Die Schäfchen fügen sich!

20. April 2007
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Die studiengebührenfreien Flecken in Deutschland verschwinden. Mit dem beginnenden Sommersemester sind Studiengebühren im überwiegenden Teil deutscher Hochschulen zur Realität geworden. Auch Proteste und Boykottaktionen hatten keinen Erfolg.

Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und das Saarland haben schon oder führen zum nächsten Semester definitiv allgemeine Studiengebühren ein. In allen anderen Bundesländern scheint es mehr eine Frage der Zeit und des politischen Geschachers, bis auf den Gebührenzug aufgesprungen wird.

Heikle Einführung
Damit allgemeine Studiengebühren erhoben werden können, muss nach der Gesetzgebung der Länder jede Universität im eigenen Senat den entsprechenden Beschluss fassen. Dies führt dazu, dass der große Kampf ums Prinzip an jeder Universität zum Kleinkrieg der Gegner und Befürworter von Studiengebühren wird – so geschehen in Münster. Dort hat ein studentischer Vertreter die entscheidende Stimme für die Gebühreneinführung abgegeben und somit Unmut bei vielen Kollegen hervorgerufen.

Die Emotionalität der Debatte musste das studentische Senatsmitglied in der Studentencommunity STUDIVZ erdulden – hunderte von Beschimpfungen und Drohungen prasselten auf ihn ein – eine sicher zumindest zweifelhafte Art des friedlichen Protests so Spiegel-Online.

Gebührenboykotte laufen nicht
Auch die Gebührenboykottaktionen an den Universitäten scheitern bis jetzt kläglich. Erst kürzlich mussten die Boykottvertreter in Karlsruhe den Boykott für gescheitert erklären. Nur an den drei kleinen Hochschulen der Stadt wurde die Boykottquote erreicht, an der großen und zahlenmäßig entscheidenden Universität wurde die Quote hingegen verfehlt. So bleibt der letzte noch offene Boykott an den Hamburger Hochschulen, die ihre Gebühren später als die anderen entrichten müssen. Auch wenn hier der Ausgang noch offen ist, ist der Gebührenboykott in seiner bisherigen Art als gescheitert anzusehen.

Gebühren – woher das Geld nehmen?
Interessanter ist da schon für viele, wie man das Geld für die Gebühren aufbringt. Wer nicht selber zahlen kann, hat an allen Universitäten mit allgemeinen Studiengebühren die Möglichkeit, einen verhältnismäßig günstigen Kredit aufzunehmen. Die Landesbanken bieten Kreditmodelle mit annehmbaren Rückzahlungsmodalitäten. (Weitere Informationen hierzu findet Ihr bei medizinstudent.de.) Das ändert jedoch auch nichts am Grundproblem der Verschuldung für das Studium.

Sind Gebühren gerecht?
Für das Medizinstudium stellt sich die Frage nach der Gerechtigkeit der Gebühren besonders pikant. Schließlich ist das Medizinstudium einer der teuersten Studiengänge. Ein Mediziner zahlt durch Steuern und Abgaben aus seinem späteren Einkommen nicht alles an die Gesellschaft zurück, was diese für ihn aufgebracht hat meldet die Ärztezeitung.
Fraglich ist aber, ob man die Gerechtigkeit von Gebühren mit einer solch einfachen Milchmädchenrechnung beurteilen kann. Schließlich hat das Medizinstudium auch nach Einführung von Studiengebühren ein massives Qualitätsproblem. Zudem sollte klar sein, dass die teure Ausbildung von Medizinern gesellschaftlich gesehen einen über das Finanzielle hinaus gehenden Nutzen erbringt.

Stipendienmodelle unzureichend
Gesellschaftlich brisant ist auch, dass das Stipendiensystem in Deutschland in hohem Maß am sozial orientierten Bedarf vorbei arbeitet. Nicht immer bekommen die Bedürftigen das Geld der Stiftungen, die soziale Herkunft spielt zu oft doch noch eine entscheidende Rolle (Studis-Online).
Es ist also noch genug zu tun – auch wenn man die Einführung der Studiengebühren wohl kaum noch verhindern kann. Eine funktionierende Zweckbindung der Gebühren, mehr finanzielle Unterstützung für bedürftige Studenten und mehr gute Stipendienmodelle sind Ziele, für die es sich nach wie vor zu kämpfen lohnt.

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