HDL-Cholesterin: Zielstruktur für Therapieansätze

6. November 2013
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Forscher haben entdeckt, dass HDL-Cholesterin die Skelettmuskelfunktion verbessert und gleichzeitig Fettmasse verringert. Deswegen könnte HDL als neue Zielstruktur für therapeutische Ansätze bei Metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes dienen, wie die Wissenschaftler nun berichten.

Menschen mit Typ 2-Diabetes sind überdurchschnittlich häufig von atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Einer der stärksten unabhängigen Risikofaktoren bei diesen Patienten ist die niedrige Konzentration von High density lipoprotein (HDL)-Cholesterin und seines wesentlichen Bestandteils Apolipoprotein A I (ApoA-I). Ein internationales Team von Wissenschaftlern um Dr. Susanna Hofmann vom Institut für Diabetes und Regenerationsforschung (IDR) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) und Dr. Maarit Lehti aus dem LIKES Research Center for Sport and Health Sciences, Jyväskylä, Finland, haben nun festgestellt, dass HDL für einen gesunden Stoffwechsel und die Funktion der Skelettmuskulatur erforderlich ist.

In ihrer Studie beobachteten Hofmann und ihr Team, dass ohne den HDL-Bestandteil ApoA-I die Kalorienverbrennung in der Skelettmuskulatur reduziert ist, was zu erhöhten Glukosespiegeln und beeinträchtigter Muskelfunktion führt. Die Wissenschaftler haben außerdem festgestellt, dass HDL und ApoA-I die zelluläre Zuckerverwertung verbessern. Sie konnten erstmalig zeigen, dass erhöhte HDL und ApoA-I-Spiegel im Tiermodel nahrungsbedingte Hyperglykämien (Überzucker) verhindern und davor schützen, dass altersbedingt die Muskelleistung ab- und die Fettmasse zunimmt. Daneben konnten die Wissenschaftler eine verbesserte Funktion der Mitochondrien beobachten und dies indirekt durch die deutliche Verringerung eines weiteren Energiestoffwechselsignales, des Fibroblast Growth Factor 21 (FGF-21), bestätigen.

“Unsere Ergebnisse verknüpfen zum ersten Mal Cholesterinwerte mit gestörter Energieverbrennung in der Zelle, die häufig bei Typ 2-Diabetes beobachtet wird. Medikamente, die den Effekt von ApoA-I nachahmen, werden jetzt schon zur Prävention und Behandlung von Atherosklerose in klinischen Studien getestet. Basierend auf unseren Ergebnissen bieten diese Wirkstoffe eventuell auch neue Therapieansätze für Typ 2-Diabetes“, erklärt Dr. Hofmann, die mit ihrem internationalen Team die Wechselwirkungen zwischen Fett– und Glukosestoffwechsel untersucht. Sie fügt hinzu: „Unsere Ergebnisse sind besonders relevant für Frauen mit Typ 2-Diabetes, da ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu Männern deutlich erhöht ist. Diese Frauen haben besonders niedrige Konzentrationen von sogenanntem „gutem“ Cholesterin.”

Originalpublikation:

High-density lipoprotein maintains skeletal muscle function by modulating cellular respiration in mice
Maarit Lehti et al.; Circulation, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.001551; 2013

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1 Kommentar:

Ärztin

Das ist ja alles gut und schön, aber die Untersuchungen fanden an Mäusen statt. Das Alter der Mäuse bleibt unbekannt und Alterungsprozesse mit ihren Stoffwechselveränderungen sind nicht berücksichtigt.
Im jungen und gesunden Organismus mag das alles so stimmen, aber die meisten Menschen und in diesem Fall die besonders erwähnten Frauen bekommen ihren Diabetes Typ II überwiegend postmenopausal. Dieser Aspekt ist in keinem Mausmodell berücksichtigt. Es ist mit Sicherheit nicht ausreichend nur am HDL-Wert zu “schrauben”. Das “gute” HDL ist nämlich auch mit Entzündungen assoziiert und erhöht bei Niereninsuffizienz, besonder im fortgeschrittenen Alter.
Es liegt nahe, dass HDL eher ein Marker für Stoffwechseltyp und Stoffwechselsituation ist als ein Hebel an dem man Stoffwechselsituationen manipulieren kann.
Viel interessanter ist, wie sich Ernährung und vor allem Bewegung auf den Cholesterinmarker HDL im Organismus auswirkt.
Dazu gibt es auch wunderschöne Studien- am Menschen.

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