Wanted! Lebern, Nieren und Herzen, wo seid ihr?

12. Juni 2007
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Über 10.000 kranke Menschen warten in Deutschland auf die Rettung ihres Lebens. Dabei ist jeder von uns ein potentieller Retter. Das Spenden von Organen ist in Deutschland jedoch leider immer noch eine Ausnahme und nicht die Regel, deshalb stehen Ärzte mit leeren Händen da - ist die Zeit reif für Änderungen?

Pflichtbewusstsein ist eine Tugend, die in Zusammenhang mit Deutschen im Ausland häufig angeführt wird. Deutsche schneiden die Hecken, kümmern sich um ihre Wälder, schützen die Tiere, sichern Bedürftige sozial ab und sorgen für das Alter vor – doch beim Spenden von Organen hört das Pflichtbewusstsein auf.

Obwohl in einer Umfrage der ZEIT über die Hälfte der Befragten mit einer Organspende nach ihrem Tod einverstanden wären, besitzen doch nur 12 % einen Organspendeausweis. Dieser ist jedoch Voraussetzung, um eine Organspende zu ermöglichen.

Organe sind also nicht knapp, weil sie nicht vorhanden sind. Trägheit, Faulheit und Ignoranz sind die wahren Feinde der Organspende. Dies wird auch den Verantwortlichen in der Politik und den Experten in der Gesellschaft klar.

Per Gesetz aus dem Dilemma?
Der Nationale Ethikrat hat Ende April in einer Stellungnahme zur Organspende einen Ausweg aus der Spendenmisere ins Gespräch gebracht. Von der geltenden Praxis des Zustimmungsrechts soll zu einem Widerspruchsrecht übergegangen werden. Dies bedeutet, dass prinzipiell jeder nach seinem Tod zur Organspende verfügbar ist, sofern er zuvor nicht Widerspruch einlegt. Ähnliche Regelungen sind beispielsweise in Österreich, Spanien und Argentinien etabliert.

Vielleicht gibt es gerade durch solche Regelungen in Spanien auf die Einwohnerzahl bezogen doppelt so viele Spenderorgane. Doch mit Gesetzen alleine ist es nicht getan – die sinnvolle Organisation ist nicht minder wichtig. In Spanien gibt es in jedem Krankenhaus einen Transplantationsbeauftragten, die Verantwortung für die Organspenden wird also nicht herumgeschoben und liegt in festen Händen. Es ist offensichtlich, dass die Organknappheit durch gesellschaftliche Anstrengungen wirksam bekämpft werden kann.

Vortragsreihe in Bochum
"Wie überwinden wir die Knappheit der Organe? Medizinethische Aspekte" lautet entsprechend der Titel des Vortrags, den Professor Michael Quante in Bochum anlässlich einer Vortragsreihe zur gerechten Mittelverteilung im Gesundheitswesen am 27. Juni 2007 halten wird. Wir fanden in einem Interview die Gelegenheit, Professor Quante schon im Vorfeld des Vortrags einige Fragen zur Organknappheit zu stellen. Hier gehts zum Interview.

Im Rahmen der Bochumer Vortragsreihe halten ab dem 09. Mai bis Anfang Juli Experten verschiedener Gebiete eine Reihe hochinteressante Vorträge zu medizinethischen Fragen, unter anderem zur Frage der Selbstverschuldung von Erkrankungen und möglichen Auswirkungen der Einführung von Gentests in der Arbeitswelt und im Versicherungswesen.

Hier geht's zum Interview mit Prof. Quante auf medizinstudent.de!

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