K.O., OK? Der Anästhesist

4. April 2007
Teilen

Die Anästhesie als Fachdisziplin beschäftigt sich mit der Ausschaltung der Empfindungen, u.a. des Schmerzes, meist um unangenehme Prozeduren (z.B. schmerzhafte Operationen) zu ermöglichen. Was diese Facharzt-Disziplin beinhaltet und wie die tägliche Arbeit aussieht, erfahren wir heute von Herrn Dr. med. Stefan Baum.

Die Anästhesie (aus dem Griechischen: die "Nicht-Empfindung") ist als praktisches Arbeitsgebiet ein Teil der Anästhesiologie, zu dem auch die Gebiete Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin gehören. In Deutschland trägt der Beruf die Bezeichnung "Facharzt für Anästhesiologie" oder kurz "Anästhesist" oder landläufig auch "Narkosearzt". In der Regel steht ihm eine Pflegekraft zur Seite, die ebenfalls häufig über eine definierte Weiterbildung in Anästhesie und Intensivmedizin verfügt.

Das Gebiet Anästhesiologie umfasst die Allgemein-, Regional und Lokalanästhesie einschließlich deren Vor- und Nachbehandlung, die Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen während operativer und diagnostischer Eingriffe sowie intensivmedizinische, notfallmedizinische und schmerztherapeutische Maßnahmen.

Interview
Das Interview haben wir mit Herrn Dr. med. Stefan Baum geführt, der als Anästhesist in Kliniken und Arztpraxen tätig ist.
(Dr. Baum = Dr. Stefan Baum / MS = medizinstudent.de)

MS: Herr Dr. Baum…was hat Sie dazu bewogen, den Facharztbereich Anästhesiologie auszuwählen?
Dr. Baum: Witzigerweise kam ich zu diesem Fachbereich durch eine sehr persönliche Erfahrung während meines Medizinstudiums. Ich musste mir vor einigen Jahren die Weisheitszähne operativ entfernen lassen und habe bei meinem Kieferchirurgen einen wahnsinnig netten Anästhesisten kennen gelernt. Dieser hat den Eingriff für mich – auch wenn das jetzt lustig klingen mag – zu einem echten Erlebnis gemacht, da er äußerst einfühlsam und kompetent sein "Handwerk" verrichtet hat. Ich habe mich lange mit ihm über seinen Fachbereich unterhalten und dadurch ein großes Interesse entwickelt, in die selbe Richtung zu tendieren.

MS: Und wie haben Sie Ihre Ausbildung empfunden?
Dr. Baum: Ich sage einmal so: Bis heute habe ich es nicht bereut, diese Fachrichtung eingeschlagen zu haben. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind die Arbeitszeiten: Man ist normalerweise vor dem Chirurgen im OP, um den Patient vorzubereiten und die Narkose einzuleiten – und man verlässt diesen dann auch als Letzter, da man den Patienten ja auch wieder zurückholen und überwachen muss. Davon abgesehen, ist die Ausbildung – nicht zuletzt dank einer sehr guten Klinik, in welcher ich sein durfte – sehr positiv verlaufen.

MS: Sieht denn Ihre tagtägliche Arbeit auch wirklich so aus, wie Sie Sich das während des Studiums gedacht haben?
Dr. Baum: Während des Studiums habe ich mich oft über die fehlende Praxisnähe geärgert. Man hat bis zum Ende des Studiums eigentlich so gut wie (fast) keinen wirklichen Patientenkontakt. Das ist ein großes Manko, das dringend überdacht und geändert werden müsste! Ich muss gestehen, dass ich während des Studiums auch noch nicht wirklich an den späteren Berufsalltag gedacht habe, da ich mit Lernen und dem allgemeinen Stress in und um die Uni fertig werden musste.

MS: Welche Gebiete während des Studiums spielen denn für die Anästhesie Ihrer Meinung nach die größte Rolle? Wo sollte man denn besonderes Augenmerk darauf richten, wenn man frühzeitig weiß, dass Anästhesie der Wunschberuf sein könnte?
Dr. Baum: Gute Frage! Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Auf alle Fälle sollte man ein fundiertes Wissen um die Biochemie und hierbei besonders um die biochemischen Vorgänge im Gehirn und dem Nervensystem haben. Wem dieses Gebiet langweilig oder nervig erscheint, wird wohl mit der Anästhesiologie später nicht viel anzufangen wissen! (lacht!)

MS: Letzte Frage: Wie steht es denn mit den Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich "Anästhesie" aus?
Dr. Baum: Hier gibt es durch allgemeine medizinische (vor allem chirurgische) Fortschritte in den letzten Jahren natürlich viele Teilgebiete, auf welchen man sich fort- und weiterbilden kann, oder sich einfach aus eigenem Interesse neue Erkenntnisse anlesen/aneignen kann.

MS: Herr Dr. Baum – wir danken Ihnen recht herzlich für das nette Gespräch!

 

Allgemeine Informationen

Ausrichtungen / Schwerpunkte der Ausbildung:

Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten unter anderem in:

  • der Behandlung akuter Störungen der Vital-Funktionen, einschließlich Beatmungsverfahren und notfallmäßiger Schrittmacheranwendung
  • der Infusions- und Hämotherapie einschließlich parenteraler Ernährung
  • der Beurteilung perioperativer Risiken
  • notfallmedizinischen Maßnahmen
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das Krankheitsbild
  • Beatmungstechniken einschließlich der Beatmungsentwöhnung
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich Legen von Drainagen und zentralvenösen Zugängen sowie der Gewinnung von Untersuchungsmaterial

Aufbau der Ausbildung:

60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte. Davon können bis zu 12 Monate in einem anderen Bereich angerechnet werden und bis zu 18 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

Dauer der Ausbildung:

5 Jahre

Arbeitsplätze / Arbeitgeber:

  • Kliniken
  • Ambulante Bereiche / Praxen
0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: