Gegen Furcht und Angst

23. März 2007
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Ein neues Netzwerk zwischen Neurowissenschaftern aus Österreich und der Schweiz setzt sich intensiv mit jenen Regionen im menschlichen Gehirn auseinander, in denen Furcht und Angst entstehen.

Angst ist eines der wichtigsten Gefühle des Menschen. Sie schärft die Aufmerksamkeit und hilft, Gefahren zu erkennen und richtig zu handeln. Angst steht aber auch in Verbindung mit zahlreichen Erkrankungen und ist eines der häufigsten psychopathologischen Symptome. In Österreich und Deutschland leidet rund zehn Prozent der Bevölkerung unter Angstzuständen, die einer Behandlung bedürfen.

In der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen spielen Kognitionen eine wichtige Rolle, als biologische Grundlage werden Regulationsstörungen der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Glutamat diskutiert. Im Detail sind die Zusammenhänge aber vielfach noch ungenügend erforscht. Ein neues Netzwerk gegen Furcht und Angst soll das ändern.

Den Emotionen auf der Spur

Angst und Furcht ist aber nicht dasselbe: Furcht richtet sich immer auf eine reale Bedrohung, Angst ist dagegen ein unbestimmter Gefühlszustand. Emotionen wie diese, werden in einer Gehirnregion verarbeitet, die man das limbische System nennt. Es reguliert die Antriebe zur Wiederholung lustvoller und zur Vermeidung negativer Handlungen. Österreichische und Schweizer Neurowissenschaftler haben sich zu einem Forschungsnetzwerk gegen Furcht und Angst zusammengeschlossen. Sie sind der Rolle des limbischen Systems bei der Entstehung von Emotionen auf der Spur.

Das Doktoratskolleg, das vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) genehmigt wurde, erforscht in verschiedenen Tiermodellen die Funktion neuronaler Schaltkreise auf anatomischer, elektrophysiologischer und molekularer Ebene und geht der Frage nach, wie bestimmte Schaltkreise des Gehirns gezielt beeinflusst werden können. Auf diese Weise erhoffen sich die Neurowissenschaftler detaillierte Einblicke in die Entstehungsmechanismen von Angst und Furcht.

Erste Zwischenbilanz in drei Jahren

In dem neuen Netzwerk arbeiten die Forscher Günther Sperk und Francesco Ferraguti von der Medizinischen Universität Innsbruck und Nicolas Singewald von der Leopold-Franzens Universität mit Werner Sieghart vom Wiener Hirnforschungszentrums und Andreas Lüthi vom Friedrich Miescher Instituts in Basel zusammen. Koordiniert wird das Projekt von Günther Sperk vom Innsbrucker Institut für Pharmakologie.

"Laut einer vom European Brain Council initiierten Studie stellen Angsterkrankungen die häufigste Erkrankung des Gehirns dar", erklärt Sperk. "Wir hoffen mit diesem Netzwerk einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis physiologischer und pathophysiologischer Mechanismen, die zur Entstehung von Furcht und Angst beitragen, leisten zu können." Das neue Forschungsnetzwerk wird sechs Jahre lang finanziert, wobei nach drei Jahren eine Zwischenevaluation durchgeführt werden soll, die über die Weiterführung entscheidet. Finanziert wird das neue Netzwerk gegen Furcht und Angst vom FWF mit rund 600.000 Euro pro Jahr.

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Pharmakologie

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