Ring frei: Duell der Anatomen

19. September 2012
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Eines der umfangreichsten und zugleich wichtigsten Grundlagenfächer der Vorklinik ist die Anatomie. Für die Vorbereitung benötigt man als Medizinstudent einen guten Anatomieatlas. Hier liefern sich die beiden Vorzeigeatlanten ein ausdauerndes Duell auf Augenhöhe.

Wir haben beide Vorzeigewerke für Euch auf Herz und Nieren überprüft. Bei einem der Duellanten handelt es sich um einen Klassiker: den erstmals 1904 aufgelegten und nach seinem Begründer benannten Sobotta Anatomieatlas. Doch auch der Herausforderer in der anderen Ecke des Rings ist nicht weniger prominent. Die Rede ist vom Prometheus Anatomieatlas. Dieser wurde erstmals vor rund acht Jahren aufgelegt und ist nach einem Göttersohn und Titanen benannt, der in der griechischen Mythologie oft als Schöpfer der Menschen gilt. Das Duell steht: Prometheus vs. Sobotta. Ring frei. Let’s get ready to rumble!

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Titel:
"Sobotta – Atlas der Anatomie des Menschen" 23. Auflage "PROMETHEUS – LernAtlas der Anatomie" 2. Auflage
Cover: "Sobotta – Atlas der Anatomie des Menschen" 23. Auflage Cover: "PROMETHEUS – LernAtlas der Anatomie" 2. Auflage
Autoren:
Friedrich Paulsen, Jens Waschke Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher, Markus Voll, Karl Wesker
Verlag:
Elsevier GmbH – Urban und Fischer Verlag Georg Thieme Verlag
ISBN:
978-3437440700 978-3131601827
Preis:
99,95 € 159,00 €
Fachgebiet:
Anatomie Anatomie
Seiten:
1.152 Seiten mit 1.768 farbigen Illustrationen und 1.529 Tafelbildern 1.651 Seiten mit fast 5.000 naturgetreuen, plastischen anatomischen Zeichnungen und 182 Tabellen
Bindung:
Hardcover Hardcover
Zusatzmaterial:
  • Extraheft mit 100 Muskeltabellen
  • Zugangscode zu www.e-sobotta.de mit
  • Testat-Trainer: Mit ihm kann das Gelernte wiederholt und das Wissen überprüft werden.
  • Präp2Go: Ein Präplink führt zu allen für den Präpkurs relevanten Bildern in hoher Auflösung.
  • Bilddatenbank: Diese enthält alle Bilder der 22. und 23. Auflage.
  • Online-Zugang zum eLearning-Programm "Mein PROMETHEUSLerner" mit rund 2.000 einzigartigen Abbildungen.
  • Limitierte PROMETHEUS-Tasche aus LKW-Plane.
Inhalt:
Aufgeteilt in 3 Bände werden im Sobotta-Atlas nacheinander alle anatomisch wichtigen Grundlagen vermittelt. Auf den ersten Seiten findet man zunächst Hinweise zur Benutzung des Atlas und es wird das Navigationssystem vorgestellt. Anschließend wird eine geschichtliche Einführung in den Atlas und über dessen Begründer Johannes Sobotta gegeben, sowie die allgemeine Anatomie näher erläutert.

Besonders erwähnenswert ist dabei auch ein Absatz über das Thema „Körperspende“, der Euch vielseitige Informationen zu diesem nach wie vor heiklen Thema bietet.

Der erste Band „Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat“ gliedert sich in folgende Inhalte: „Allgemeine Anatomie“, „Rumpf“, „Obere Extremität“ und „Untere Extremität“.

Der zweite Band „Innere Organe“ teilt sich in die Themen „Brusteingeweide“, „Baucheingeweide“, „Becken und Retroperitonealraum“, der dritte Band „Kopf, Hals und Neuroanatomie“ wiederum enthält die Kapitel „Kopf“, „Auge“, „Ohr“, „Hals“ und „Gehirn und Rückenmark“. Zu Beginn eines jeden Kapitels wartet jeweils eine IMPP-Checkliste mit einer Auflistung prüfungsrelevanter Themen auf Euch.

Hier finden sich auch Hinweise dazu, was man zum betreffenden Kapitel im Präparierkurs beachten muss. Der „Präplink“ erklärt Euch genau, wie bestimmte Strukturen im Präparierkurs freigelegt werden und bietet so schon vor der eigentlichen Präparierstunde eine willkommene Vorbereitungsmöglichkeit. Der Sobotta-Atlas entwickelt sich so zum perfekten Studienbegleiter.

