Nach dem Tode… der Pathologe

9. März 2007
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Sowohl für Pathologen als auch für Rechtsmediziner etwas ärgerlich, wenn wieder mal in Fernsehkrimis die Pathologie mit der Rechtsmedizin, welche sich mit der Klärung unnatürlicher Todesursachen beschäftigt, verwechselt wird. Wir haben den Beruf des "Pathologen" für Euch genauer unter die Lupe genommen!

Die Pathologie umfasst die Beratung und Unterstützung der in der Vorsorge und in der Krankenbehandlung tätigen Ärzte. Als wichtiges Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin gibt die Pathologie oft Auskunft über die Art und denSchweregrad der Erkrankung. Teil der Arbeit ist auch die Überwachung des Krankheitsverlaufes und die Bewertung therapeutischer Maßnahmen durch die Beurteilung übersandten morphologischen Untersuchungsguts. Auch bei versicherungsmedizinischen Zusammenhangsfragen wird oft ein Pathologe herangezogen, der durch Obduktion die richtige Therapie, Behandlung bzw. das richtige Handeln des Arztes am Patienten kontrolliert.

Interview
Das Interview haben wir mit Herrn Dr. med. Gerhard Mall geführt, der sich derzeit der Aus-/Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie befindet.
(Dr. Mall = Dr. Gerhard Mall / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Doktor Mall…unter dem Beruf des Pathologen stellt man sich plakativ ausgedrückt den grünbeschürzten "Metzger" am Seziertisch vor, der den ganzen Tag Leichen zerteilt. Wie kommen Sie zu dem Berufswunsch des Pathologen?
Dr. Mall: Mein Studium liegt ja noch nicht allzu lange zurück. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich den ersten Tag im Präpkurs stand und buchstäblich wusste, dass mein Herz für die Anatomie/Pathologie schlägt. Ich war von Anfang an von der Idee begeistert, die "Detektivarbeit" des Pathologen auszuüben. Erkrankungen, Todesursachen und krankhaften Veränderungen des Gewebes nachzuspüren ist ein wahnsinnig interessantes Berufsfeld, das viel Konzentration, sauberes und verantwortungsvolles Arbeiten und ein hohes Maß an anatomischen, histologischen und – logisch – pathologischen Kenntnissen voraussetzt.

MS: Wie empfinden Sie denn Ihre Ausbildung zum Pathologen?
Dr. Mall: Es ist ja nicht so, wie Sie es anfangs ein wenig humorvoll ausgedrückt haben. Man hat schon sehr viel Kontakt mit Kollegen, anderen Instituten, denen man zuarbeitet, und auch Angehörigen. Natürlich hat man als Pathologe aber keinen wirklich direkten Einfluss auf Heilung oder Rehabilitation des Patienten – dessen muss man gewahr sein. Es gibt ja den schönen Spruch: "Der Chirurg kann alles, weiß aber nichts – der Internist weiß alles, kann aber nichts – und der Pathologe weiß alles, kann auch alles, kommt aber immer zu spät!"

MS: Sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
Dr. Mall: Auf alle Fälle. Diesbezüglich bin ich also nicht enttäuscht worden! Da ich ja schon, wie angedeutet, sehr früh wusste, in welche Richtung ich mich entwickeln möchte, habe ich mir auch schon rechtzeitig ein genaues Bild von meiner späteren Tätigkeit machen können. Ich habe früh begonnen, einschlägige Literatur zu lesen und mich auch abseits des Hörsaales ein wenig mit dem Themenbereich der Pathologie zu beschäftigen.

MS: Muss man Ihrer Meinung nach einen ganz besonderen Draht zu den Fachbereichen "Anatomie und Histologie" besitzen, um das Thema überhaupt adäquat verstehen/lernen/begreifen zu können?
Dr. Mall: Auf alle Fälle! Ein absolut fundiertes Wissen (und auch der Spaß daran!) um die Anatomie, die Histologie, die Physiologie und die vermeintlichen "Nebenfächer" wie Biochemie, Chemie und Physik sind meines Erachtens nach nahezu unerlässlich, um den Beruf des Pathologen fachgerecht auszuüben. Diese Bereiche und das Wissen darum werden jeden Tag am Sektionstisch, unter dem Mikroskop oder im Labor benötigt. Da es unwahrscheinlich viele Zusammenhänge und Funktionen gibt, die kausal miteinander verknüpft sind – und die Erfahrung mit diesen Beziehungen ein verantwortungsvolles Arbeiten voraussetzt – kommt man ohne den Spaß an diesen Fächern schnell an Grenzen, die den Beruf unmöglich machen!

MS: Letzte Frage: Wie steht es denn mit den Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich "Pathologie" aus?
Dr. Mall: Das Gebiet rund um die Krankheitslehre erfährt ja fast täglich neue Veränderungen und Ergänzungen. Gerade der Bereich der Molekularpathologie ist eine große Herausforderung mit ständigen Neuerungen und innovativen technischen Fortschritten. Es gibt unzählige Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten – so schnell wird der Beruf also sicherlich nicht langweilig! (lacht!)

MS: Herr Dr. Mall – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

Allgemeine Informationen

Ausrichtungen / Schwerpunkte der Ausbildung

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • pathologischer Anatomie, besonders im Obduktionswesen einschließlich der speziellen Präparations- und Nachweismethoden der makroskopischen und mikroskopischen Diagnostik
  • einer Mindestzahl selbständig durchgeführter Obduktionen einschließlich histologischer Untersuchungen und epikritischer Auswertungen
  • der Herrichtung von obduzierten Leichen und der Konservierung von Leichen
  • der Entnahme morphologischen Materials für histologische und zytologische Untersuchungen einschließlich der Methoden der technischen Bearbeitung, der Färbung sowie der Apparatekunde des Gebietes
  • den speziellen Methoden der morphologischen Diagnostik einschließlich der Immunhistochemie und Morphometrie
  • der Qualitätssicherung ärztlicher Berufsausübung

Aufbau der Ausbildung

72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte. Davon können bis zu 12 Monate Weiterbildung in Anatomie oder Neuropathologie oder Rechtsmedizin anerkannt werden.

Dauer der Ausbildung

6 Jahre

Arbeitsplätze / Arbeitgeber

  • Kliniken
  • Pathologische Institute
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Allgemein

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