Sectio caesarea: Rate niedriger, Risiko höher?

21. November 2013
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Die Kaiserschnittrate ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2011 bis 2012 gesunken. Eine Trendwende ist noch nicht abzusehen, dennoch stellt sich die Frage: Ist die Abnahme der Kaiserschnittrate positiv zu bewerten oder nicht?

Laut Statistischem Bundesamt ist die Rate von 2011 bis 2012 um 0,4% gesunken– von 32,1% auf 31,7%. “Es ist verfrüht, aus diesem Rückgang bereits eine Trendwende abzusehen”, so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. “Außerdem zeigt eine detaillierte Auswertung mit Daten, die dem Statistischen Bundesamt nicht zur Verfügung stehen, dass die Zahl sekundärer Kaiserschnitte stetig zunimmt. Das wäre ein erheblicher Nachteil für Mutter und Kind.”

Bundesländer: Unterschiedliche Trends

Zunächst einmal sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Trends zu beobachten:  Die Kaiserschnittrate ist seit 2011 vor allem in Bundesländern zurückgegangen, die bisher eine hohe Kaiserschnitthäufigkeit hatten wie Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. In einigen Bundesländern dagegen, die bisher eher am unteren Rand der Skala lagen wie Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt steigt die Zahl der Kaiserschnitte dagegen langsam, aber kontinuierlich an.

Detailliertere Aussagen lassen die Grunddaten der Krankenhäuser nicht zu, auf die sich das Statistische Bundesamt bezieht. Hier sind die Daten der Bayerischen Perinatalerhebung hilfreich, die ebenfalls bereits für das Jahr 2012 vorliegen mit einer Trend-Auswertung für 2013.

Zahl der wiederholten Kaiserschnitte zugenommen

Auch in Bayern hat die Kaiserschnittrate von 2011 (33,6%) über 2012 (33,2%) auf 2013 (33,0%, vorläufige Trendanalyse) kontinuierlich abgenommen. Allerdings scheint es, als ob die Entscheidung gegen einen Kaiserschnitt in manchen Fällen teuer erkauft ist: Während im Jahr 2010 unter den Kaiserschnitten insgesamt die Rate der geplanten (primären) Kaiserschnitte noch höher war als die der sekundären, hat sich das Verhältnis seit 2011 umgedreht. Während die Zahl der geplanten Kaiserschnitte immer weiter abnimmt, steigt die Rate der Kaiserschnitte, für die die Entscheidung erst während der Geburt fällt. Bei diesen sekundären Kaiserschnitten besteht immer ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind. Sie sollten eigentlich dringend vermieden werden.

 2010201120122013 (Trend)
Sectio33,0%33,6%33,2%33,0%
Davon Resectio6,9%6,6%7,4%8,5%
Verbleibende Kaiserschnitte93,1%93,4%92,6%91,5%
Davon primär50,4%49,8%49,4%47,8%
Davon sekundär49,6%50,2%50,6%52,2%
[Perinatalstatistik Bayern 2010 bis 2013]

 

Zugenommen hat außerdem die Zahl der wiederholten Kaiserschnitte, also Kaiserschnitte nach vorheriger Entbindung per Kaiserschnitt, und zwar von 6,6% aller Kaiserschnitte (2011) auf 8,5% (2013).

Ist die Abnahme der Kaiserschnittrate von 2011 auf 2012 in Deutschland nun positiv zu bewerten oder nicht? “Wichtig ist es, dass es Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt gut geht, und dass beide keine dauerhaften gesundheitlichen Schäden aus der Geburt davontragen”, so Dr. Albring. “Die ärztliche Schwangerenvorsorge und Geburtsmedizin in Deutschland in Deutschland ermöglicht es allen Frauen, die für sie und das Kind beste Entscheidung zu treffen, sei es nun für oder gegen einen Kaiserschnitt. Die Kaiserschnittrate selbst – ohne Berücksichtigung weiterer Zusammenhänge – ist als Beurteilungskriterium für eine gute oder schlechte Geburtsmedizin wenig geeignet.”


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1 Kommentar:

Barbara Filsinger
Barbara Filsinger

Die Zunahme der sekundären Kaiserschnitte ist keine medizinische Verschlechterung, sondern sicherlich das Egebnis der Änderung der Kodierrichtlinien.

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