Im gesamten Atlas findet man aktuelle klinische Bezüge in speziell gekennzeichneten Klinik-Kästen. Bei den Bildern handelt es sich wahlweise um illustrierte Darstellungen, digitale Skizzen, anatomische Fotografien oder Aufnahmen bildgebender Verfahren. Manchmal findet man zudem histologische Abbildungen, die das Verständnis anatomischer Grundstrukturen erleichtern sollen.

Die Abbildungen liegen häufig aus verschiedenen Blickwinkeln vor und wiederholen sich, sodass es einem leichter fällt, sich alles räumlich vorzustellen. Die Bildtexte sind sehr kurz gehalten und beruhen auf dem Prinzip „knapp und prägnant“ statt „ausführlich und tiefgreifend“, erfassen aber dennoch die wichtigsten Inhalte. Die Beschriftung mit einem zusätzlichen Farbcode erleichtert das Auffinden der Strukturen und erspart so langwieriges Suchen im Präpsaal.

Der Sobotta-Atlas deckt alle Bereiche der modernen Anatomie ab. An einigen Stellen befinden sich Verweise auf die mitgelieferte Muskeltabelle, was das positive Gesamtbild abrundet.

Am Ende des Buches befindet sich neben einem sehr hilfreichen und ausführlichen Inhaltsverzeichnis auch ein „Glossar anatomischer Begriffe“. Die Sprache ist sachlich gehalten und nicht mit medizinischen Fachbegriffen überladen. Das sprachliche Niveau ist verständlich und der Zielgruppe angemessen.

Der Prometheus-Atlas enthält in 3 Bänden die komplette klinisch-makroskopische Anatomie, die für die Ausbildung zum Arzt wichtig ist. Zu Anfang des Buches gibt es eine kurze Einführung in die griechische Mythologie, in der die Bedeutung des Namens Prometheus erklärt wird. Anschließend folgt eine generelle Einführung in die Anatomie, bei der nochmals deren Wichtigkeit für das spätere ärztliche Handeln unterstrichen wird.

Die Gliederung des „LernAtlas“ ist stark schematisch und übersichtlich aufgebaut: Jedes Kapitel besteht aus mehreren Unterkapiteln. Jedes Unterkapitel – diese sind durchgehend nach einer einheitlichen Systematik strukturiert – besteht aus mehreren Lerneinheiten. So lernt man im Band “Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem” in jedem Unterkapitel zunächst die Knochen, Bänder und Gelenke kennen, arbeitet sich in den folgenden Lerneinheiten durch Muskeln und Sehnen immer weiter vor bis man die Leitungsbahnen, Arterien, Venen, Nerven und Lymphbahnen erreicht.

Nach einem ähnlichen Prinzip sind auch die beiden Bände “Hals und Innere Organe” sowie “Kopf und Neuroanatomie” aufgebaut. Prometheus begegnet der Diskrepanz von stetigem Wissenszuwachs und dem voranschreitenden Zeitmangel der Studenten, sich dieses Wissen anzueignen, indem er sich auf klinisch relevante Lerninhalte beschränkt.

Als angehender Arzt muss man längst nicht alles wissen, was für einen Anatom wichtig ist. Dennoch benötigt man gewisse Fakten, die man später in der Klinik immer parat haben muss. Ohne ein solides Grundwissen in der Anatomie kommt kein Arzt aus. Jede der etwa 250 Lerneinheiten konzentriert sich deswegen auf ein Thema, dem jeweils eine Doppelseite gewidmet wird. Dabei funktioniert das Zusammenspiel von Bild und Text ausgezeichnet.

Die Themen im ersten Band sind – wie im Sobotta – den vier großen Abschnitten “Allgemeine Anatomie”, “Rumpfwand”, “Obere Extremität” und “Untere Extremität” gewidmet. Der zweite Band setzt sich aus den Untereinheiten „Aufbau und Embryonalentwicklung der Organsysteme im Überblick“, „Thorax“, „Abdomen und Becken“, „Systematik der Organversorgung“ und „Organsteckbriefe“ zusammen. Der dritte Band ist in die Themen „Kopf und Hals“, „Neuroanatomie“ und „ZNS: Schaltpläne, Steckbriefe und Lerntabellen“ untergliedert.

