Bezahlung im PJ – Her mit der Kohle!

7. Mai 2007
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Das PJ ist nicht nur Fortbildung im Kittel. Als Arbeitskraft entlasten PJ-Studenten auch die Abläufe in den Kliniken. Wer arbeitet, sollte dafür auch entlohnt werden, möchte man meinen - doch die Realität sieht wieder einmal ganz anders aus. Anders gehen die Helios-Kliniken vor - ein Beispiel mit Modellcharakter?

Der Deal ist ganz einfach. Wer als PJ'ler in einer der akademischen Lehrkrankenhäuser der Helios-Gruppe arbeitet, erhält 400 € Aufwandsentschädigung im Monat. Die Vergütung im PJ wurde im Dezember vom Marburger Bund für die PJ-Studenten ausgehandelt – eine große Freude für alle glücklichen PJler der Helios-Kliniken.

Doch sind die Helios-Kliniken leider nicht überall und können auch nicht allen PJ-Studenten Zuflucht in der bezahlten Oase bieten. In allen anderen Kliniken sieht es anders aus.

PJ – die Wahrheit
Aus studentischer Sicht stellt sich das PJ häufig schnell als unlustiger Dienst für das Krankenhaus dar. Morgens auf Station, Blutabnahmen, Zugänge, Verbände und allerlei Punktionen. In operativen Fächern gilt es, den OP-Plan mit Hakenhaltern zu besetzen, in vielen anderen Fächern werden Arztbriefe von PJ-Studenten geschrieben.

Von einer Entlastung für die Kliniken zu sprechen, wäre da geradezu Untertreibung. Der PJ-Student ist ein wirtschaftlicher Faktor, durch den Diagnostik und Therapie reibungslos laufen und die Klinik ihre Leistungsfähigkeit steigern kann. Es laufen mehr Operationen, mehr Funktionsuntersuchungen, die fertig ausgebildeten Assistenzärzte können sich stärker auf andere Tätigkeiten konzentrieren.

Im Gegenzug erhält der PJ-Student nichts – zumindest finanziell nicht. Ob das PJ aus anderen Gründen eher gut oder schlecht ist, sei dahingestellt und hängt immer von der Klinik und dort etablierten Strukturen für die Ausbildung ab. Fakt ist, dass ein PJ-Student auch nach Abzug aller Fortbildungen und Seminare und Studienzeiten etwa 5 Stunden täglich investiert, oft auch mehr. Dazu kommen zwischendurch ebenfalls unbezahlte Dienste von mindestens 12 Stunden, in denen dem Dienstarzt unter die Arme gegriffen wird.

Das monatliche Arbeitsaufkommen liegt demnach grob berechnet bei 120-140 Stunden – ohne Bezahlung!

Protest – spät aber berechtigt
Die Vergütung der PJ-Studenten in den Helios-Kliniken hat vielen Studenten die Augen geöffnet. Die monatlichen 400 Euro sind eine faire finanzielle Entschädigung für den Dienst im PJ. Sie steigern die Motivation und nehmen ein gutes Stück finanzielle Last im PJ. Schließlich arbeiten viele PJ-Studenten nach dem Dienst, um sich das Leben finanzieren zu können.

So oder so ähnlich müssen auch die Medizinstudenten im Hartmannbund gedacht haben als sie auf die Idee eines bundesweiten Protesttages kamen. Am 13. Juni sollen alle Medizinstudenten an den medizinischen Fakultäten von 11:00 – 14:00 Uhr für eine Vergütung im PJ demonstrieren. In einem Schreiben, das derzeit in studentischen Mailinglisten kursiert, werden alle PJ-Studenten zu Protestaktionen aufgefordert. Dazu sollen sie sich möglichst zahlreich, am besten alle, einen Studientag bzw. Urlaubstag nehmen, um an den lokalen Protestaktionen teilzunehmen.

Die Vorbereitungen und Bemühungen um lokale Vertreter mit aufsehenerregenden Aktionen laufen auf Hochtouren. Auch wenn ein Protest sicher nicht von heute auf morgen zu Veränderungen führen wird – kein Protest wird jedoch mit absoluter Sicherheit zu nichts führen.

Das Datum kann man sich im Kalender bereits markieren, über Ideen zu ausgefallenen Protestaktionen würden sich die koordinierenden Studenten im Hartmannbund sicher freuen. Zusammen sind auch PJler stark.

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