Verliebt? Aber mit Sicherheit!

29. Mai 2007
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Macht Selbstbefriedigung den Penis krumm? Oder kann man davon blind werden? Kriegen Lesben eigentlich auch HIV? Mit solchen und ähnlichen Fragen sehen sich die Mitarbeiter des Projekts "Mit Sicherheit verliebt" bei ihrer Arbeit konfrontiert.

Das Projekt "Mit Sicherheit verliebt" (MSv) hat sich sein Ziel in der sexuellen Aufklärung von Kindern und Jugendlichen gesetzt. Ursprünglich in Schweden zu Beginn der neunziger Jahre entstanden, kam die Idee nach Deutschland und wurde 2001 in Rostock umgesetzt. Heute gibt es viele weitere regionale Vertretungen in Kooperation mit der nationalen Organisation des bvmd. Andere Organisationen wie Pro familia unterstützen das Projekt. Sie stellen Fachleute bereit, die die Studenten bei ihrer sonst weitgehend eigenständigen Arbeit unterstützen und vor allem auf den viertägigen Workshops präsent sind.

Mitarbeit erwünscht
Wer aktiv bei dem Projekt mitarbeiten will, sollte vorher einen solchen Workshop besucht haben, da die Teilnahme die Voraussetzung für die Arbeit mit den Kindern in den Schulen ist. Der nächste Kurs findet vom 1. bis zum 3. Juni 2007 an der Uni Witten/Herdecke statt. Hier werden die Thematiken von Sexualpädagogen, Sozialarbeitern oder auch Kinderärzten vorgestellt und den Studierenden Grundkenntnisse in Didaktik, Kommunikation, Selbstreflexion und Problemlösung vermittelt. Diese Ausbildung bildet die Basis für ihre spätere Arbeit.

Die Aufgaben sind vielfältig. Die Studierenden arbeiten ehrenamtlich und finanzieren ihr Projekt über Sponsoren und Spenden, von denen dann Materialien beschafft werden müssen. Möglicherweise interessierte Schulen werden angeschrieben, Kontakt mit Lehrern aufgenommen und Besuchstermine organisiert. Und dann geht die Arbeit erst richtig los, die natürlich hauptsächlich in dem Kontakt mit den Kindern selbst besteht.

Der "Klassenausflug"
In Gruppen von meistens vier Studierenden verbringen die jungen Mediziner einen ganzen Schultag in der Klasse, meistens in den Jahrgangstufen sechs und neun, da hier auch der Lehrplan Sexualkunde vorsieht. Die Studenten wollen hier den Lehrstoff teils wiederholen, teils ergänzen. Selten nehmen die Lehrer Einfluss auf die Themen, die behandelt werden sollen; die Mitarbeiter von MSv entscheiden hier autark nach ihrer eigenen Einschätzung, was sie den Kindern vermitteln wollen. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die sexuell übertragbaren Krankheiten und deren Prävention gelegt. In diesem Rahmen werden dann auch die verschiedenen Verhütungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Aber auch die Anatomie und Grundlagenwissen zum Beispiel zum weiblichen Zyklus kommt nicht zu kurz.

Ein wichtiger Punkt ist die "peer education". Die Studenten sind selber noch nicht sehr viel älter als "ihre" Schüler. Es entsteht eine lockere Atmosphäre, in der das Lernen Spaß macht und man auch Fragen stellt, die man seinem Lehrer nicht stellen würde.

Die Wissensvermittlung läuft meist spielerisch. Wie man ein Kondom richtig benutzt, lernt man nun mal nicht durch Erklärungen. Also wird dies praktisch in Form einer Rallye geübt. Der schnellste gewinnt – da sind alle Schüler mit Eifer dabei, auch diejenigen die der ganzen Sache erst skeptisch gegenüberstanden. Schließlich wird niemand zum Mitmachen gezwungen, was nach spätestens einer Stunde aber auch sowieso nicht mehr nötig ist. Auch wird zum Beispiel das Vorwissen der Schüler mit einem alternativen Tabu-Spiel getestet, bei dem sie versuchen müssen Begriffe wie "Sex" oder "Kondom" umschreibend zu erklären. Dabei fällt oft auf, dass die Kinder zwar alles schon mal gehört haben, aber im Grunde nicht wissen, was wirklich dahinter steckt. Gerade diese Erkenntnis bestätigt die Studenten immer wieder in der Notwendigkeit ihrer Arbeit.

Was man davon hat?
Auch die überaus positive Resonanz auf ihre Aktionen ist immer ein Ansporn, ein Zeichen, dass ihre Mühen belohnt werden. Denn die letzte Frage, die die Kinder meistens stellen, lautet: "Wann kommt ihr denn wieder?"

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