Mehr als 1.200 Farbabbildungen sorgen dafür, dass Gefäße und Nerven ebenso Gestalt gewinnen wie Knochen, Gelenke oder Muskeln. Hierbei ergänzen sich Zeichnungen und Ergebnisse bildgebender Verfahren. Der Überprüfung und Festigung des Gelernten dienen zusammenfassende Lerntabellen. Der Schreibstil ist insgesamt sehr studentenfreundlich gehalten und schwierige Fachbegriffe werden bei Gebrauch sofort näher erläutert. Am Ende des Buches findet sich ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis, das ein Auffinden der gesuchten Themen enorm erleichtert.

Relevanz für Kurse und Examen:
Der Sobotta-Atlas ist zielgenau auf die Bedürfnisse von Studenten der Vorklinik zugeschnitten. Er fokussiert sich auf den Lernstoff, der für Testate und das Physikum wichtig ist. Atlas und Webangebot konzentrieren sich von Beginn an auf prüfungsrelevantes Wissen. Alle drei Anatomiebände überzeugen mit solidem Bildmaterial, knappen Texten und einem ausgedehnten und praktischen Online-Service. Die für die jeweilige Abbildung relevanten Strukturen sind fett markiert, sodass man einen guten Leitfaden an die Hand bekommt und nicht von einer Informationslawine erschlagen wird.

Im Buch als „Präp-Links“ beschrieben, kann man die Abbildungen herunterladen, ausdrucken und mitnehmen, sodass man den Atlas nicht mehr im Präpariersaal bekleckern muss. Der ebenfalls verfügbare Testattrainer erlaubt die Zuordnung von Begriffen und Bezeichnungen und gibt ständig Rückmeldung über den eigenen Kenntnisstand. Außerdem bekommt Ihr noch ein zusätzliches Muskeltabellenheft, dass Euch das Auswendiglernen erleichtert und den Überblick wahrt. Dieses eignet sich auch hervorragend zum Mitnehmen in den Präpsaal.

Der Prometheus-Atlas dient als perfekte Vorbereitung für jegliche Art von Anatomie-Prüfungen. Anatomische Themen sind in übersichtlichen, kompakten Lerneinheiten zusammengestellt. Jedes Thema wird mit Bildern, schematischen Zeichnungen, Tabellen und Legenden auf einer Doppelseite so präsentiert, dass man auf einen Blick sieht, was man zu dem Thema wissen muss.

Der „LernAtlas“ vermittelt aber nicht nur reines anatomisches Wissen, sondern erläutert auch anatomische Zusammenhänge, zeigt klinische Aspekte auf und erklärt Funktionen und macht damit das Lernen anschaulicher und einprägsamer. Alles, was nicht zu dem Thema der jeweiligen Lerneinheit gehört, wird weggelassen oder an anderer Stelle besprochen. So behält man den Überblick und kann strukturiert und effizient lernen, trotz des größeren Umfangs der 3 Bände.

Dafür hinkt der Prometheus-Atlas bei der Online-Präsenz hinterher. Man bekommt zwar einen kostenlosen Zugang zu einigen ausgewählten Abbildungen, doch diese Runde geht eindeutig an den Konkurrenten, der sich in diesem Bereich mit einem umfassenden digitalen Angebot von seiner modernsten Seite zeigt.

Layout und Druck:
Seit 2010 gibt es den Sobotta nun – wie Thiemes Prometheus – auch in 3 Bände aufgeteilt. Der erste Teil (‘Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat’) ist dabei mit 406 Seiten der dickste Band. ‘Innere Organe’ und ‘Kopf, Hals und Neuroanatomie’ sind jeweils etwas kürzer. Die Sobotta-Reihe besticht in der aktuellen Auflage durch ein starkes Komplettpaket in edlem Design, das mit einem praktischen Schuber geliefert wird.

Es gibt auf vielen Seiten klinische Beispiele, die anatomische Details im Gesamtkontext darstellen. Die anatomischen Zeichnungen sind jedoch nicht ganz einheitlich gehalten und können zuweilen etwas unübersichtlich sein. Manche entstammen dem englischen Klassiker „Gray’s Anatomy“, und sehen aus wie Buntstiftzeichnungen, die oft plastisch aber nicht künstlich wirken und wieder andere sind digitale Computerbilder, die jedoch den Prometheus-Abbildungen nicht standhalten können.

Die Bildbeschriftungen wurden – im Gegensatz zum früheren Sobotta-Atlas – auf das Wesentliche reduziert. Alle Inhalte wurden sehr studentenfreundlich aufbereitet und sind durch das gute Inhaltsverzeichnis leicht zu finden. Am Ende jedes Buches gibt es zudem ein Glossar. Hier werden die wichtigsten medizinischen Fachbegriffe übersetzt und erläutert.

