfungsmodelle wie dem OSCE bieten sich auch Möglichkeiten, die ärztliche Gesprächsführung zu testen. Arzt-Patient-Gespräche können mit Schauspielpatienten simuliert und nach einem Bewertungskatalog beurteilt werden. Damit lassen sich relativ transparente Prüfungsbedingungen für ein schwieriges Gebiet schaffen. Doch muss vor der Prüfung natürlich auch geübt werden.

Die Lehrveranstaltungen zur kommunikativen Kompetenz und ärztlichen Gesprächsführung werden an den meisten Hochschulen zu Beginn des klinischen Studienabschnittes angeboten. Federführend sind häufig die Allgemeinmediziner und Psychosomatiker, die Seminare und Kurse sind jedoch fachübergreifend zu verstehen.

Geübt wird von Studenten vor allem mit Schauspielpatienten, die eine typische Gesprächssituation simulieren oder an Patienten mit chronischen Erkrankungen, die sich auf freiwilliger Basis zu Studentengesprächen bereit erklären. An manchen Hochschulen, oft an solchen mit Reformstudiengängen, gibt es zusätzliche Lehrveranstaltungen, beispielsweise zum Thema Tod und Trauer oder zur Mitteilung schwieriger Diagnosen.

Theorie stimmt, Praxis nicht immer
Als Student nimmt man das neue Lernfeld etwas zwiespältig wahr. Nach den Lehrveranstaltungen fühlt man sich in der Theorie fit für ein Gespräch. Man weiß, dass man sich vorstellen soll, eine ungestörte Atmosphäre zu schaffen hat und allerlei nützliche Sachen, ist aber immer noch ziemlich grün hinter den Ohren.

Zudem kann keine Simulation den Alltag eines Assistenzarztes auf der Station nachahmen. Während man in den Lehrveranstaltungen immer schön viel Zeit und wenig Verantwortung hat, spielt sich die Kommunikation im echten Leben zwischen Visitenwagen und überfülltem Krankenbett quasi auf dem Flur ab.

Zu fordern ist daher eine verstärkte Berücksichtigung der Berufsrealitäten junger Ärzte. In den Vordergrund muss verstärkt rücken, wie man in einem hektischen und nervtötenden Medizinbetrieb trotz aller zeitlichen und organisatorischen Missstände sinnvoll und für beide Seiten gewinnbringend kommunizieren kann. Bessere Arbeitsbedingungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben, daher lohnt es sich, seine kommunikativen Fähigkeiten unter schlechten Bedingungen zu trainieren.

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