Der Prometheus wird in 3 Bänden in einer praktischen Umhängetasche geliefert. Sein Umfang ist wesentlich größer als der des literarischen Konkurrenten. So kommen die 3 Bände durchschnittlich auf je 550 Seiten. Auch der Prometheus vermittelt nicht nur die “pure Anatomie”, sondern stellt an passenden Textstellen immer wieder den Bezug zur klinischen Praxis her.

Weiterhin präsentieren 3.000 Abbildungen anatomische Situationen detailgetreu und präzise. Häufig zeigen Ausschnittsvergrößerungen bestimmte Strukturen im Detail. So lässt sich die Anatomie schon beim bloßen Anschauen der Bilder erfassen. Da man bestimmte Körperteile häufig nur mit Hilfe bestimmter Schnittebenen darstellen und sichtbar machen kann, diese aber mitunter recht verwirrend erscheinen können, hat sich Thieme das Konzept der sogenannten „Navigatoren“ ausgedacht. Diese Schemazeichnungen zeigen, aus welcher Richtung man auf bestimmte Strukturen blickt. Damit kann man sich gut orientieren und weiß, wo im Körper man sich gerade befindet.

Es lassen sich außerdem zahlreiche Lerntabellen finden, die prüfungsrelevante Fakten knapp, kompakt und übersichtlich darstellen. Der größere Umfang des Prometheus lässt sich durch längere und ausführlichere Bildbeschriftungen erklären. Dabei werden nicht nur bestimmte anatomische Zusammenhänge, sondern auch die jeweiligen Funktionen beschrieben, die sich aus der Anatomie ergeben.

Preis-Leistungsverhältnis:
Keine Frage, der Sobotta ist mit 99,95 € knapp 60 € billiger als sein Herausforderer und damit die geldbeutelfreundlichere Version unter den Anatomie-Atlanten. Für diesen Preis bekommt man einen wirklich guten Einblick in die Welt der Anatomie und kann sowohl die ersten Anatomie-Testate als auch das Physikum gut vorbereitet meistern.

Allerdings muss man betonen, dass der Atlas keinen Ersatz für ein Lehrbuch darstellt und man somit immer den preislichen Aufschlag bedenken muss. Kurzum bekommt man für sein Geld ein gutes Nachschlagewerk, mit dem man sich zielgerichtet auf seine Prüfungen vorbereiten kann.

Der Preis für die 3 Prometheus-Bände ist zugegebenermaßen ganz schön happig! Nicht jeder Student kann mal eben 159,00 € für das Gesamtwerk ausgeben. Trotzdem ist festzuhalten: Qualität hat nun einmal ihren Preis. Dass der Prometheus durch seine herausragende Qualität überzeugt, hat er zudem klar unter Beweis gestellt. Wer sich diesen Atlas zulegt, lernt nicht nur für Testate und Physikum, sondern eignet sich zudem wichtige anatomische Kenntnisse in Gebieten an, die klinisch relevant sind.

Die vielen detailgetreuen, plastischen Anatomiezeichnungen, die eigens für Prometheus erstellt wurden, sind sehr übersichtlich und machen das Lernen des großen Stoffgebietes mehr als erträglich. Um richtig auf die Prüfung vorbereitet zu sein, sollte man auch hier noch auf ein Lehrbuch zurückgreifen, durch die vielen ausführlichen Hintergrundinformationen im Atlas kann dieses aber wesentlich schmaler ausfallen.

Fazit:
Totgeglaubte leben bekanntlich länger! Der Sobotta ist ein Atlas, den schon die Generationen vor uns zum Erlernen der Anatomie genutzt haben und blickt somit auf eine lange Tradition zurück. Doch man steht vor der Qual der Wahl, da auch der Prometheus als modernere Alternative einiges zu bieten hat.

Der Sobotta hat naturgemäß einige Schwächen. Manche Studenten empfinden die naturalistische Darstellung der Bilder als zu kompliziert und detailliert, trotz der Hervorhebung wichtiger Strukturen. Außerdem benötigt man zusätzlich zum Atlas ein umfassendes Lehrbuch, da Sobotta wirklich nur eine knappe Darstellung anatomischer Gebiete liefert.

Der klare Vorteil von Sobotta ist allerdings der Preis und dessen gutes Online-Angebot. Wer gerne mit einem Anatomie-Atlas lernt, der sich lange Erklärungen spart, aber dennoch das Wichtigste vermittelt, ist hier gut bedient. Insbesondere der Verweis auf wichtige IMPP-Themen und der Präplink zu Anfang eines jeden Kapitels sind unschlagbare Argumente für den traditionsreichen Klassiker.

Prometheus bedeutet im Griechischen „der Vorausdenkende“. Der Name ist geschickt gewählt, denn dieser Atlas ist ein Vorreiter unter den modernen Anatomie-Atlanten, der mit seinem völlig neuen Lernkonzept dem Klassiker Sobotta Konkurrenz macht. Obwohl er erst seit 2004 existiert, ist er heute bei den Studenten als beliebtes Lehrwerk etabliert und wird uneingeschränkt weiterempfohlen.

Der Atlas mag zwar am Anfang ziemlich umfangreich anmuten, hat aber den entscheidenden Vorteil, dass er nicht nur aus einer knapp kommentierten Bilderfolge besteht. Der beigefügte ausführliche Text mit klinischen Verweisen schafft zusätzliches Verständnis für anatomische Zusammenhänge und erleichtert dadurch das Lernen deutlich.

Auch wenn Thieme selbst beschreibt, dass Prometheus als Kombination aus Lehrbuch und Atlas angelegt ist, würde ich Euch ein zusätzliches (dünnes) Lehrbuch empfehlen. Leider ist der Online-Service nicht so ausgeprägt wie bei Sobotta, doch was nicht ist, kann ja noch werden. Ein ganz klarer Vorteil liegt insbesondere in den detailgetreuen, plastischen anatomischen Zeichnungen, die mit modernster Computertechnologie erzeugt wurden und auch den höheren Preis vertretbar machen.

Beide Werke haben klare individuelle Stärken und Schwächen, die abhängig von der Lernstrategie des jeweiligen Studenten zu gewichten sind. Deswegen kann ich Euch auch keinen klaren Sieger nennen. Ich empfehle Euch: Geht in eine Buchhandlung und lest Euch in Ruhe in beide Werke ein oder leiht Euch zu Anfang sogar beide Bände in der Bibliothek aus und lernt ein Thema zur Probe – der Atlas, der Euch darauf besser gefällt ist definitiv der Richtige! Falsch machen kann man mit beiden Exemplaren absolut nichts.
Sterne:
4,5 Sterne von 6 5 Sterne von 6

Nachdem unser ausführlicher Vergleich keinen klaren Sieger ermitteln konnte, sind also beide Duellanten noch im Rennen. Doch wie sehen eigentlich die Meinungen von Studenten und Professoren zu den Anatomie-Atlanten aus? Wir haben an deutschen Unis nachgefragt.

Sobotta – die Erfüllung aller anatomischen Wünsche?

Fabian Kraus, Münchener Medizinstudent im dritten Semester, vertraut auf die inhaltliche Kompetenz des Sobotta-Atlas. Auf Nachfrage erklärt er, dass er die vielen Übersichtsdarstellungen toll findet und das zudem – in Kombination mit der “Dualen Reihe Anatomie” – die ganze Bandbreite der Anatomie abgedeckt wird. Das wichtigste Argument für ihn ist aber wohl: “Unser Prof war Mitherausgeber!”. Auch Rossy Everhartz, Studentin aus Köln, hält zu Sobotta: “Hier steht genau das drin, was auch wirklich geprüft wird. Sogar mit müden Augen regt der Atlas noch an, weiterzumachen.” Ein Kommilitone fügt hinzu: “Ich kann den Sobotta auf ganzer Linie empfehlen. Er lässt keine anatomischen Wünsche offen. Super!” Dr. Martina Schmitz vom Institut für Anatomie in Münster fügt hinzu: “Besonders geeignet für den Präparierkurs, da das Bildmaterial für die einzelnen Präp-Tage gesondert mitgeführt werden kann.”

Prometheus – ein echter Gewinn

Arndt Stahler, Medizinstudent im fünften Semester, empfiehlt hingegen für den Einstieg ganz klar den Prometheus-Atlas: “Wenn man anfängt, Anatomie zu lernen und es noch um Begriffsklärung bzw. Identifizierung der wichtigsten Strukturen geht, ist der Atlas ein Must-have. Davon abgesehen sehen die Bilder glatt und fast schon kunstvoll aus.” Albert Braunsmann, der im siebten Semester an der Universität Leipzig studiert, schreibt: “Das Buch ist äußerst ansprechend gestaltet. Man bekommt Lust, darin herumzustöbern und kann sich kaum noch losreißen. Da greift man gerne auch etwas tiefer in die Tasche. Ein echter Gewinn für alle Medizinstudenten!” Und selbst Prof. Dr. med. Harald Lehmann, Chefarzt der Inneren Abteilung Zweibrücken, ist begeistert von der modernen Alternative: “Es handelt sich um ein außergewöhnlich informatives, didaktisch klares und fachübergreifendes Werk, das jedem Studierenden aber auch dem Kliniker Freude bereitet. Theoretisches Wissen und klinisch relevante Fakten werden eindrucksvoll miteinander verbunden.”

Nach einem langen und erbitterten Kampf neigt sich dieses literarische Duell nun dem Ende zu. Einen klaren Sieger gibt es auch nach der Schlussrunde nicht. Damit müssen sich die beiden Anatomie-Atlanten das Siegertreppchen teilen, was sie sich nach unserem gründlichen Check aber auch verdient haben.

62 Wertungen (4.68 ø)
Studium

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5 Kommentare:

Student der Humanmedizin

Weder noch. hab mit den Taschenatlanten aus dem thieme verlag gelernt, zusaetzlich mit der dualen reihe, und Neuro mit mit dem Netter. die TAs sind fuer innsbrucker aber sowieso pflichtlektuere, band eins von werner platzer (innsbrucker oberanatom) und band zwei von der derzeitigen chefin. fuer spezialfragen gibts noch ein paar DRM-freie grays anatomy kopien, die immer irgenwer auf der festplatte hat ;)

#5 |
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Student der Humanmedizin

Ich muss sagen super Vergleich der beiden “Kontrahenten”.

Als Einstieg in die Anatomie ist der Prometheus unantastbar, weil er ja versucht die Brücke zwischen Lehrbuch und Atlas zuschlagen. Meine Erfahrung im Präp-Kurs hat mir aber ein entscheidendes Manko am Prometheus offenbart, es fehlen einfach Strukturen. Es werden manchmal “Rami” von Arterien vergessen oder dort ein Ligamentum. Das war für mich dann das K.O.-Kriterium für den Prometheus.
Kurze Zeit später habe ich dann die optimale Kombination für mich entdeckt und bin auf den Sobotta ausgewichen hierzu ein Lehrbuch und ich war glücklich. Der Sobotta ist als Atlas eigentlich nicht zu toppen und mit einem guten Lehrbuch, bekommt man ein sehr gutes und fundiertes Wissen von der Anatomie.
Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, dass jeder Buchvergleich nur einen Anhaltspunkt geben kann, weil man kann das “beste” Buch haben, aber wenn man mit diesem nicht lernen kann, dann hat man ein Problem. Also schaut euch die Bücher vorher an (Bib, Buchhandel,…) und entscheidet euch: “Kann ich damit lernen?”

#4 |
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Studentin der Humanmedizin

Danke für den übersichtlichen, hilfsreichen Artikel. Ich war mir auch nicht sicher, was zum Einstieg besser wäre. Jetzt kann ich mir mit Sicherheit Prometheus besorgen.

#3 |
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Udo Janus
Udo Janus

“Eines der umfangreichsten und zugleich wichtigsten Grundlagenfächer der Vorklinik ist die Anatomie.” Seit knapp einem Jahr bin ich ärztlich tätig, die Erinnerung an mein Studium in Düsseldorf ist noch frisch: Die Bedeutung der Anatomie wird meiner Meinung nach um Größenordnungen überschätzt. Die Anatomen in Düsseldorf plusterten sich auf und hielten an einem völlig überzogenen Detaillierungsgrad fest.

Leider stand der “Prometheus”-Atlas zu Beginn meines Studiums noch nicht zur Verfügung, sondern wurde erst im Laufe meines vorklinischen Studiums herausgegeben, so dass ich mehrere Anatomie-Atlanten besaß. Mein Fazit: zum “Prometheus”-Atlas gibt es derzeit keine sinnvolle Alternative.

#2 |
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Ich bekenne mich zum Sobotta. Einmal habe ich in unserer Bib in einem Prometheus rumgeblätter und mich nicht gut zurecht gefunden. Vermutlich lag es aber auch daran dass ich mich schon vorher an den Stil des Sobotta gewöhnt habe. Ich fand die Kombination Lippert als Lehrbuch und Sobotta als Atlas klasse. Für das Physikum haben mir vor allem die Leitungsbahn-Tafelbilder das verstehen erleichtert.

#1 |
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